„kreuz und quer“ am 24. Mai: „Ein Brief für Allah“ und „Können Haare Sünde sein?“

Wien (OTS) - „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – zeigt am Dienstag, dem 24. Mai 2016, um 22.35 Uhr in ORF 2 die poetische Dokumentation „Ein Brief für Allah“ der gläubigen Muslima und Filmemacherin Nefise Özkal Lorentzen über die Hoffnungen auf Gleichberechtigung der Frauen in einem erneuerten Islam. Um 23.25 Uhr folgt mit „Können Haare Sünde sein?“ ein Film über religiöse Kopfbedeckungen von Elisabeth Krimbacher und Thomas Grusch.

„Ein Brief für Allah“ – Ein Film von Nefise Özkal Lorentzen (Bearbeitung: Margarita Pribyl)

Als kleines Mädchen ließ die türkisch-norwegische Filmemacherin Nefise Özkal Lorentzen immer wieder Luftballons in den Himmel steigen, an denen Briefe mit ihren Wünschen an Allah befestigt waren. Jetzt, als erwachsene Frau, würde sie am liebsten wieder einen Brief an Allah abschicken mit der Bitte, dass Frauen im Islam endlich die gleichen Freiheiten und Rechte wie Männern zugestanden werden. Die Filmemacherin folgt dabei dem Vorbild ihrer Großmutter. Diese hatte Nefise beigebracht, wie man eine gute Muslimin wird. Das „Hin- und Hergerissensein“ zwischen zwei Kulturen und zwei Kontinenten – Europa und Asien – und den jeweiligen kulturellen und religiösen Traditionen macht die Regisseurin zu ihrem ganz persönlichen Thema. Mit ihren Luftballons begibt sie sich auf die Reise von Norwegen über Ägypten bis in die Türkei.

Zugleich verdeutlicht Lorentzen in Sequenzen mit fantastisch anmutenden Traumbildern das Frauenbild im Islam – wie es ist und wie es sein könnte. Mit poetischer Filmsprache spinnt die Filmemacherin die Denkansätze weiter, die ihr auf ihrer Reise begegnen. Sehr unterschiedliche Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner stehen ihr Rede und Antwort: Der Bogen reicht vom jungen, fundamentalistisch eingestellten Salafisten-Scheich bis zur ägyptischen Feministin und Autorin Nawal El Saadawi, die wegen ihrer progressiven Ideen einige Zeit im Exil verbringen musste.

Zu Wort kommt auch der 90-jährige Autor und Islamgelehrte Gamal al-Banna sowie die Islamwissenschafterin Asma Barla, die sich intensiv mit einer Neuinterpretation des Korans beschäftigt. Ihr geht es darum, dass Frauen jenen Stellenwert im Islam bekommen, der ihnen zusteht. Nefise Özkal Lorentzen stößt bei ihrer Entdeckungsreise Tore in alle Himmelsrichtungen auf. Dabei glaubt sie zu erkennen, dass es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen den drei Abrahamitischen Religionen Christentum, Judentum und Islam und der Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen gibt.

„Können Haare Sünde sein?“ – Ein Film von Elisabeth Krimbacher und Thomas Grusch

Juden, Muslime, Christen und Sikhs – was haben sie gemeinsam? Haare spielen bei diesen Religionen eine wesentliche Rolle, sie werden auf verschiedene Weisen gepflegt, bedeckt, ver- und enthüllt. Das vitale lange Haar als Zeichen von Stärke und Fruchtbarkeit und als schönster „Schmuck“ der Frau steht seit vielen Jahrhunderten im Mittelpunkt eines geregelten religiösen Alltagslebens: Schon im 12. Jahrhundert vor Christus verhüllte sich die ehrenhafte verheiratete Frau beim Verlassen des Hauses mit einem Schleier, die Bedeckung verschaffte den Frauen die Freiheit, nicht belästigt zu werden, sie war ein Zeichen ihres sozialen Ranges.

Heute sind sichtbare Religionssymbole in der Öffentlichkeit suspekt:
Kopftuchträgerinnen, verschleierte Frauen und Männer mit Turban sind im Straßenbild verdächtig – meint man doch, „radikale Muslime“ vor sich zu haben. Gurdial Singh Bajwa, Unternehmer und Sikh mit Turban, kann davon viel berichten. Nicht nur bei jedem grenzüberschreitenden Flug, sondern auch im Alltag wird seine Familie von Ahnungslosen behelligt.

Besonders dem „Kopftuch“ wird ein negativer Symbolgehalt zugesprochen. Das Kopftuch repräsentiert in Europa nicht nur die Unterdrückung der Frau, sondern es gilt auch als Zeichen für die Rückständigkeit des Islam generell. Dass mittlerweile – ob als Gegenreaktion auf diese Zuschreibungen oder aus vielfältigen anderen Gründen – das Kopftuch von vielen Musliminnen der neuen Generation freiwillig und mit Selbstbewusstsein sogar als Symbol der Emanzipation getragen wird, ist ein Faktum. Menerva Hammad, 25-jährige Studentin und Journalistin, gehört zu jenen jungen Frauen in Österreich, die ihr Haar sogar gegen den Rat ihrer Eltern verschleiert hat. „Ich war ohnehin nie als Österreicherin richtig akzeptiert – also warum nicht gleich wie eine Muslimin ausschauen.“

Ihre Identität durch ihre Religion auszudrücken ist auch für die gläubige Jüdin Malka Bernholtz wichtig. „Wir Juden fragen nicht, warum die Regeln so sind, wie sie sind, wir tun es einfach“, erklärt sie. Verheiratete jüdische Frauen bedecken ihre Haare entweder mit einem Tuch, einer Perücke oder einem Hut. Oft sieht die Perücke dann genauso aus wie die eigenen Haare darunter. Es geht bei dieser Vorschrift allerdings keineswegs darum, die Schönheit der Frau zu mindern, sondern darum, dass die Haare etwas Privates und nur dem Ehemann vorbehalten sind.

Beide Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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