IV-NÖ zu Konjunktur: Noch kein Lichtblick in Sicht

Das allgemeine Geschäftsklima hat sich laut der jüngsten Konjunkturumfrage in NÖ leicht verschlechtert.

Wien (OTS) - „Die Konjunkturumfrage spiegelt die aktuelle Lage wider:
Die Politik nimmt sich um die Themen zur Verbesserung des Standorts und der Wettbewerbsfähigkeit nicht an, und so sehen auch die Unternehmen keine Verbesserungen bei ihrer derzeitigen Situation“, fasst der Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV NÖ), Thomas Salzer, die jüngsten Ergebnisse der vierteljährlichen Konjunkturumfrage der IV NÖ zusammen. Dieses Mal haben 29 Unternehmerinnen und Unternehmer mit insgesamt 10.368 Beschäftigten aus Niederösterreich an der Befragung teilgenommen.

Das IV NÖ Konjunkturbarometer – als Mittelwert aus der Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsentwicklung – ist seit dem vierten Quartal 2015 von 17,7 auf 17,5 Prozentpunkte gesunken. Auf Bundesebene ist das Konjunkturbarometer hingegen von 21,9 auf 25,7 Punkte gestiegen, was in erster Linie auf sich aufhellende Geschäftserwartun-gen zurückzuführen ist. In Niederösterreich fallen die Prognosen durchaus verhaltener aus. „Auch die Detailergebnisse für Niederösterreich, die aus den Saldi der Einzelbewertungen errechnet werden, geben bei genauerer Betrachtung keinen Grund zum Jubeln“, erklärt dazu IV NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither.

Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage weist im Konjunkturbarometer einen Saldo von 25 Prozentpunkten aus – das bedeutet zwar, dass es unterm Strich mehr Unternehmen gibt, die ihre aktuelle Geschäftslage positiv beurteilen. Im vierten Quartal 2015 fiel dieser Saldo mit 35 Prozentpunkten jedoch noch deutlich besser aus. Gestiegen ist im Vergleich dazu die Einschätzung der derzeitigen Ertragssituation – und zwar von vier auf 15 Prozentpunkte beim Saldo. „Der Großteil der Unternehmen, nämlich 75 Prozent, geht jedoch von gleich bleibenden Erträgen aus. Und hier befinden wir uns seit längerem auf einem bescheidenen Niveau“, so Roither.

Der Saldo des Kriteriums Beschäftigtenstand in drei Monaten stieg von -36 im vierten Quartal 2015 auf +1 im ersten Quartal 2016 und ist damit wieder im leicht positiven Bereich. „Dieser Ausblick ist zwar nicht mehr ganz so düster wie im Quartal davor, aber von einem Lichtblick sind wir trotzdem noch weit entfernt. Während 19 Prozent der befragten Unter-nehmen mit einem steigenden Beschäftigtenstand rechnen, gaben auch 18 Prozent an, dass Jobs abgebaut werden müssen. 63 Prozent rechnen mit einem gleich bleibenden Beschäftig-tenstand – und das ist in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit auch kein gutes Zeichen“, sagt Roither.

Für heuer rechnet das AMS Niederösterreich übrigens mit einer landesweiten Arbeitslosen-quote von 9,2 Prozent. Bis 2020 soll dieser Wert, laut jüngsten Studien der Synthesis For-schung GmbH im Auftrag des AMS, in Niederösterreich auf 10,9 Prozent steigen, bundesweit sogar auf 11,9 Prozent. IV NÖ-Präsident Thomas Salzer sieht daher dringenden Hand-lungsbedarf: „Angesichts dieses schwierigen konjunkturellen Umfelds und der negativen Prognosen brauchen die Betriebe Impulse, um Arbeitsplätze auch in Zukunft schaffen und absichern zu können – etwa durch flexiblere Arbeitszeitgestaltungsmöglichkeiten und weitere Lohnnebenkostensenkung.“

Beim aktuellen Auftragsstand hat sich der Saldo im Vergleich zum vierten Quartal 2015 von 42 auf 43 Prozentpunkte leicht verbessert. Gleiches gilt für die aktuellen Auslandsauf-träge: Hier stieg der Saldo von 31 auf 40 Prozentpunkte und liegt damit etwas über dem Bundesschnitt von 38 Prozentpunkten. „Zurückzuführen ist das auf die hohe Exporttätigkeit der Industriebetriebe – immerhin beträgt die durchschnittliche Exportquote in der niederöster-reichischen Industrie 40,8 Prozent“, so Roither.

Geringfügige Verbesserungen gibt es auch beim Ausblick: So stieg der Saldo bei der Ge-schäftslage in sechs Monaten von null auf zehn Prozentpunkte. Der Großteil, nämlich 85 Prozent der Unternehmen, rechnet in den nächsten sechs Monaten jedoch mit einer gleich-bleibenden Geschäftslage. Was die Umsätze betrifft, sind die Befragten skeptisch – hier sank der Saldo für die Ertragssituation in sechs Monaten von drei auf null Prozentpunkte. Verglichen mit den österreichweiten Ergebnissen fallen diese beiden Werte schlechter aus (Saldo von 15 bzw. 6 Prozentpunkten im 1. Quartal 2016).

Einen kleinen Lichtblick gibt es bei der Einschätzung der Produktionstätigkeit in drei Mo-naten: Diese stieg von einem Negativsaldo von -15 am Ende des Vorjahres auf einen Saldo von 10 Prozentpunkten. „Damit überwiegt nun wieder die Anzahl jener Unternehmen, die mit einer Steigerung in den nächsten drei Monaten rechnen. Dennoch sind es 69 Prozent, die weder eine Verschlechterung noch eine Verbesserung erwarten“, so Roither.

Bei den Verkaufspreisen in drei Monaten gehen knapp zwei Drittel der befragten Betriebe von gleichbleibenden Preisen aus, während ein gutes Viertel eine schlechtere Entwicklung erwartet. Nur 15 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit steigenden Verkaufsprei-sen. Somit entsteht ein Negativsaldo von -11 Prozentpunkten. Hier schlagen sich die interna-tional weiterhin vorhandenen Überkapazitäten nieder, die zu einem hohen Preisdruck und damit zu einem Preisverfall für industriell erzeugte Güter führen.

Befragungsmethode

Den Unternehmen werden für die Berechnung des Konjunkturbarometers zwei Antwortmög-lichkeiten für die derzeitige und künftige Geschäftslage vorgelegt: steigend/gut und fal-lend/schlecht. Aus diesen (beschäftigungsgewichteten) Antwortkategorien werden Saldi ge-bildet. Der Mittelwert dieser beiden Saldi, also aus der Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsentwicklung, ergibt wiederum den Wert für das allgemeine Geschäfts-klima. Diese Werte werden auch für die grafische Darstellung des Konjunkturbarometers herangezogen.

Bei den Detailergebnissen (Geschäftslage, Verkaufspreise etc.) wird der konjunktursensible Saldo aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Diese Saldi werden ebenso als Werte für die grafische Darstellung der Umfrageergebnisse herangezogen.

Rückfragen & Kontakt:

Gerti Süss, M.A.
Industriellenvereinigung Niederösterreich
T 01 711 35-2445
E G.Suess@iv-net.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0001