AK kontert dem Gerede vom Krankenstandsmissbrauch: Die Zahl der Krankenstandstage ist seit 1999 gesunken

Linz (OTS) - Obwohl sich die Zahl der psychischen Erkrankungen in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat, sind die Krankenstandstage seit 1999 gesunken. Waren die Beschäftigten in Oberösterreich vor 17 Jahren noch durchschnittlich 15,7 Kalendertage pro Jahr krank, so waren es im Vorjahr nur noch 12,9 Tage. „Das steht im Gegensatz zu den Behauptungen der Wirtschaftskammer“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er nimmt die Unternehmen in die Pflicht, die Evaluierung der psychischen Belastungen ernst zu nehmen und die daraus abgeleiteten Maßnahmen umzusetzen.

Während die Zahl der bei der OÖ. Gebietskrankenkasse Versicherten zwischen 1999 und 2015 von 472.542 Beschäftigten um 17,7 Prozent auf 555.928 gestiegen ist, ist die Zahl der Krankenstandstage im selben Zeitraum um 3,27 Prozent gesunken. Die Arbeitnehmer/-innen in Oberösterreich sind nur noch durchschnittlich 12,9 Kalendertage pro Jahr krank, 1999 waren es noch 15,7 Tage.

„Die Beschäftigten in Oberösterreich gehen sehr sorgsam mit dem Krankenstand und manchmal etwas unvorsichtig mit ihrer Gesundheit um, weil sie aus Angst um den Arbeitsplatz oder um die Kolleginnen und Kollegen nicht zu belasten, krank zur Arbeit gehen“, erklärt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Das könne auch nicht im Interesse der Betriebe sein, so Kalliauer: „Die Betriebe haben viel mehr davon, Kranke in Ruhe auskurieren zu lassen, als Fehler, Unfälle oder chronische Erkrankungen durch zu frühes Wiedereinsteigen zu riskieren“, sagt der AK-Präsident.

Die Krankenstände aufgrund psychischer Erkrankungen steigen weiter. Zeitdruck, zu wenig Personal und wenig autonomer Gestaltungsspielraum für die eigenen Arbeitsaufträge machen Menschen krank. „Diese Entwicklung ist dramatisch. Die Krankenstände wegen psychischer Erkrankungen haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt“, schlägt Kalliauer Alarm.

Doch auch bei den psychischen Erkrankungen bleibt der Verdacht, dass Viele arbeiten gehen, obwohl auskurieren oder eine Therapie besser wären. Erhärtet wird dieser Verdacht durch massiv steigende Verschreibungen von Antidepressiva. 2005 wurden 528.771 Medikamente verschrieben, die 10,5 Millionen Euro kosteten, 2015 waren es schon 758.736 Verschreibungen mit Kosten in der Höhe von 11,5 Millionen Euro. Das ist eine Steigerung der Verschreibungen um mehr als 43 Prozent, also deutlich mehr, als der Beschäftigtenstand angestiegen ist.

„Psychische Erkrankungen erzeugen viel Leid, hohe Kosten und sehr lange Krankenstände. Die Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz und vor allem die Umsetzung der daraus folgenden Maßnahmen sind unbedingt ernst zu nehmen. Betriebe, die bewusst die psychische Gesundheit der Beschäftigten gefährden, müssen mit Konsequenzen rechnen“, fordert AK-Präsident Kalliauer.

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