66. Städtetag: Städte haben Schlüsselrolle bei Flüchtlingsintegration

Arbeitskreis 2 diskutierte unter Vorsitz von Innsbrucks Stadtrat Franz X. Gruber über Erfahrungen in Städten und Gemeinden bei der Integration

Wien/Innsbruck (OTS/RK) - Schwerpunkt des 66. Österreichischen Städtetages waren die Flüchtlingssituation und -integration in Österreichs Städten und Gemeinden. Sowohl ein ganztägiger Arbeitskreis als auch die prominent besetzte Podiumsdiskussion zu diesem Thema zeugten von der Aktualität und Dringlichkeit für die Städte.

Eine eigene Fachpublikation „Flüchtlinge und Integration in Städten und Gemeinden“ der Serie Stadtdialog des Österreichischen Städtebundes wurde ebenfalls druckfrisch präsentiert. Sie enthält Best Practice-Beispiele zum Thema Integration aus verschiedenen österreichischen Städten von Bruck bis Wörgl.

Auftakt machte der Arbeitskreis Donnerstag Vormittag, bei dem unter dem Vorsitz des Innsbrucker Stadtrates Franz X. Gruber über „Flüchtlingsintegration: Wege und Herausforderungen“ diskutiert wurde. Impulsreferate kamen von Ruth Schöffl, UNHCR Österreich und Bürgermeister Roland Schäfer, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Flüchtlingsströme verteilen sich ungleich in Europa

Ruth Schöffl vom UNHCR Österreich gab einen Überblick über die Flüchtlingssituation in Europa und die Auswirkungen auf Österreich. Die ungleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge in Europa und die fehlende Solidarität unter den EU-Staaten habe einige Länder wie Deutschland, Österreich, Schweden oder Griechenland vor große Herausforderungen gestellt. Doch „es braucht ein gemeinsames, koordiniertes und ganzheitliches Vorgehen sowie ein Umdenken im gesellschaftlichen Diskurs“, so Schöffl. Dem pflichtet auch Bürgermeister Roland Schäfer, Präsident des deutschen Städte- und Gemeindebundes bei, der über die Flüchtlingssituation in Deutschland berichtet. Auch dort ist die Bewältigung der Flüchtlingsströme auf kommunaler Ebene derzeit Thema Nr. 1.

Kommunen haben eine Schlüsselrolle

Den Städten kommt bei der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen eine Schlüsselrolle zu, denn Flüchtlinge ziehen überwiegend in Städte und städtische Ballungsräume. Eine gute Aufnahme und allem voran die Vermittlung von Sprachkenntnissen sind das Um und Auf für nachhaltige Integration. Wichtig nach der Asylanerkennung sind insbesondere der Einstieg in den Arbeitsmarkt, leistbarer Wohnraum, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Schulplätze, Sozial- und Berufsberatung. Nur so kann der Verbleib in der Mindestsicherung, in die viele Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung fallen, signifikant verkürzt und die teils massive finanzielle Belastung der Städte und Gemeinden abgefedert werden.
Diese vielen unterschiedlichen Aspekte wurden im Laufe des Tages an einzelnen Thementischen breit diskutiert. Ziel dabei waren neben der Vorstellung von Good-Practice-Beispielen weiters die Vernetzung sowie der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Städten. Dies ermöglichte ein Voneinander-Lernen und die Weitergabe von bewährten Praktiken und Strategien.

An verschiedenen Thementische wurde über Aspekte der Flüchtlingsintegration diskutiert: unter der Diskussionsleitung von Sabine Kornberger-Scheuch (Rotes Kreuz Salzburg) wurde über Unterbringung zwischen Flexibilität und Nachhaltigkeit gesprochen, unter der Leitung von Martina Eigelsreiter (Diversitätsbüro St. Pölten) über Sprach- und Integrationskurse. Bürgermeister Dieter Posch aus Neudörfl leitete einen Thementisch zu Kooperation und Kommunikation mit der Zivilgesellschaft, Gernot Mitter von der AK Wien diskutierte über Arbeit & Beschäftigung - Gemeinden als Schnittstelle und Eva Grabherr (okay.zusammen leben, Projektstelle für Zuwanderung und Integration) leitete die Diskussion zur Integration auf kommunaler Ebene.

Einige wichtige Erkenntnisse aus den Diskussionen:

o Spracherwerbsmaßnahmen müssen so rasch wie möglich umgesetzt werden, nicht erst ab der Statuszuerkennung.
o Insbesondere die Gruppe der „unbegleiteten Minderjährigen“ gilt es gezielt an die Realitäten und Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes heranzuführen; ihnen müssen Perspektiven geboten werden.
o Ein besonderes Augenmerk sollte auf der Erleichterung der Anerkennung ausländischer Schul- und Berufsausbildung liegen. Ziel ist es, die Potenziale von zugewanderten Menschen zu nutzen und entsprechende Angebote zu schaffen.
o Stadt- und Raumplanung, Verwaltung und Kommunalpolitik müssen ihre Fähigkeit, Integrationsprozesse aktiv zu gestalten, entsprechend umsetzen (bspw. bei Standortplanung, Leerstandsmanagement oder Mobilitätsangeboten)
o Kommunikation und Kooperation mit der Bevölkerung ist ein Schlüssel zu erfolgreicher Integration auf kommunaler Ebene – durch Abbau von Ängsten und Aufbau von sozialen Kontakten.
Der Österreichische Städtetag wird mit der Verabschiedung der Resolution in der Vollversammlung fortgesetzt.

Mehr Informationen unter: www.staedtetag.at oder www.staedtebund.gv.at

Druckfähige Fotos zum Download unter:
http://markuswache.com/archiv/staedtetag_innsbruck_2016/
© Markus Wache

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