Neues Volksblatt: "Schwüle" von Harald GRUBER

Ausgabe vom 3. Juni 2016

Linz (OTS) - Der Witterung entsprechend liegen auch über der politischen Landschaft wieder schwüle, gewitterträchtige Luftmassen. Die jüngste Episode rund um die Asyl-Obergrenze zeigt: In der Koalition genügt nach dem Sonnenschein-Start schon wieder ein lapidarer Verspreche, und die verbalen Hagelkörner prasseln nur so nieder. Koalitionäres Krisenmanagement ist nicht passiert! Weder hat es der Kanzler der Mühe Wert gefunden, mit einem „Sorry, da habe ich Begriffe verwechselt“ die Debatte im Keim zu ersticken, noch hat es offenkundig die andere Seite der Mühe wert gefunden, vor einem Schwall an Presseaussendungen diese Klarstellung des Kanzlers einzuholen. Folge: wieder die leider schon gewohnten Schlagzeilen. Wie schnell es mit einer Beruhigung hätte gehen können, zeigte sich erst gestern: Der Innenminister legte die Statistik auf den Tisch — und alle waren plötzlich in der Bewertung einig.
Zumindest dieser Schlussakkord lässt weiter auf ein echtes Durchstarten der Koalition hoffen, die Vorgeschichte dagegen weitere Dissonanzen befürchten.
Und solche darf sich die Regierung gerade in der Asylfrage nicht wieder erlauben. Denn, bei derzeit mehr als 800 neuen Asylanträgen pro Woche werden an der Grenze bald Anklopfende abzuweisen sein. Und dann braucht es koalitionäres Standvermögen — gegenüber der Macht der traurigen Bilder und gegenüber den omnipräsenten Besserwissern im In-und Ausland.

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