Bedingungsloses Grundeinkommen: Ökosozial oder fatal?

Podiumsdiskussion des Ökosozialen Studierendenforums

Wien (OTS) - Das Ökosoziale Studierendenforum lud am 1. Juni 2016 zu einer spannenden Podiumsdiskussion zu einem stark diskutierten Thema ein. Im Hinblick auf die Volksabstimmung in der Schweiz wollten sie mögliche Auswirkungen einer Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens aufzeigen und den Einfluss auf soziale, ökologische und wirtschaftliche Gegebenheiten erörtern.

770 Interessierte versammelten sich im Audimax der Wirtschaftsuniversität Wien, um sich mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens auseinanderzusetzen, weitere Zuseher und Zuseherinnen verfolgten die Veranstaltung via Livestream.

Am Podium saßen der Kabarettist Roland Düringer, die Ökonomin der Denkfabrik Agenda Austria Monika Köppl-Turyna, der Ex-Banker und Mitglied des Vereins Runder Tisch Bedingungsloses Grundeinkommen Helmo Pape, der wissenschaftliche Mitarbeiter der Wirtschaftsuniversität Wien Michael Soder und der wirtschaftspolitische Koordinator der Industriellenvereinigung Clemens Wallner. Die Diskussion wurde von Michaela Hickersberger vom Ökosozialen Forum moderiert.

Was wäre, wenn bedingungslos für Einkommen gesorgt wäre? Wie sieht eine Welt aus, in der niemand um seine Existenz fürchten muss? Ist ein gutes Leben für alle Menschen möglich? In einer einführenden Keynote präsentierte Valentina Aversano-Dearborn eine Studie zu ehrenamtlichen Tätigkeiten in Österreich um aufzuzeigen, wozu die Menschen auch ohne finanzielle Motivation fähig sind. Ist nur bezahlte Arbeit Arbeit? Sie glaube nicht, dass „es zu wenig zu tun“ gäbe.

In der Podiumsdiskussion zeigte sich, dass das bedingungslose Grundeinkommen einige große Fragen aufwirft. Was braucht es für ein gutes Leben, fragte sich zum Beispiel Roland Düringer. Die Idee fand er gut, so wie er auch Weltfrieden als Idee unterstützt. Er fürchtete aber um die persönlichen Freiheiten und eine zu große Machtposition des Staates. Er berief sich auch darauf, wie sich sein Leben veränderte, als er als Kind erstmals Taschengeld bekommen habe, dieses aber schon an Bedingungen geknüpft war. Wichtig war ihm auch, den Wert von Geld ganz allgemein in Frage zu stellen.

Clemens Wallner war es wichtig, die Unmöglichkeit einer so großen gesellschaftlichen Veränderung zu betonen. Er lobte das bestehende System und plädierte, jeder solle versuchen, persönliche Interessen und wirtschaftliche Aspekte miteinander zu vereinbaren, doch immer könne man darauf nicht eingehen. Wallner war es außerdem wichtig hervorzuheben, dass er kein Problem mit Menschen habe, die sich für einen bescheideneren Lebensstil entscheiden, allerdings müssten diese dann auch die Konsequenzen ihrer Entscheidung tragen. Seiner Meinung nach wären mit einem bedingungslosen Grundeinkommen unbeliebte Berufe bald unterbesetzt.

Helmo Pape hob die Vorteile eines bedingungslosen Grundeinkommens hervor. Für ihn ist es ein Menschenrecht. In seinen Augen ermöglicht es den Menschen, ihren Begabungen entsprechend zu engagieren. Er ist überzeugt davon, dass die meisten Menschen die gewonnene Sicherheit dazu nützen würden, sich mehr in die Gesellschaft einzubringen. Seiner Meinung nach könnte man erst dann von einem richtigen Arbeitsmarkt sprechen – „wenn beide Seiten die Möglichkeit haben, Nein zu sagen“. Oder in Roland Düringers Worten: „Die schlechte Hackn sei dann besser bezahlt als die leiwande“.

Michael Soder, der sich auch neue Lösungen für die heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen wünscht, stand der Idee des gesicherten Einkommens kritisch gegenüber. Er sehe es nur als eines von vielen möglichen Werkzeugen für eine solche Veränderung und bezweifelte mit wirtschaftlichen Argumenten, dass das Konzept aufgehe. Stattdessen würde er bestehende Sozialleistungen verbessern, die zielgerichteter bedürftige Menschen unterstützen.

Die Wirtschaftsexpertin Monika Köppl-Turnya verwies in der Diskussion immer wieder auf die ökonomische Dimension und setzte die Kosten für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Relation zum BIP.

Das Ökosoziale Studierendenforum ist eine Gruppe von Studierenden und HochschulabsolventInnen und ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Sie engagieren sich für ökosoziale Gesellschafts- und Wirtschaftsmodelle – insbesondere für die Anliegen der Ökosozialen Marktwirtschaft und des Global Marshall Plans bzw. andere Konzepte, die ökologische Verantwortung, soziale Gerechtigkeit und faire Wirtschaft gleichrangig miteinander verbinden.

Den Link zur Aufzeichnung von OKITALK:
http://www.okitalk.com/archiv.php?month=juni&year=2016&type=all

Die Statements der ReferentInnen:

Roland Düringer: https://www.youtube.com/watch?v=cv6WVWBr73E&feature=youtu.be Monika Köppl-Turyna: https://www.youtube.com/watch?v=Pqo2QOVXQKU&feature=youtu.be Helmo Pape: https://www.youtube.com/watch?v=r4X-RbGMOLI&feature=youtu.be Michael Soder: “Vermutlich kann und wird ein BGE nicht imstande sein, das zu leisten, was ihm oftmals und fälschlicherweise zugesprochen wird. Möglicherweise kann es sogar eine Gefahr für die bisher erreichten sozialen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts darstellen.”

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