„kreuz und quer“ am 21. Juni: „Zukunft des Alterns“ und „Die Zeit, die uns bleibt“

Wien (OTS) - Bezogen auf die Gesamtbevölkerung erreichen heute sehr viele Menschen ein hohes Lebensalter – ein relativ junges Phänomen; deshalb fehlen Konzepte für einen gesellschaftlich integrativen Umgang mit der inzwischen langen letzten Lebensphase. Wie werden wir in Zukunft im Alter wohnen, arbeiten, leben und lernen? Was geschieht, wenn Pflege notwendig ist und das selbstbestimmte Leben zu Ende geht? Welche Modelle gibt es, die schon jetzt mit den ablehnenden Vorstellungen des Altseins aufräumen und Alternativen für die Zukunft darstellen? „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – zeigt dazu am Dienstag, dem 21. Juni 2016, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Dokumentation „Zukunft des Alterns“ von Thomas Grusch und Elisabeth Krimbacher. Um 23.15 Uhr folgt mit Helene Maimanns Film „Die Zeit, die uns bleibt “ ein sehr persönlicher Film über das Älterwerden anhand von drei Freundeskreisen.

„Zukunft des Alterns“ – Ein Film von Thomas Grusch und Elisabeth Krimbacher

„Wenn ich mit meinen Studenten über das Alter rede, könnte ich genauso gut über den Mars reden“, so der Gerontologe Franz Kolland. „Unser aktuelles Bild vom Alter hat immer nur mit Abhängigkeit und Krankheit zu tun.“ Diese negativen Vorstellungen seien im Kollektiv vorhanden und kämen in Form von Alzheimer-Witzen oder herablassendem Mitleid auch oft als Diskriminierung daher, so Kolland.

„Das Alter spielt nicht mehr so eine Rolle hier“, sagt die 75-jährige Christine Kitzweger, die seit einigen Jahren im generationenübergreifenden Wohnprojekt „Pomali“ in Wölbling/Niederösterreich wohnt. Hier leben 78 Menschen aller Altersstufen zusammen. Christine Kitzweger ist Leihoma für den siebenjährigen Joshua und entlastet so seine Eltern. Dass so auch für ältere Menschen ohne eigene Familie ein familienähnlicher Verband hergestellt werden kann bzw. die „Freundschaft“ im Alter ein zunehmend wichtiges Konzept sein wird, bemerkt Franz Kolland. „Gehörtwerden, das tut gut, da blüht man auf“, so Lilian Pardun, 72, ebenfalls Pomali-Bewohnerin.

Für die meisten Menschen endet das Gehörtwerden und Gebrauchtwerden allerdings abrupt bei Pensionseintritt – mit dem Resultat, dass Depressionen und psychosomatische Erkrankungen, aber auch die Fälle von Suizid in dieser Lebensphase ansteigen. Die heute 65-Jährigen sind eine durchwegs noch sehr fitte und leistungsfähige Personengruppe, die keinesfalls zum „alten Eisen“ gehören möchte. Franz Kolland plädiert nicht nur deshalb für eine altersintegrierte Gesellschaft, in der Ausbildung, Arbeit und Ruhestand/Freizeit schon zeitlebens wohldosiert parallel laufen und nicht abgehackt hintereinander, wie dies heute meist üblich ist. Unterforderung und Langeweile sind oftmals die Hauptprobleme von Pensionierten, stellt Franz Kolland fest, und nennt lebenslange Bildung, aber auch die Selbstüberwindung, immer wieder etwas Neues auszuprobieren und sich etwas zuzutrauen, als fundamental für Lebensqualität im Alter. Dazu gehört auch Bewegung: „10.000 Schritte am Tag senken das Demenzrisiko um 30 Prozent“, so der Uniprofessor, der selbst seit Jahren keinen Lift mehr benutzt.

Für den Philosophen Peter Heintel ist die Zeit des Alters – wenn Gesundheit und Geld stimmen –eigentlich auch die Zeit der größten Freiheit im Leben. Einziger Haken: Man weiß nicht, wie lang es noch dauert. Im Angesicht des Todes allerdings in einen panischen Aktionismus zu verfallen, hält er für falsch, denn ein erfülltes Leben sei nicht gleichzusetzen mit einem mit Aktivität vollgestopften Leben. Man müsse vorher schon „gelebt“ haben, am Ende lasse sich nichts mehr aufholen.

Wovor die meisten Menschen auch schon in jungen Jahren große Angst haben, ist Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit. Der Pflegebauernhof Ratheiser in Hinterberg/Kärnten zeigt, wie positiv und gesundheitsfördernd ein familienintegriertes Leben in der Natur und mit Tieren sein kann, auch wenn man selbst auf Hilfe angewiesen ist. Auch die vielgefürchtete „Endstation Pflegeheim“ ist, wie man am stark patientenorientierten Haus St. Bernadette in der Nähe von Breitenfurt sieht, bei näherer Betrachtung um einiges angenehmer und professioneller, als zu Hause von überforderten Verwandten gepflegt zu werden. Der allgemein große Wunsch vom „Sterben zu Hause“ hat laut Peter Heintel auch mit dem Wunsch zu tun, gerade in dieser Lebensphase solle sich nichts mehr verändern. Das erweise sich in jedem Fall als Illusion, denn Leiden und Tod veränderten alles, auch das traute Heim.

„Die Zeit, die uns bleibt“ – Ein Film von Helene Maimann

Die Baby-Boomer kommen in die Jahre. Sie haben die längste Jugend der Geschichte gehabt – wie ist es nun mit dem Älterwerden? Alter ist nichts für Feiglinge, sagt man. Mit welchen Verlusten ist zu rechnen, welche neuen Freiheiten sind möglich? Welche Ängste treiben diejenigen um, die eigentlich für immer jung zu bleiben hofften? Und was kann man von denen lernen, die gut alt geworden sind? Helene Maimann hat in drei Freundeskreisen nachgefragt. Es ist ein sehr persönlicher, nachdenklicher und heiterer Film, der neben den vielen verschiedenen Aspekten vor allem eines feiert: die Lebensfreundschaften.

Der erste Freundeskreis besteht aus fünf Leuten, die ihr frühes Engagement in der Entwicklungshilfe in Afrika und Lateinamerika zusammengeführt hat: Martin Jäggle, Dekan der katholisch-theologischen Fakultät an der Uni Wien, die Vorsitzende der Evangelische Frauenarbeit Evelyn Martin, Dorit Fischer, Politikwissenschafterin und Biobäuerin, der Verleger Michael Baiculescu und der Finanzberater Gerhard Burda. Auf dem Biobauernhof von Dorit Fischer tauschen sie sich über ihre Strategien aus, ein gutes Alter ohne Angst vor Alleinsein zu erleben. Die Zeit, die bleibt, ist Lebenszeit, sagt Martin Jäggle. Heute fragen sich die Menschen nicht mehr, was nach dem Tod kommt, sondern ob das Leben vorher ein gutes, sinnvolles gewesen ist. „Versöhnt sein mit sich und dem Leben, das ist die eigentlich entscheidende Frage.“

Der zweite Freundeskreis besteht aus der Politrock-Gruppe Schmetterlinge, einer der bekanntesten Bands der 1970er Jahre im deutschen Sprachraum. Drei von ihnen, Beatrix Neundlinger, Günther Großlercher und Georg Herrnstadt, leben mit Freunden und Familie seit 25 Jahren in einer Hausgemeinschaft in Wien-Währing. Ebenso wie die anderen Schmetterlinge, Willi Resetarits, Herbert Tampier und Helmut Grössing sind sie, in verschiedenen Formationen, immer noch im Musikgeschäft – Erich Meixner ist 2013 verstorben. Das Großtreffen am Dreikönigstag wird zu einem heiteren und sehr offenen Austausch über die Höhen und Tiefen der gemeinsamen Geschichte, über gute Vorsätze und ihr Scheitern, über Zweckbündnisse, die für die große Liebe gehalten wurden, über kleine und größere Wehwehs (vor allem Willi Resetarits redet gerne darüber) und die Weltverbesserungsabsichten, die nach wie vor das Leben bestimmen.

Der dritte Freundeskreis besteht seit 75 Jahren rund um die unterdessen verstorbene Hansi Tausig, die erste Ehefrau von Otto Tausig. Sie war mehr als 30 Jahre Herz und Seele ihrer Runde, die ein aktives kulturelles und soziales Leben miteinander führt.

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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