Ärztekammer und Pharmaindustrie: ein klares „Ja“ zu mehr Transparenz

Pharmaunternehmen legen bis 30.6. auf ihren Websites offen, an wen und wofür geldwerte Leistungen in der Zusammenarbeit mit Ärzten, Krankenhäusern etc. erbracht wurden.

Wien (OTS) - 22. Juni 2016 – Die Zusammenarbeit der pharmazeutischen Industrie mit der Ärzteschaft sowie anderen Angehörigen und Institutionen der Fachkreise ist notwendig, um Therapieoptionen für Patienten stetig zu verbessern. Welche finanziellen Leistungen pharmazeutische Unternehmen dabei erbringen und wofür, das machen sie bis 30.6. auf ihren Websites öffentlich. Die Zahlungen, die offengelegt werden, betreffen Leistungen im Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung, Spenden und Förderungen, Veranstaltungen zum Zweck der Aus- und Weiterbildung sowie Dienst- und Beratungsleistungen. Grundlage für diese Transparenzinitiative ist der Pharmig Verhaltenscodex (VHC).

Die Pharmig hat unter allen Unternehmen, die dem VHC beigetreten sind, die Summen für die geldwerten Leistungen in den genannten Kategorien für das Jahr 2015 erhoben (Stand 20.6.2016). Die Unternehmen, die Angaben gemacht haben, spiegeln einen Großteil des heimischen Marktes wider. Auf Basis dieser Hochrechnung sind es rund 100 Mio. Euro, die in den Standort Österreich investiert werden. Mehr als 50 Prozent entfallen dabei auf die Organisation, Einrichtung und Durchführung klinischer Studien im Rahmen von Forschung und Entwicklung.

Dr. Karl Forstner, 1. Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), sagte dazu heute in einem gemeinsamen Pressegespräch mit der Pharmig, dem Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs: „Die Förderung von Medizin und Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dennoch gibt es in Österreich für die medizinische Forschung wie für die verbindlich vorgeschriebene ärztliche Fortbildung so gut wie keine öffentlichen Mittel. Beides ist nur mit Unterstützung der pharmazeutische Industrie möglich.“ Umso wichtiger seien gesetzliche und ethische Vorgaben und die klaren Verhaltensregeln, die Pharmig und Ärztekammer für ihre Mitglieder definiert hätten. „Damit haben wir schon vor Jahren die Basis für die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch gelegt, die für eine moderne Medikamentenversorgung unerlässlich sind.“

Forstner: „Jede von der Akademie der Ärzte akkreditierte Fortbildungsveranstaltungen muss mögliche Sponsoren bekanntgeben. Ärzte, die geldwerte Leistungen, etwa als Vortragende, erbringen, müssen Interessenkonflikte ganz klar darlegen. Und die nun startende Offenlegung durch Pharmaunternehmen ist ein weiteres positives Signal an die Öffentlichkeit.“

Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig, erläutert die Hintergründe der jüngsten Transparenzinitiative: „Europaweit gibt es unsererseits klare Bestrebungen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Gesundheitswesen und in die darin agierenden Partner zu stärken. Mit Offenheit und Transparenz zeigen wir auf, wo, wie und in welchem Rahmen zwei wesentliche Partner zum Nutzen der Patienten kooperieren.“ Der Pharmig VHC legt genau fest, wie diese Offenlegung zu erfolgen hat. „Für die Unternehmen bedeutet das einen enormen Aufwand. Sie generierten, analysierten und ordneten in den vergangenen Monaten tausende Datensätze, um die Ergebnisse letztlich übersichtlich auf ihren Websites verfügbar zu machen. Das hat in einigen Fällen auch dazu geführt, dass neue Arbeitsplätze geschaffen wurden – im Grunde ein weiterer positiver Effekt“, so Huber.

Die Offenlegung der geldwerten Leistungen an Angehörige und Institutionen der Fachkreise, wie beispielsweise Ärzte und Krankenhäuser, erfolgt individualisiert oder zusammengefasst. Voraussetzung für die individuelle Offenlegung ist die Zustimmung der Betroffenen. Dazu Huber: „Wir tragen hier dem Datenschutz Rechnung, weshalb alle Empfänger von geldwerten Leistungen auch um ihre Zustimmung zur Nennung ihres Namens gefragt werden. In der ersten Welle haben sich noch nicht alle Ärzte dazu bereit erklärt. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Zustimmungsrate von Jahr zu Jahr höher wird. Unser Ziel ist die individuelle Offenlegung.“

Auch für ÖÄK-Vizepräsident Forstner ist die individuelle Offenlegung das Ziel. Man stünde jedoch vor einem „Kulturwandel“, der Zeit brauche – gerade im deutschsprachigen Raum, wo es generell nicht üblich sei, über das Einkommen zu sprechen. „Was zählt, ist, dass wir mit dieser Initiative einen deutlichen Schritt für die Zukunft gesetzt haben. Jede einzelne Zustimmung ist ein Erfolg.“

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