Ärztliche Hausapotheken: Ärztekammeraussagen unzutreffend

Bevölkerung braucht Arzt und Apotheker

Wien (OTS) - Die heutigen Aussagen von Ärztekammerfunktionär Wiegele, dass ärztliche Hausapotheken die Gesundheitskosten reduzierten, sind schlichtweg unzutreffend. „Im Vorfeld der Neuregelung der ländlichen Versorgung mit Apotheken und ärztlichen Hausapotheken weckt diese Vorgehensweise den Eindruck des blanken Aktionismus“, so Dr. Martin Hochstöger, Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Apothekerkammer.

Der Initiativantrag vom 16. März schafft ohnedies eine Situation, die die Landärzte eindeutig bevorzugt und die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten durch öffentliche Apotheken benachteiligt. Wiegele stützt sich auf eine Einschätzung des Lobbyisten Andreas Kreutzer, die schon bei ihrer Veröffentlichung im Vorjahr einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standgehalten hat. Es sieht aus, als hätte die Ärztekammer in ihrem Einsatz für mehr ärztliche Hausapotheken nun krampfhaft nach einer Publikation gesucht, um die am 15. April veröffentlichte IHS-Expertenmeinung zu diskreditieren. „Diese Vorgehensweise ist durchschaubar und die Aussage ein Leichtgewicht im Vergleich zur IHS-Publikation“, so Hochstöger.

Überverordnung durch ärztliche Hausapotheken

Dr. Thomas Czypionka, Leiter IHS HealthEcon hat in einer Pressemeldung am 15. April 2016 folgende Aussagen getroffen:
„Die aktuelle Diskussion um die Ausweitung von Hausapotheken lässt nicht unerhebliche Nebenwirkungen außer Acht. Die Ausweitung der Hausapotheken setzt Anreize zur Überverordnung zu Lasten der öffentlichen Hand und führt zu einer Ausdünnung der Vollversorgung mit Arzneimitteln in der Peripherie. Eine Attraktivierung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Bereich sollte innerhalb des Honorarsystems erfolgen, nicht durch die Stärkung von Nebeneinkünften im Sinne der Hausapotheken.

… Diese gesundheitspolitisch negativen Effekte können ein nicht zu vernachlässigendes Ausmaß annehmen, wie zum Beispiel zwei Studien aus der Schweiz unlängst zeigten: In etlichen Deutschsprachigen Kantonen wurde in den letzten Jahren teilweise das ärztliche Dispensierrecht eingeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass bei den ÄrztInnen mit Hausapotheke die Arzneimittelkosten pro PatientIn um ein Drittel höher liegen [Kaiser & Schmid (2014) Health Economics]. Die Generika-Quote liegt zwar bei den ÄrztInnen mit Hausapotheke höher, jedoch liegt die Gewinnspanne pro Dosis trotzdem um 5-10% höher als im Vergleich zu verordnenden ÄrztInnen ohne Hausapotheke [Rischatsch (2014) European Journal of Health Economics].“

Vorteile der öffentlichen Apotheke für Kunden

Eine Apotheke ist ein Gewinn für jede Gemeinde. In den 1.360 Apotheken in Österreich beraten knapp 6.000 akademisch ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Die Apotheken garantieren die flächendeckende Arzneimittelversorgung der Bevölkerung, nicht nur am Tag, sondern auch während Wochenenden, Feiertagen und in der Nacht. Viele Apotheken bieten zudem noch Zustellung von Medikamenten bis ans Krankenbett an. Eine Apotheke hat durchschnittlich 6000 verschiedene Produkte auf Lager. Die Apothekerinnen und Apotheker beraten über Wirkung und Nebenwirkung von Medikamenten und klären bei Doppelverschreibungen und Wechselwirkungen auf. Sie empfehlen passende rezeptfreie Produkte (Selbstmedikation) und stellen viele Arzneimittel selbst her (magistrale Zubereitung). Sie kontrollieren die ärztlichen Verschreibungen und übernehmen die Abrechnung mit der Krankenkasse. Viele Apotheken bieten Gesundheits-Checks wie Blutdruck- und Blutzuckermessung an, beraten zum Thema Nichtrauchen, Reisevorsorge und Ernährung.

Wo eine neue öffentliche Apotheke entsteht, verbessert sich die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln und Gesundheitsdienstleistungen.

Aus vielen Untersuchungen wissen wir, dass die Apotheken einen Gewinn für die Gemeindebürger darstellen. Wenn eine ärztliche Hausapotheke schließt, übernimmt die nächste öffentliche Apotheke die gesamte Arzneimittelversorgung. Bei regionalen Distanzen bieten die Apotheker bürgernahe Services, zum Beispiel werden die Arzneimittel von der Apotheke bis ans Krankenbett zugestellt.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Apothekerkammer
Presse und Kommunikation
Mag. Gudrun Kreutner
1090 Wien, Spitalgasse 31
Tel.: 01/404 14/DW 600
E-Mail: gudrun.kreutner@apothekerkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | APO0011