Caritas zu Kinderarmut in Österreich – 70.000 Kinder und Jugendliche auf Mindestsicherung angewiesen.

Wachter: „Wer von Anfang an mit der harten Realität materieller Not konfrontiert ist, startet einen Meter hinter der Startlinie ins Leben. Auch in Österreich.“

Wien (OTS) - Kinder brauchen ein stabiles Umfeld, Halt und Geborgenheit für eine gute Entwicklung. Aber materielle Not hat negative Konsequenzen: Arme Kinder tun sich in der Regel in der Schule viel schwerer, kämpfen weit mehr mit gesundheitlichen Problemen als ihre AlterskollegInnen und erleben schon sehr früh, was es heißt nicht dazu zu gehören.
„Kinder starten mit ganz viel Vorfreude und Vertrauen ins Leben. Beziehungsnot, Unzuverlässigkeit und materielle Armut führen dazu, dass die ihnen innewohnende Glückseligkeit auf Beton aufschlägt. Das ist brutal und begleitet sie ihr Leben lang. Das gilt weltweit, auch in Österreich“, so Caritas Generalsekretär Bernd Wachter.
In Österreich sind insgesamt 380.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 20 Jahren von Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung betroffen. Auffällig an der Altersstruktur ist, dass die Jüngeren (unter 16 Jahre) mit einem Anteil von 23% überproportional vertreten sind (gegenüber 18% insgesamt).

27,4 Prozent der Kinder bis 18 Jahre sind übrigens Mindestsicherungs-Beziehende. Das sind 70.253 Kinder und Jugendliche, davon 40.000 Kinder im schulpflichtigen Alter, die in einem Haushalt leben, der auf die BMS Leistung angewiesen ist.

Wachter: „Die Stimmungsmache rund um die bedarfsorientierte Mindestsicherung muss aufhören, sie verschleiert die Tatsachen und hilft keinen Schritt weiter. Wir brauchen Arbeitsplätze, eine engagierte Integrationspolitik und kluge Maßnahmen, um Kindern und Jugendlichen aus armutsbetroffenen Familien gezielt und konsequent zu helfen, anstatt ihnen das Leben noch schwerer zu machen. Im Finanzausgleich müssen mehr Mittel für die Kinder- und Jugendhilfe sichergestellt werden. Wenn mit Sicherheit argumentiert wird und Polizei und Militär finanziell aufgestockt werden, so muss die Zukunft unserer Kinder ein zwingendes Argument für mehr Mittel sein!“

Der nationale Bildungsbericht 2015 zeigt einmal mehr die soziale Selektivität unseres Bildungssystems auf. Und die Trennung passiert bereits vor Schulantritt, denn es gibt immer noch keinen verbindlichen und verpflichtenden Bildungsrahmenplan für die Kindergärten. Seit acht Jahren gibt es zwar die Sprachstandsfeststellung, aber keine Ressourcen und keinen verbindlichen Plan zur Förderung der Sprachentwicklung.
„Die offiziellen Armutszahlen verdeutlichen jedes Jahr erneut den Zusammenhang zwischen Armutsgefährdung und mangelnden Bildungsabschlüssen. Die Wahrscheinlichkeit von Armut betroffen zu sein steigt deutlich, wenn jemand nur einen Pflichtschulabschluss vorzuweisen hat. Und genau hier muss die Politik entschlossen, ganz kräftig und konkret handeln. Denn an der Bildung hängt nicht nur die Arbeitsperspektive, sondern auch Aspekte wie Lebenszufriedenheit, Gesundheit oder gesellschaftliche Teilhabe“, so Wachter.

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