Patienten fordern bessere Vernetzung im Gesundheitswesen

Wartezeiten und mangelnde Abstimmung zwischen Medizineinrichtungen als zentrale Probleme – Patienten wollen neben Vernetzung auch örtliche Bündelung von Angeboten

Wien (OTS) - Für sich genommen werden bestehende Institutionen wie der Hausarzt oder die Betreuung in Krankenhäusern positiv beurteilt – die heimischen Patientinnen und Patienten orten aber deutlichen Verbesserungsbedarf im heimischen Gesundheitswesen. Das zeigt eine vom Meinungsforschungsinstitut IFES im Auftrag der Vinzenz Gruppe im Mai durchgeführte Patientenbefragung (1.100 telefonisch Befragte, repräsentativ für Wien und Oberösterreich; maximale Schwankungsbreite drei Prozentpunkte). 

Befragt nach ihrer aktuell bevorzugten Art der Orientierung im Gesundheitssystem räumen 76 Prozent der Befragten dem Hausarzt eine zentrale Stellung bei der Informationsgewinnung ein, 63 Prozent meinen, sie wüssten meist selbst am besten, wohin sie sich wenden könnten, und 50 Prozent nennen das Krankenhaus als den Ort, wo man sehr gut wüsste, was bei gesundheitlichen Problemen zu tun sei. Immerhin noch 38 Prozent der Befragten wünschen sich allerdings eine „zentrale Stelle“, wo man anrufen und sich Rat holen könne. Das Internet stellt aktuell für 21 Prozent eine zuverlässige Informationsquelle in Gesundheitsfragen dar. 

Darauf aufbauend ergibt sich auch ein Ranking (zehnteilige Skala: 1=gar nicht wichtig; 10=sehr wichtig), wer bei Schmerzen oder Unwohlsein vorrangig von den Patientinnen und Patienten aufgesucht wird. In Front liegt auch hier der Allgemeinmediziner (Wert 8,4) vor dem Facharzt (7,6), der Apotheke (5,7), der Gruppenpraxis (5,5), der Spitalsambulanz (5,4), dem Komplementärmediziner (4,4) und schließlich der spezialisierten Krankenschwester (3,4).

 Drängende Probleme 

„Aus diesen Daten kann freilich nicht abgeleitet werden, dass die Bevölkerung mit der medizinischen Versorgung zufrieden ist“, sagt Studienleiter und IFES-Geschäftsführer Dr. Reinhard Raml. 

Im Gegenteil: Befragt nach der persönlichen Betroffenheit durch unterschiedliche Probleme im Gesundheitssystem nennen 70 Prozent „Wartezeiten auf Termine beim Facharzt, auf Untersuchungen oder Operationen“ als besonders problematisch für sie. Überdurchschnittlich belastend sind die Wartezeiten für die 35- bis 49-Jährigen – sie sind davon nicht nur selbst betroffen, sondern auch ihre Kinder und ihre Eltern, für die sie in diesem Alter zunehmend betreuerische Verantwortung übernehmen. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die „fehlende Überprüfbarkeit einer Diagnose oder Therapie“ sowie die „Lauferei“ zwischen verschiedenen Stellen, um überhaupt eine Diagnose erstellen zu können – davon fühlen sich jeweils rund sechs von zehn Befragten stark betroffen. „Ungünstige Ordinationsöffnungszeiten“, „Schwierigkeiten, nach einer Diagnose passende Therapeuten zu finden und Termine zu organisieren“ sowie die mehrfache Durchführung von Untersuchungen stellen rund jeweils die Hälfte der Befragten vor größere Probleme im heimischen Gesundheitssystem. 

Für Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, gibt dieser Befund die Marschrichtung für die Player im Gesundheitswesen vor: „Wir müssen uns aufgrund dieser Diagnose die Frage stellen, wie wir die Patientinnen und Patienten künftig besser abholen und durch das für viele komplizierte System begleiten. Das beginnt bei der Primärversorgung und geht bis in den Krankenhausbereich.“ 

Konkrete Forderung nach Vernetzung 

Auf welche Art und Weise das Gesundheitssystem auf die Kritik der Patientinnen und Patienten reagieren soll, darauf gibt die IFES-Studie ebenfalls sehr klare Antworten. 88 Prozent der Befragten wünschen sich eine stärkere Vernetzung und örtliche Bündelung jener Stellen, die mit der Behandlung von gesundheitlichen Beschwerden zu tun haben (55 Prozent wünschen sich das „sehr“, 33 Prozent „eher“). Besonders fordern Jüngere (gesamt 96 Prozent) diese Umorientierung im Gesundheitswesen. 

Im Zentrum der Studie stand jedenfalls auch die Frage, welche (niedergelassenen) Angebote sich die Patientinnen und Patienten am ehesten am Standort rund um ein Krankenhaus wünschen würden. Diese Hitliste wird – wieder auf einer zehnteiligen Skala – von niedergelassenen Fachärzten (8,1) angeführt. Auf Platz 2 folgen schon die derzeit aufgrund langer Wartezeiten diskutierten Angebote im Bereich Röntgen, MRT und CT (8,0), dahinter dann die Apotheke (7,8), der Allgemeinmediziner, Möglichkeiten zur ambulanten Rehabilitation (7,6). Auffällig ist, dass aus Sicht der Befragten auch Krankenhäuser in die örtliche Vernetzung eingebunden sein sollten. So erhält die klassische Spitalsambulanz (7,6) eine sehr hohe Zustimmung. Vorsorgeuntersuchungen und Physio- bzw. Ergotherapeuten kommen ebenfalls noch auf sehr hohe Zustimmungsraten (je 7,4). 

Starke Argumente von Patientenseite 

IFES-Geschäftsführer Raml: „Faktum ist, dass das Angebot einer umfassenden und gebündelten Versorgung vom Allgemeinmediziner bis zum hochspezialisierten Spitalsbereich sehr stark nachgefragt wurde.“ Die zugkräftigsten Argumente für eine solche Vernetzung und örtliche Bündelung sind auch kongruent mit der von den Befragten zuvor angestellten Problemanalyse. 

84 Prozent der Befragten meinen, dass das beste Argument für Vernetzung und Bündelung „verkürzte Wartezeiten auf Befunde und Termine“ wären. Gleich danach werden die „fußläufige Erreichbarkeit“ und die vor Ort organisierbare „Nachsorge“ bei Behandlungen begrüßt (je 81 Prozent). Für 78 Prozent der Befragten ist der bessere „Informationsaustausch, ohne dabei ein Problem immer wieder erklären zu müssen“ von Relevanz. Und 77 Prozent verweisen auf die im Notfall gegebene Nähe der gebündelten Angebote zu Spitalsambulanz und Krankenhaus. 

Örtliche Bündelung wird von Vinzenz Gruppe umgesetzt 

Für Michael Heinisch von der Vinzenz Gruppe sind die Ergebnisse der Studie ein Handlungsauftrag: „Wir denken schon länger daran, niedergelassene Anbietern in der Nähe unserer Krankenhaus-Standorte Räumlichkeiten und Infrastruktur anzubieten. Diese Ergebnisse bestärken uns, dass die bessere Vernetzung und Bündelung im Gesundheitswesen angegangen werden müssen, um bestehende Probleme zu lösen.“ 

Konkret sollen in den kommenden Jahren an allen sieben Standorten der Vinzenz Gruppe in Wien und Oberösterreich sogenannte „Gesundheitsparks“ entstehen, die neben dem klassischen ambulanten und stationären Angebot eben auch niedergelassene medizinische Leistungen umfassen sollen. Dazu sollen in den kommenden Monaten auch schon Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten geführt werden. Michael Heinisch dazu: „Es geht uns darum, den Patientenwünschen besser zu entsprechen. Wir wollen aber auch Verbesserungen für die Mediziner. Sie sollen ihre Eigenständigkeit und ihre gewohnten Versorgungsangebote weiter pflegen. Aber wir wollen sie bei oft überbordenden bürokratischen Aufgaben, etwa im Bereich Qualitätsmanagement, entlasten und unterstützen.“ 

Das Angebot, so Heinisch weiter, gehe an Allgemeinmediziner wie auch Fachärzte. Wie bisher schon in den Krankenhäusern sei auch in dieser künftigen Form der Zusammenarbeit das Prinzip Gemeinnützigkeit zentral. Heinisch: „Wir müssen nicht wie andere Gewinne maximieren und werden etwa Mieten nur auf dem Niveau der Kostendeckung anbieten.“ Heinisch will den Vorstoß der Vinzenz Gruppe auch nicht als Konkurrenz zur Einzelordination oder geplanter PHC verstanden wissen. „Die Herausforderungen der künftigen Gesundheitspolitik sind groß genug für alle – da wird es Einzelordinationen genauso brauchen wie PHC oder eben Gesundheitsparks, wie wir sie planen“, so Heinisch abschließend.

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