AK: Neue Nationalbank-Daten zeigen – Vermögen in Österreich extrem konzentriert

Mehr Transparenz bei verstecktem Reichtum nötig

Wien (OTS) - Reicher als reich: Das reichste Prozent der österreichischen Bevölkerung verfügt allein über 25,4 Prozent des gesamten privaten Vermögens, während die ärmere Hälfte zusammen lediglich 3,2 Prozent besitzt. Das zeigen neue Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zur Vermögenskonzentration „Die wirklich Reichen werden in den Daten aber gar nicht erfasst, weil sie an der Erhebung nicht teilnehmen oder ihr Vermögen nicht vollständig angeben“, kritisiert AK-Ökonom Markus Marterbauer bei einer AK Veranstaltung zur Vermögensverteilung. Die tat-sächliche Vermögenskonzentration sei somit noch größer. „Die Reichen müssen in künftigen Vermögensberichten erfasst werden – das ist für eine faktenbasierte Wirtschaftspolitik unabdingbar“, fordert Marterbauer.

Die HFCS-Erhebung (Household Finance und Consumption Survey) der OeNB ist die bisher einzige Bestandsaufnahme für private Vermögen in Österreich – nun liegen die Ergebnisse der zweiten Welle vor. Die Erhebung wird von einem kleinen, international hoch angesehenen Team von ExpertInnen in der OeNB durchgeführt und gilt aufgrund der hohen Qualität in der Wissenschaft als verlässliche Datenquelle. Die AK kritisiert, dass das Vermögen von Superreichen in Österreich sehr schlecht abgedeckt ist. „Wird die Untererfassung der Reichsten berücksichtigt, ist die Vermögenskonzentration noch drastischer. Die zweite HFCS-Welle bestätigt: Die OeNB gehört heute zur Minderheit jener Notenbanken, die im Rahmen von Vermögenserhebungen der Erfassung der Spitze der Vermögensverteilung keine besondere Berücksichtigung widmen“, erklärt AK-Verteilungsexpertin Miriam Rehm.

Die starke Vermögenskonzentration wird in der Bevölkerung kritisch gesehen. So zeigt eine aktuelle Studie der Soziologinnen Julia Hofmann (Johannes Kepler Universität Linz) und Hilde Weiss (Universität Wien) zur Einstellung der Bevölkerung zu Reichtum, dass mehr als 60 Prozent der ÖsterreicherInnen „zu großen Reichtum von wenigen“ als Problem für die Gesellschaft sehen. „Vermögende sind meist überzeugt, ihren Reichtum durch eigene Leistung erworben zu haben. Der Rest der Bevölkerung ist allerdings der Meinung, dass Erbschaften oder soziale Netzwerke auch eine zentrale Rolle beim Vermö-gensaufbau spielen“, erklärt Hofmann. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung finden, dass reiche Menschen im Leben Vorteile genießen, die ungerechtfertigt sind.

AK fordert: Mehr Transparenz bei Vermögen
+ Reichtumsbericht nötig: Dieser soll – ähnlich dem Sozialbericht des Sozialministeriums – in regelmäßigen Abständen an den Nationalrat berichten und über die tatsächliche Vermögenslage in Österreich informieren.

+ „Versteckten“ Reichtum sichtbar machen: Bei den zukünftigen Wellen der HFCS-Vermögensbefragung soll die Untererfassung der Reichsten mittels Oversampling und verpflichtender Teilnahme korrigiert werden. Dies soll versteckten Reichtum sichtbar machen und faktenbasierte Wirtschaftspolitik ermöglichen.

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Wien
Doris Strecker
(+43-1) 501 65-2677, mobil: (+43) 664 845 41 52
doris.strecker@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0004