Zulehner warnt ÖVP vor "Politik der Orbanisierung"

Reichersberger Pfingstgespräche über "Schutz um jeden Preis?": "Wer Festungen baut, betreibt rückwärtsgewandte Politik des unerklärten Kriegs gegen Armgehaltene der Welt"

Linz (KAP) - Vor einer auf Abschottung ausgerichteten "Politik der Orbanisierung" hat der Wiener Theologe und Werteforscher Paul M. Zulehner die ÖVP und die österreichische Politik insgesamt gewarnt. "Wer Festungen baut, betreibt eine rückwärtsgewandte Politik des unerklärten Kriegs gegen die Armgehaltenen der Welt", sagte Zulehner am Dienstag in seinem Vortrag bei den 20. Reichersberger Pfingstgesprächen im gleichnamigen Chorherrenstift (OÖ.). Den anwesenden Vertretern der "zumindest von den Wurzeln her christlichen Partei" ÖVP erklärte er, mit einer angstgetriebenen Politik würde das Christliche im ehedem christlichen Abendland verschwinden. Als mögliche Alternative nannte Zulehner eine "Politik des Vertrauens", die konsequent friedensfördend wirkt, globales Unrecht bekämpft und Bildung vorantreibt.

Die Pfingstgespräche - veranstaltet von der Volkspartei in Oberösterreich - waren unter dem Titel "Schutz um jeden Preis?" diesmal dem Spannungsfeld "Freiheit versus Sicherheit" gewidmet.

Der Wiener Theologe verwies in seinem Referat auf Wertestudien, die den Wunsch nach Frieden, Gesundheit, aber auch Freiheit und "bergende Heimat" ganz oben in der Werteskala ansiedeln. Der Mensch brauche immer beides zugleich, so Zulehner: "Stabilität und Mobilität, wurzeln und wachsen, Schutz und Freiheit". Schutz ohne Freiheit mindere ebenso die Lebensqualität wie Freiheit ohne Schutz.

In Europa greife immer mehr eine "Politik der Orbanisierung" um sich. Ihre Kennzeichen: "angstgetriebene abschottende Renationalisierung und Enteuropäisierung". Wer jedoch primär in den Kategorien der Abwehr denke, "macht statt zukunftsfähiger Friedenspolitik kurzatmige Verteidigungspolitik", gab Zulehner zu bedenken. "Gegen die Hoffnungslosigkeit der Armut hilft nicht Militär, sondern nur Gerechtigkeit."

Einen solchen Weg "in die politische Sackgasse" umschrieb der Theologe mit folgendem Vergleich: "Wer meint, man könne in Österreich inmitten einer ungerechten und deshalb friedfernen Welt in Wohlstand und Frieden geschützt leben, gleicht einem Arzt, der gegen einen Herzinfarkt Schmerzmittel verschreibt, damit der Patient seinen warnenden Schmerz nicht mehr spürt."

((ende)) RME/JMO
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