Ist die psychotherapeutische Versorgung in Österreich gefährdet?

ÖAGG will Dialog Psychotherapeut/Mediziner verstärken

Wien (OTS) -

Dialogforum „Brennpunkt Psychotherapie“

Der Weg in ein besseres Leben – unterstützt durch psychotherapeutische Maßnahmen – ist für den Einzelnen manchmal schwer zu finden oder zu finanzieren. Die individuell bessere Zukunft wird oft durch nicht vorhandene Therapieeinrichtungen blockiert. Die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit psychotherapeutischen Einrichtungen ist leider enden wollend.

Der BRENNPUNKT PSYCHOTHERAPIE, das Dialogforum des ÖAGG (Österreichische Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik) stellte am Dienstag (21.6.) die Frage nach der „Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung in Österreich“.

Faktum ist, dass den 8,5 Millionen Österreichern/-innen 8.500 eingetragene Psychotherapeuten/-innen zur Verfügung stehen. Auf 1.000 Einwohner kommt also 1 Therapeuten/-in. Etwa 90.000 Menschen (1,1% der Bevölkerung) holen sich bei Psychotherapeuten/-innen Hilfe und Unterstützung. Dafür wenden die Krankenkassen jährlich etwa 60 Millionen Euro auf. Schätzungen sprechen sogar von 80 Millionen. Die Hälfte der etwa 90.000 Patienten in Österreich bekommen Zuschüsse, bzw. Teilrefundierungen für die psychotherapeutische Behandlung. Für die andere Hälfte tragen die Kassen die vollen Kosten. Für Psychopharmaka werden an die 280 Millionen Euro pro Jahr in Österreich aufgewendet.

Mag. Bernhard Wurzer, stv. GD des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, unterstrich die Bereitschaft des Hauptverbandes, in die psychische Gesundheit mehr zu investieren. „Wir tun seit einigen Jahren mehr. Ob es genug ist, ist eine Frage des Betrachtungswinkels“. Er verwies auf die Intention des Hauptverbandes, die Ärzte von der Notwendigkeit einer stärkeren Ausbildung in psychischen Gesundheitsfragen zu überzeugen. Außerdem sei es notwendig, der Psychotherapie und den Patienten/-innen das „Stigma“ zu nehmen. „Vorurteile und Klischees, die so über Therapeuten, Behandlungsmethoden oder Patienten in den Köpfen der Öffentlichkeit sind, gehören ausgeräumt. Sie sind ein Relikt aus grauer Vorzeit“.

Für Mag. Alexander Grabenhofer-Eggerth, Experte der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), ist ein positiver Trend zu erkennen. „Was das Thema Stigma das Patienten/ -innen, Angehörige der PSY Berufe und sogar die Behandlungsmethoden betrifft, so wird im Rahmen der AG zum Rahmen-Gesundheitsziel 9 an dieser Thematik speziell gearbeitet“.

Heinz Laubreuter, Leiter der Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung, meinte, jeder Euro, der für leichte oder mittlere Depressionen in Medikamente investiert werde, sei verschenktes Geld. Er plädierte für eine psychotherapeutische Gesprächsbegleitung. „Vielleicht hat die Psychotherapie etwas Altmodisches an sich, wenn zwei Menschen 50 Minuten lang ohne ein Handy Aug in Aug miteinander sprechen. Aber es ist unbestritten, dass es hilft.“

Für Mag.a Vanja Rusnov, Projektleiterin der Psychotherapeutischen Ambulanz, ist eine Zusammenarbeit von Medizin und Psychotherapie unumgänglich. „Der Dialog zwischen den jeweiligen Fachleuten soll zielorientiert dort ansetzen, wo man Menschen vor einer schwerwiegenden Störung bewahren kann. Es gilt, die Menschen abzuholen und zu unterstützen“. Die Psychotherapeutische Ambulanz pta, bei der es Gruppentherapie auf e-card gibt, ist seit einem Jahr die patientennahe Praxis. „Wir erleben hier die Dankbarkeit der Hilfesuchenden, dass es möglich ist, Gruppentherapie auf Krankenschein zu bekommen. Seelische Probleme werden überwunden, Bewegung ist möglich, der Weg zurück an den Arbeitsplatz oder heraus aus der Krise ist möglich“.

Den präventiven Einsatz der Psychotherapie unterstützt auch Mag.a Maria-Anna Pleischl, die Generalsekretärin des ÖAGG. „Die Nachfrage nach psychotherapeutischer Ausbildung ist hoch. Der ÖAGG als ältester und größter Ausbildungsverein kann das notwendige hohe fachliche Niveau garantieren. Es liegt aber auch an den Therapeuten/-innen, bei den Menschen das Vertrauen in sie zu stärken und mit begrenzten Mitteln hilfreich zu sein.

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