Schulterschluss der heimischen Baubranche - neue Plattform „Planen.Bauen.Betreiben 4.0 – Arbeit.Wirtschaft.Export“

Wien (OTS) - “Entweder wir gehen auf den Weltmarkt oder der Weltmarkt kommt zu uns”, umreißt Hon. Prof. DI Dr. Wilhelm Reismann, Gedankenvater und Mit-Begründer der neuen Plattform das Motiv für die Initiative unter dem Titel „Planen.Bauen.Betreiben 4.0 – Arbeit.Wirtschaft. Export“. 2015 war die österreichische Bauproduktion um etwa ein Prozent nominell unter 41 Milliarden Euro gesunken. Sowohl Hoch- als auch Tiefbau haben an Schwung verloren. Für das laufende Jahr ist – beflügelt durch die starke Wohnungsnachfrage und steigenden Investitionen im Hochbau und Bahnausbau – mit einem leichten Produktionsplus zu rechnen. Reismann, der die Arbeitskreise im ÖIAV (Österreichischer Ingenieur- und Architektenverband) und der ÖBV (Österreichische Bautechnik Vereinigung) leitet, sieht die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Baubranche dennoch auf dem Prüfstand: „Die Märkte sind zunehmend durch Globalisierung und Digitalisierung geprägt. Um als wichtiger Arbeitgeber entsprechend wettbewerbsfähig und zukunftsfit zu bleiben, muss die heimische Baubranche stärker auf die geänderten Rahmenbedingungen reagieren.“ Der Sektor Bauproduktion alleine umfasst in Österreich etwa 246.000 Beschäftigte bzw. mehr als 7 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten. Der Anteil am nominellen BIP sank über die letzten Jahre zwar, liegt aktuell aber immer noch bei 6,4 Prozent (vgl. EU28-Durchschnitt bei 5,4 Prozent).1

Zukunftsfit durch Vernetzung und Standardisierung

Mit der Plattform „Planen.Bauen.Betreiben 4.0 – Arbeit.Wirtschaft.Export“ setzen die großen Player der Branche nun ein starkes gemeinsames Zeichen als Antwort auf diesen, für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, gestiegenen Druck. Ziel ist es, einen Prozess anzustoßen, der einerseits die einzelnen Teilbereiche „Planung“, „Bauen“ und „Betreiben“ stärker vernetzt und andererseits international bereits etablierte digitale Standards forciert. Prominentes Beispiel hierzu bildet etwa das vielgerühmte „Building Information Modeling“ (BIM). Die so erarbeiteten Positionen sollen darüber hinaus auch über die österreichischen Grenzen hinweg in europäischen bzw. internationalen Initiativen dargelegt und eingebracht werden. „Wir wollen erreichen, dass wir als Wirtschaftsstandort Österreich wettbewerbsfähig bleiben, nicht zuletzt Arbeitsplätze erhalten und idealerweise generieren. Wenn alle Vertreter an einem gemeinsamen Strang ziehen, bin ich guter Dinge, dass wir das schaffen“, so Reismann. Für eine stärkere Vernetzung der einzelnen Bau- und Betreibersparten spricht sich auch Ing. Peter Kovacs, Vorstandsvorsitzender der Facility Management Austria (FMA), aus: „Der Prozess ‚Planen.Bauen.Betreiben‘ sollte in seiner Gesamtheit betrachtet werden. Dazu müssen entsprechende Datenstrukturen geschaffen und die Weitergabe von Informationen, beginnend bereits beim Planungsstart, sichergestellt werden. Durch dementsprechend neu geschaffene Instrumente, wie etwa BIM, ergeben sich Verbesserungen in der Wertschöpfung und neuartige Möglichkeiten.“

„Building Information Modeling“ (BIM) spart Zeit und Geld

„Building Information Modeling“ (BIM) wird in Österreich bereits erfolgreich angewandt, jedoch bildet es noch keinen Standard. Univ. Prof. Gerald Goger, Technische Universität Wien und Leitung Arbeitskreis ÖIAV ortet zahlreiche Vorteile: „Die Digitalisierung bringt agilere Prozesse mit sich, die für ausführende Unternehmen etwa die Qualität der Nachkalkulation deutlich verbessert. Eine globale Datenerfassung wiederum ermöglicht, dass weltweit in Echtzeit auf Projektdaten zugegriffen werden kann. Das wirkt sich auch auf den Kostenfaktor aus: Internationale Studien gehen von 3 bis 5 Prozent Kostenersparnis und 10 Prozent Zeitreduktion aus. Verlässlicheres, konfliktärmeres Bauen würde somit auch dem ‚Otto-Normalverbraucher‘ beim Bau seiner Eigentumswohnung oder seines Einfamilienhauses entgegenkommen.“

Interdisziplinäre Ansätze bei Ausbildung gefordert

Auch die Ausbildung spielt für Mag. Alfred Waschl, Präsident der International Facility Management Association (IFMA) Austria, eine wesentliche Rolle: „In der Baubranche hat sich die Arbeitsteilung so kultiviert, dass die drei großen Arbeitsbereiche Architektur (Planen), technische Gebäudeausstattung (Bauen) und Facility Management (Betreiben) nicht kooperieren, sondern weitgehend nebeneinander agieren. Da das in der Ausbildung ebenso ist, gibt es kaum übergreifendes Know-how. Zukünftig sollten interdisziplinäre Verknüpfungen und Ansätze gestärkt werden“, so Waschl. Die alleinige Konzentration der Ausbildungen auf das Bauingenieurwesen wäre nicht mehr zeitgemäß. Andere Fachdisziplinen wie etwa Informatik, technische Mathematik, Maschinenbau oder Bauphysik müssen stärker in Bauprozessen (Simulation, Prognose und Optimierung von digitalen Bau-und Betriebsprozessmodellen) berücksichtigt werden.

Hochkarätiger Auftakt mit Prominenz aus Politik und Wirtschaft

Als Auftakt zu der frisch aus der Taufe gehobenen Plattform findet auf Initiative von Wilhelm Reismann am 9. Mai 2016 eine Enquete im ÖIAV statt. Welche Bedeutung der geforderten Prozessentwicklung zukommt, wird schon allein anhand des hochkarätigen Publikums, das sich angekündigt hat, sichtbar: Neben Reinhold Mitterlehner, Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung und Alois Stöger, Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, haben sich das Who’s who der heimischen Bau- und Betreiberbranche angekündigt. Gemeinsam wird auch an diesem Abend den komplexen Herausforderungen von „Planen.Bauen.Betreiben 4.0 – Arbeit. Wirtschaft.Export“ und der Frage nachgegangen: Was braucht es für eine wettbewerbsfähige und erfolgreiche Zukunft von Baugewerbe, Bauindustrie und Bauwirtschaft sowie nachhaltigen Betrieb in und aus Österreich? Eine Preisverleihung im Rahmen der Enquete für KMUs und Start-ups im Bereich von Immobilien, Industrie und Infrastruktur, die sich als besonders exportfähig erwiesen haben, wird darüber hinaus das innovative Potenzial der Branche würdigen.

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