PsychotherapeutInnen zum Weltflüchtlingstag: Rasche Behandlung von traumatisierten Menschen verhindert Langzeitfolgen

Viele PsychotherapeutInnen sind derzeit mit schwer traumatisierten Flüchtlingen konfrontiert und ihre Geschichten sind ungeheuerlich.

Wien (OTS) - „Diese Menschen bemühen sich mehr oder weniger erfolgreich, hier Fuß zu fassen und versuchen, den erlebten Schrecken auszublenden. Einigen gelingt das, andere, deren Heimat im Krieg versinkt, schaffen das nicht. Bei allen aber schweben die erlebten Bilder in den Köpfen und sie werden ans Tageslicht kommen, wenn die Belastung zunimmt oder, wenn sie in einiger Zeit zur Ruhe kommen werden. Das ist typisch bei Traumatisierungen.“, berichtet Yasmin Randall, Psychotherapeutin, Flüchtlingsaktivistin und Leiterin der Arbeitsgruppe „MigrantInnen“ des ÖBVP.

Um die Organisation HEMAYAT zu entlasten, betreibt Yasmin Randall den Verein „you are welcome“, den sie gemeinsam mit Flüchtlingen organisiert und der auch ein kleines Trauma-Zentrum beinhaltet. Dort suchen vor allem viele FlüchtlingsaktivistInnen Hilfe. PsychotherapeutInnen arbeiten für den Kostenzuschuss von Euro 21,80 brutto pro Stunde. DolmetscherInnen können nur dürftig mit Spendengeldern bezahlt werden.

Dieser Situation liegt die Tatsache zugrunde, dass der Hauptverband der Sozialversicherungsträger beschlossen hat, kein zusätzliches Budget für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.

Von der WGKK heißt es, dass für DolmetscherInnen generell kein Geld vorgesehen sei. Hier anders zu entscheiden, sei Sache der Politik und nicht der WGKK. Weitere Begründungen waren nicht zu erhalten.
Die Krankenkassen erfüllen hier ihren Versorgungsauftrag nicht und bedenken auch nicht, dass rasche Behandlungen von Traumatisierten Langzeitfolgen für die Betroffenen und auch für die Gesellschaft verhindern können.

„Experten bestätigen, dass ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die Flüchtlingssituation 2015 nicht zu schaffen gewesen wäre und es dramatische Eskalationen gegeben hätte. Es ist also notwendig, die ehrenamtliche Ersthilfe professionell weiterzuführen. Psychotherapie ist professionelle Hilfe und eine Investition, die sich vielfach rechnet. Jeder jetzt investierte Euro spart 10 Euro in der Zukunft und bringt in den meisten Fällen zusätzliche Steuereinnahmen durch im Erwerbsleben stehende ehemalige Flüchtlinge.“, betont Dr. Peter Stippl, Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP).

Wir wünschen uns die Vollfinanzierung von HEMAYAT, you-are-welcome und anderen Traumazentren. Wir wünschen uns ein Budget für DolmetscherInnen in diesen Therapiezentren sowie in den niedergelassenen Praxen.

Links:
www.you-are-welcome.at
www.psychotherapie.at

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Tel.: 01/512 70 90-23 Fax 01/512 70 91
oebvp@psychotherapie.at
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