Junge Frauen in Wien stellen (zu) hohe Ansprüche an sich

AK Studie zeigt: konkrete Unterstützung aber auch Bewusstseinsbildung nötig

Wien (OTS) - Die Erwartungen junger Frauen an sich selbst sind hoch geschraubt. Das zeigt eine IFES-Studie im Auftrag der AK Wien. So liegen die Werte besonders hoch, sich selbst zu verwirklichen: 92 Prozent erwarten das von sich selbst. Als Mutter viel Zeit mit den Kindern verbringen, wollen gleichzeitig 83 Prozent. Beruflich erfolgreich zu sein erwarten ebenso 83 Prozent von sich selbst und Halbe-Halbe in der Partnerschaft zu leben 75 Prozent. Die Ergebnisse spiegeln hier das Bild, das in den Medien und der Gesellschaft über Frauen verbreitet wird: emanzipiert, beruflich erfolgreich, gleichzeitig viel Zeit für Familie und Haushalt, und das alles mit Freude.

Diskriminierung ist sehr verbreitet: Über anzügliche Bemerkungen berichten 22 Prozent, abwertende Bemerkungen als Frau erfahren 19 Prozent. 7 Prozent geben an, dass sie sexuelle Belästigung erlebt haben. Junge Frauen mit Kindern geben besonders oft an, dass sie beim Erhalt eines Arbeitsplatzes oder einer Ausbildungsstelle Benachteiligung erlebt haben, weil sie Kinder haben bzw. möchten. Dies sagen 31 Prozent. Fast ein Drittel der jungen Mütter hat auch angegeben, ein niedrigeres Einkommen als ihre männlichen Kollegen zu bekommen.

Obwohl jungen Frauen in hohem Maße wichtig ist, dass ihre Ausbildung und Arbeit ihren Interessen entsprechen, ergibt eine Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex für die Studie, dass ein Drittel aller jungen Frauen ihren Beruf vollständig wechseln möchten. Hier scheint die Berufswahl nicht geglückt zu sein.

Die Arbeiterkammer fordert:

+ Es braucht strukturelle Verbesserungen: in der Kinderbetreuung, bei der Vereinbarkeit und bei der partnerschaftlichen Arbeitsteilung.

+ Für die Berufswahl braucht es schon in der Schule mehr Anstrengung, um jungen Menschen die richtige Berufswahl zu ermöglichen.

+ Neben diesen konkreten Maßnahmen braucht es aber auch eine verstärkte Bewusstseinsbildung: Gleichberechtigung ist nicht etwas, was Frauen individuell erkämpfen können, sondern das ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Es ist dringend notwendig, Frauen den Druck zu nehmen und ein realistischeres Bild von dem, was leistbar ist, zu zeichnen. Dies ist insbesondere Aufgabe der Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie der Medien bzw. der entsprechenden Förderstellen.

Zur Studie: Für die Studie „Lebenssituation junger Frauen in Wien“ (IFES im Auftrag der AK Wien) wurde 2015 vorhandenes Datenmaterial, wie der Arbeitsklimaindex, auf die Zielgruppe junger Frauen ausgewertet und analysiert (Sekundärdatenanalyse). Um Datenlücken zu schließen, wurden zusätzlich jungen Frauen in Wien zu den Themen Bildungshintergrund und Bildungsbiographie, Arbeit und Erwerbsleben, (Un)Abhängigkeit und (Un)Sicherheit, Rollen und Rollenbilder befragt. An der Erhebung waren 950 Frauen zwischen 15 und 29 Jahren, die in Wien wohnen bzw. in Wien erwerbstätig sind, beteiligt.
SERVICE: Die Studie finden Sie auf wien.arbeiterkammer.at

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Arbeiterkammer Wien
Katharina Nagele
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