Sozialministerium: ExpertInnen diskutierten europäische good practice Beispiele Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Modelle aus 6 Ländern vorgestellt

Wien (OTS/BMASK) - Im Rahmen des federführend vom Sozialministerium getragenen EU-Projekts „Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie - Partnerschaftliche Teilung von Elternkarenz, Elternteilzeit und Betreuungsarbeit” haben ExpertInnen aus sechs europäischen Ländern im Rahmen eines Workshops heute in Wien innovative Modelle vorgestellt, die es Männer leichter machen sollen in Karenz zu gehen und Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. ****

Der vom Projektpartner L&R Sozialforschung organisierte Workshop hatte zum Ziel, unterschiedliche Ansätze und Wege in anderen europäischen Ländern vorzustellen, die auch für Österreich Anregungen bieten können, wie die bessere Aufteilung von Betreuungsarbeit zwischen Frauen und Männern in Österreich gefördert werden kann. Dabei geht es einerseits um die gesetzlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise Karenzregelungen oder Arbeitszeitgesetze, aber auch um die betriebliche und kollektivvertragliche Praxis.
Während Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Österreich noch immer vor allem als „Frauenthema“ diskutiert wird, sind andere Länder hier schon ein paar Schritte weiter: Männer sind Teil von betrieblichen Vereinbarkeitsstrategien, nehmen häufiger und längere Karenzzeiten in Anspruch und beteiligen sich stärker an der Betreuungsarbeit auch nach der Karenz. Dies ist unter anderem deshalb möglich, da Unternehmen in vielen Ländern bereit sind hier „mitzuspielen“ und entsprechende Modelle für Männer (wie Frauen) anbieten bzw. gelernt haben, sich diesen neuen gesellschaftlichen Ansprüchen zu öffnen und anzupassen. Diese „andere“ Unternehmenskultur wird in verschiedenen europäischen Ländern durch eine entsprechende Gesetzgebung unterstützt.

Auch wenn in keinem europäischen Land wirklich von einer ganz gleichen Aufteilung zwischen Betreuungs- und Erwerbsarbeit zwischen Frauen und Männern gesprochen werden kann, gibt es doch zahlreiche Länder, die rund um das Thema Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. eine gerechtere Aufteilung von Erwerbs- und Betreuungsarbeit hier schon weiter sind als Österreich.

Europäische good practice Beispiele

Island hat schon seit längerem ein Karenzgesetz, welches die Einbindung von Vätern in Karenz sehr stark unterstützt und ein sogenanntes „Use-it-or-loose-it“-Prinzip verfolgt: von der insgesamt 9 Monate dauernden Karenzzeit müssen je drei Monate jeweils einem der beiden Elternteile in Anspruch genommen werden, sonst verfallen diese. Drei weitere Monate stehen dann noch zur freien Auswahl zur Verfügung. Die Zahlen sprechen für sich: 90% der Väter nehmen Karenzzeiten in Anspruch, mit einer durchschnittlichen Dauer von 100 Tagen.

Neue Forschungen zeigen zudem, dass die erhöhte Teilnahme an Karenz dazu führt, dass in Island auch nach der Karenz die gerechteste Aufteilung der Betreuungsarbeit zwischen Frauen und Männern europaweit besteht.

Nicht ganz unvergleichbar ist das System in Schweden. Von den insgesamt 16 Karenzmonaten sind – symbolisch – jeweils acht für einen Elternteil reserviert. Ein Teil kann aber per „Überlassung“ an den Partner bzw. in der Realität zumeist die Partnerin abgegeben werden, drei Monate können jedoch nicht überlassen werden, sind also ebenfalls eine „use-it-or-loose-it“-Quote. Die Karenzzeit kann sehr flexibel bis zum 12.Lebensjahr des Kindes genutzt werden.

In den Niederlanden – bekannt als die Teilzeitkultur Europas -besteht nach 16 Wochen Mutterschutz und zwei Tagen Vaterschaftsurlaub – jeweils voll bezahlt – die Möglichkeit maximal 15 Monate Karenz in Anspruch zu nehmen, wobei der Großteil unbezahlt und lediglich mit einer Steuerreduktion verbunden ist. Einen besonderen Stellenwert haben diesbezüglich die Kollektivverträge in den Niederlanden: So wird etwa im Gesundheitsbereich und auch im öffentlichen Sektor hier ein finanzierter Elternurlaub festgehalten und zwar zwischen 40% und 75% des ursprünglichen Einkommens. 2009 traf dies jedoch nur auf rund 10% der Kollektivverträge zu, was natürlich entsprechend große Unterschiede nach Sektoren mit sich führt.

Slowenien wiederum kann auf Ebene der gesetzlichen sowie kollektivvertraglichen Ebene als durchaus beispielgebend für Österreich wirken: die Elternkarenzgesetzgebung wurde 2014 komplett geändert, mit dem Ziel, bestehende Ungleichheiten in der Inanspruchnahme zwischen Frauen und Männern zu reduzieren.

EU-Projekt Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Wege zur gerechten Verteilung von Karenz-, Betreuungs- und Arbeitszeiten

Das Projekt „Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Wege zur gerechten Verteilung von Karenz-, Betreuungs- und Arbeitszeiten“ wird federführend vom Sozialministerium in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Frauen, L&R Sozialforschung sowie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt - FORBA sowie mit Unterstützung durch Mittel des Programms der Europäischen Union für „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft" (2014 - 2020) umgesetzt.
Projektpartner sind die Arbeiterkammer, der ÖGB und die Industriellenvereinigung.
Hauptziele des EU-Projekts sind die Förderung der Geschlechtergleichstellung durch erhöhte Väterbeteiligung in Karenz, (Eltern-)Teilzeit und in der (fortgesetzten) Care Arbeit nach der Karenz, die Verankerung betrieblicher Vereinbarkeitsstrategien insbesondere in männer-dominierten Branchen, die es mehr Männern erlauben, in Karenz zu gehen und an der Erziehung/Sorgearbeit teilzuhaben, sowie Erhöhung des Bewusstseins über positive Auswirkungen von partnerschaftlicher Aufteilung von Karenz und (Eltern)Teilzeit zwischen Eltern auf Haushalts-, Betriebs- und gesellschaftlicher Ebene. (Schluss)

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Mag. Nadja Bergmann
L&R Sozialforschung
1060 Wien, Liniengasse 2A
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