Bilder von Misshandlung wegen Einwilligung der Abgebildeten kein Ethikverstoß

Wien (OTS) - Der Senat 2 des Presserats hat sich aufgrund einer Mitteilung eines Lesers mit dem Artikel „Ehemann verdrosch Model – und verschickte Freunden Video“ beschäftigt, erschienen am 08.03.2016 auf „vol.at“. Das Verfahren vor dem Presserat ist eingestellt worden.

In dem Artikel wird berichtet, dass ein Australier seine Freundin misshandelt, ein Video davon angefertigt und dieses verschickt habe. Bei dem Artikel wurde das besagte Video veröffentlicht. Im Video wird die misshandelte Frau gezeigt, wie sie darum fleht, dass ihr Freund ihr nicht weiter wehtue. Zudem ist zu hören, wie sie von ihm verhöhnt wird. Das Video wurde mittlerweile von „vol.at“ gelöscht.

Darüber hinaus sind neben dem Artikel Fotos zu sehen, die das Gesicht und den misshandelten Körper der Betroffenen zeigen.

Ein Leser kritisiert, dass dadurch die Menschenwürde der Misshandelten verletzt und bloß die Sensationsgier der Leser bedient werde.

Die Russmedia Digital GmbH hat dem Presserat mitgeteilt, dass das Schicksal des australischen Models international für großes Aufsehen gesorgt habe. Am Weltfrauentag habe „vol.at“ mit dem Artikel das Thema „Gewalt gegen Frauen“ behandelt. Die Bilder stünden stellvertretend für viele weitere misshandelte Frauen. Durch den Artikel und die Bebilderung solle auf häusliche Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht werden.

Außerdem spreche die Betroffene öffentlich über die Vorfälle. Das kritisierte Video habe sie selbst in einer Fernsehsendung gezeigt. Die Betroffene wolle, dass die Öffentlichkeit das ihr zugefügte Leid wahrnehme. Daraus sei nach Ansicht des Mediums die Zustimmung zur Verbreitung des Bild- und Videomaterials abzuleiten.

Der Senat ist der Auffassung, dass im vorliegenden Fall wegen der Zustimmung des Opfers kein Verstoß gegen den Ehrenkodex vorliegt und hat das Verfahren daher eingestellt.

Das Opfer ist selbst mit den Bildern und dem Video an die Öffentlichkeit herangetreten und hat sich für die Verbreitung ausgesprochen, um die Allgemeinheit für das Thema Gewalt an Frauen zu sensibilisieren und wachzurütteln. Die Redaktion von „vol.at“ ist daher zu Recht davon ausgegangen, dass das Opfer in die Verbreitung des Bildmaterials eingewilligt hat.

Von einem Eingriff in den Persönlichkeitsschutz und die Intimsphäre ist daher nicht auszugehen.

Selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung eines Lesers

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

Im vorliegenden Fall führte der Senat 2 des Presserats aufgrund der Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund von Mitteilungen). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob ein Artikel den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin von „vol.at“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, Gebrauch gemacht.

Die Medieninhaberin der „Vorarlberger Nachrichten“ hat sich der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats unterworfen.

Rückfragen & Kontakt:

Alexander Warzilek, GF, Tel.: 01 - 23 699 84 - 01

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OPR0001