AK: ATX-Unternehmen machen 2015 fast 3 Milliarden Gewinn – Dividenden und Ausschüttungsquoten unverändert hoch!

Gewinne besser für Investitionen, Forschung und Ausbildung einsetzen!

Wien (OTS) - Die ersten veröffentlichten Bilanzen der börsenotierten Leitunternehmen im ATX zeigen für 2015 deutliche Steigerungen bei den Gewinnen. Bei etwas besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zogen sie von einem Minus von 600 Millionen auf 2,9 Milliarden Euro an. Hohe Verluste gab es unter anderem für die OMV. Die Summe der Dividendenzahlungen wird gleichzeitig gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden, nämlich von 1,5 auf 1,7 Milliarden. Mehr als die Hälfte der Unternehmen haben höhere Dividendenvorschläge zu den Hauptversammlungen eingereicht. „Allerdings haben sich die Ausschüttungsquoten aufgrund der guten Gewinnsituiation deutlich reduziert“, weiß AK-Experte Markus Oberrauter. Sie liegen mit fast 60 Prozent aber immer noch auf einem hohen Niveau. Der Betriebswirt:
„Bedenklich ist, dass einige Unternehmen, wie etwa die Post, deutlich mehr Dividenden ausschütten als erwirtschaftet wurde.“ Angesichts dieser Fakten fordert die AK, dass die Unternehmen den Gewinn besser für Investitionen, Forschung und Entwicklung sowie die Ausbildung der Beschäftigten einsetzen sollten, um sich nachhaltig besser aufzustellen.

Zum Hintergrund der Studie:
Im Rahmen dieser Untersuchung wird die Dividendenpolitik der großen, im Austrian Trade Index notierten, Konzerne analysiert – nachdem alle ATX Unternehmen mit Bilanzstichtag 31.12 ihre Konzernabschlüsse veröffentlicht haben. Zum Untersuchungszeitpunkt liegen dabei von 15 ATX Unternehmen mit Bilanzstichtag 31.12.2015 verlässliche Daten zur Gewinnentwicklung sowie die Dividendenvorschläge vor. Für die Unternehmen mit abweichendem Wirtschaftsjahr, die ihren Jahresabschluss noch nicht offenlegen konnten wurde der Median der Analystenschätzungen laut Bloomberg Datenbank zum Stichtag 3.5. 2016 als Berechnungsgrundlage herangezogen. Für diese Unternehmen werden Analystenschätzungen für das Ergebnis pro Aktie sowie der Dividende pro Aktie im Rahmen der Studie berücksichtigt. Bei einem Unternehmen liegt bereits das veröffentlichte Konzernergebnis vor.

Die wichtigsten Ergebnisse:

Steigende Gewinne bei zwei Drittel der Unternehmen
Auch 2015 war durch ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld und einer weiterhin schwächelnden Konjunktur bei etwas stärkerem Wachstum gekennzeichnet. Die 20 Leitunternehmen des Austrian Trade Index (ATX), die überwiegend auch international tätig sind, konnten mit wenigen Ausnahmen ihre Ergebnisse deutlich verbessern. Dies ist neben der leichten Konjunkturverbesserung bei etlichen Konzernen auch auf geringere Wertberichtigungen und Abschreibungen von Tochterunternehmen in Ost- und Mitteleuropa zurückzuführen. Auch im Bankensektor sinken die Risikovorsorgen deutlich. Im vorangegangene Wirtschaftsjahr lagen die Ergebnisse nach Minderheitenanteilen und Bedienung von Zinsen auf Hybridkapital in Summe mit - 600 Mio. Euro noch deutlich im negativen Bereich. 2015/16 hat sich die Gewinnsituation deutlich verbessert und das den Aktionären zurechenbare Ergebnis lag bei 2,9 Mrd. Euro. Die besonders hohen Verluste der OMV AG (-1.1 Mio. Euro) haben die Summe der Gewinne der ATX Unternehmen trotzdem außerordentlich belastet . Neben der OMV ist ebenfalls aufgrund des geringen Ölpreises der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG (-19 Mio. Euro) in die Verlustzone gerutscht. Auch bei der Immofinanz AG rechnen Analysten mit einem negativen Konzernergebnis. Rund zwei Drittel der Unternehmen konnten ihre Ergebnisse gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessern. Sechs Unternehmen haben den Turnaround aus der Verlustzone geschafft.

Dividenden steigen auf 1,7 Mrd. Euro, Ausschüttungsquote sinkt Die verbesserte wirtschaftliche Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Dividendenpolitik der Unternehmen. Mit Ausnahme der Aktionäre der Raiffeisen Bank International AG nehmen alle ATX Unternehmen Ausschüttungen vor. Mehr als die Hälfte (55 %) der ATX-Konzerne erhöhen ihre Dividendenzahlungen zum Teil beträchtlich. Insgesamt gelangen im Jahr 2016 1,7 Mrd. Euro (2015: 1,5 Mrd. Euro) zur Ausschüttung. Die Ausschüttungsquoten haben sich aufgrund der guten Gewinnsituation deutlich reduziert, liegen aber mit fast 60 Prozent immer noch auf einem hohen Niveau. Einige Unternehmen schütten trotz Verlust Dividenden aus, andere sogar deutlich mehr als erwirtschaftet wurde. Dies geht zu Lasten der Substanz der betroffenen Unternehmen.

Den größten Anteil an Unternehmen stellt mit 40 % aller ATX Konzerne Unternehmen der Industrie dar. Die acht im ATX gelisteten Konzerne haben ihr Ergebnis verbessert und einen den Aktionären zurechenbaren Gewinn von 1.084,4 Mio. Euro erwirtschaftet (+64,7%). Den Gesellschaftern werden 453,3 Mio. (+14,1%) Euro als Dividende ausgeschüttet. Bezogen auf den erwirtschafteten Gewinn ergibt sich eine Ausschüttungsquote von rd. 42 % (Vorjahr rd. 60 %).

Das Segment Infrastruktur/Daseinsvorsorge besteht in der derzeitigen ATX Zusammensetzung aus der Österreichischen Post AG und der Telekom Austria AG. Diese Unternehmen haben in Summe im Jahr 2015 ein den Aktionären zurechenbares Ergebnis von rd. 438,7 Mio. Euro erwirtschaftet. Dem stehen Ausschüttungen von 164,9 Mio. Euro gegenüber. Während die Telekom Austria die Jahre überzogener Ausschüttungspolitik, die in der Folge an die Substanz (Eigenkapital) des Unternehmens ging, bereits hinter sich hat, schüttet die Österreichische Post AG mit 131,7 Mio. Euro etwa das Doppelte des erzielten Konzernergebnisses aus.

Die beiden ATX Konzerne aus der Energie- und Mineralölwirtschaft haben mit einem Verfall der Ölpreise sowie sinkenden Terminmarktpreisen für Strom zu kämpfen. Lag zwar bereits im Vorjahr das Niveau der Ausschüttungen über den erzielten Gewinnen, so hat sich dies in Folge weiter verschärft. Die OMV musste 2015 einen Verlust von 1,1 Mrd. Euro hinnehmen. Trotz des Rekordverlusts ändert sich an der Dividendenpolitik wenig. Mit einer Dividendenkürzung von gerade einmal 20 % steht die OMV mit 326,4 Mio. Euro auch 2016 an der Spitze des Dividendenrankings. Der heimische Energiekonzern Verbund konnte sein Ergebnis deutlich verbessern und erhöht daraufhin die Dividende um 20,7 % auf 121,6 Mio. Euro.

Die beiden im ATX gelisteten Banken die Erste Group AG und Raiffeisen Bank International AG (RBI) haben nach einem sehr schwierigen Jahr 2014 wieder den Turnaround geschafft. Insgesamt haben die beiden Institute einen Jahresüberschuss von 1,3 Mrd. Euro eingefahren. Während die RBI für 2016 noch von der Auszahlung von Dividenden Abstand nimmt, liegen diese bei der Erste Group bei 213,4 Mio. Euro und damit auf Platz 2 im Dividendenranking.

Die im ATX gelisteten Versicherungskonzerne Vienna Insurance Group AG und Uniqa Insurance Group AG haben sich im Jahr 2015 unterschiedlich entwickelt. Während die Uniqa auf ein Rekordergebnis zurückblickt, musste die VIG AG einen Rückschlag hinnehmen. In Summe verblieb ein den Aktionären zurechenbares Ergebnis von 429,3 Mio. Euro. Davon erhalten im Jahr 2016 die Aktionäre 221,6 Mio. Euro. Insgesamt lag damit die Ausschüttungsquote in Summe bei 51,6% (Vorjahr 47,0%)

Das Immobiliensegment des ATX besteht seit der Abspaltung der Buwog aus vier Immobilienkonzernen. Basierend auf Analystenschätzungen bei Immofinanz AG und Buwog Group AG werden sich die, den Aktionären zurechenbaren Ergebnisse aller vier Unternehmen deutlich verbessern und knapp unter der 500 Millionen Euro Marke zum Liegen kommen. Von diesem gutem Ergebnis profitieren die Aktionäre mit Dividendenzahlungen in einem Ausmaß von 208 Mio. Euro.

SERVICE: Den AK Dividendenreport finden Sie unter www.arbeiterkammer.at.

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