- 10.06.2016, 08:48:06
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Milchdialog: Attac fordert Regionalisierung statt Exportorientierung
„Milchmenge begrenzen und Förderungen neu verteilen“
Utl.: „Milchmenge begrenzen und Förderungen neu verteilen“ =
Wien (OTS) - Am 14. Juni lädt Landwirtschaftsminister Rupprechter zum
sogenannten Milchdialog. Als Teil der Plattform „Wir haben es satt“
begrüßt das globalisierungskritische Netzwerk Attac den Dialog. Für
Attac ist angesichts der tiefen Milchkrise klar, dass er einen
Prozess hin zu einer grundlegenden Abkehr von Überschuss- und
Exportorientierung in der Land- und Milchwirtschaft einläuten muss.
Attac fordert eine Regionalisierung der Wirtschaft, die sich am
europäischen Bedarf orientiert. Die Produktion und Verteilung von
Lebensmitteln dürfe nicht dem sogenannten „freien Markt“ überlassen
werden.
Exportorientierung und Freihandelslogik führen zu Hungerkrisen
und Flucht
Österreich produziert heute mehr als das eineinhalbfache der für eine
Selbstversorgung nötigen Milchmenge. (1) Aus globaler Sicht
verdrängen diese Überschüsse und die niedrigen Erzeugerpreise die
MilchproduzentInnen im globalen Süden. Denn ein großer Teil der
Überschüsse wird ins Ausland exportiert, etwa in Form von
Milchpulver. „Exportorientierte Agrarpolitik und neoliberale
Freihandelslogik zerstören kleinbäuerliche
Selbstversorgungsstrukturen in den ärmsten Ländern. Dies mündet
wiederum in Hungerkrisen und Flucht“, kritisiert Carla Weinzierl,
Agrarexpertin von Attac Österreich.
Begrenzung der Milchmenge führt zu kostendeckenden Preisen
Um die Überschüsse zu reduzieren fordert Attac kostendeckende Preise
– auch einen ebensolchen Milchpreis. Dafür ist eine Begrenzung der
Milchmenge nötig, die sich am (relativ stabilen) lokalen Bedarf
orientiert. „Milchmenge und Milchpreis müssen demokratisch zwischen
allen Betroffenen, allen voran den Milchbäuerinnen und -bauern,
verhandelt werden“, fordert Weinzierl. Höhere Preise für
KonsumenInnen können dabei durch eine Förderung von Direktvermarktung
und genossenschaftlichen Molkereien vermieden werden.
Ressourcenschonende und arbeitsintensive Betriebe fördern
Attac fordert auch eine Neuverteilung der Fördergelder. Denn die
aktuellen Agrar-Subventionen (2) kommen nicht bei KonsumentInnen,
sondern vor allem bei den großen Molkereien und dem Einzelhandel an.
(3) Und die im September 2015 beschlossene Liquiditätshilfe hilft vor
allem jenen Betrieben, die in den letzten Jahren ihre Milchproduktion
massiv gesteigert und so das Problem mitverursacht haben. Statt
großer maschinen- und ressourcenintensiver Betriebe sollten daher
kleinere, meist ressourcenschonende aber arbeitsintensivere Betriebe
(wie Bergbauernhöfe) gefördert werden. „Öffentliche Gelder sollten
eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung, das Tierwohl und sozial
verträgliche Arbeitsbedingungen fördern und nicht eine weitere
Konzentration im Agrarbereich“, fordert Weinzierl. Langfristig können
durch kostendeckende Preise auch Förderungen abgebaut werden.
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Hintergrundinformationen:
(1) Entgegen volkswirtschaftlicher Vernunft wurde die Milchmenge in
Europa und in Österreich – trotz sinkender Preise – stetig
gesteigert. Österreich hat bei der Milch einen Selbstversorgungsgrad
von 160% (gestiegen von 100% im EU-Beitrittsjahr 1995). Obwohl seit
1995 mehr als 50% der österreichischen MilchproduzentInnen den
Betrieb einstellten, blieb die produzierte Milchmenge im selben
Zeitraum gleich bzw. stieg sogar leicht an. Die Milchmenge pro
Betrieb wurde demnach durchschnittlich verdoppelt. Die
betriebswirtschaftlichen Entscheidungen der Bauern und Bäuerinnen
wurden auch von politischen Entscheidungen gefördert. Auch weltweit
liegt die produzierte Menge an Milch weit über dem Bedarf.
(2) Die EU förderte die Landwirtschaft 2015 mit knapp 55 Milliarden
Euro. Zwischen 2014 und 2020 stehen Österreich 8,75 Milliarden Euro
an EU-Geldern für die österreichische Landwirtschaft zur Verfügung,
im Schnitt bekommen BäuerInnen und Bauern knapp 700 Millionen Euro
Direktzahlungen (1. Säule der GAP) jährlich. Im Bereich Ländliche
Entwicklung (2. Säule) werden zusätzlich zu den EU-Geldern nationale
Mittel durch den Bund und die Länder im Verhältnis 60 zu 40
aufgebracht. Insgesamt wurden im Jahr 2014 über zwei Milliarden Euro
an EU-, Bundes- und Landesgeldern aufgewendet.
(3) Ein Liter Biomilch, für den der Bauer 45 Cent bekommt, kostet
im Supermarkt 1,29 Euro. Bei verarbeiteten Milchprodukten ist die
Gewinnspanne noch höher.
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Die Plattform „Wir haben es satt“ wird getragen von ÖBV-Via Campesina
Austria, IG-Milch, FIAN Österreich, Südwind, Attac, Welthaus Diözese
Graz-Seckau, GLOBAL 2000, Greenpeace, Grüne Bauern und Bäuerinnen.
Sie unterstützt das bäuerliche Milch-Manifest der IG Milch, der ÖBV –
Via Campesina Austria und der Grünen Bäuerinnen und Bauern.
https://wirhabenessattaustria.wordpress.com/milch-manifest/
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