Sima zu Tschernobyl-Jahrestag: Einsatz für ein atomkraftfreies Mitteleuropa geht unvermindert weiter!

Wien setzt auf Erneuerbare Energien und Bürgerkraftwerke

Wien (OTS) - Heute vor 30 Jahren ereignete sich der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der Kernenergie. Zwei Explosionen zerstörten Block 4 des ukrainischen AKW Tschernobyl und schleudern radioaktives Material in die Atmosphäre. Die Auswirkungen des Atomunfalls kennen keine Grenzen und sind bis heute spürbar. Anlässlich des 30. Jahrestages der Katastrophe beauftragte die Wiener Umweltanwaltschaft gemeinsam mit GLOBAL 2000 den renommierten britischen Radiologen Dr. Ian Fairlie mit einer Aktualisierung seiner Studie „The other report on Chernobyl“. Es geht darin um die gesundheitlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe, insbesondere um die Auswirkungen auf Österreich. Die Ergebnisse zeigen auch 30 Jahre nach der Verseuchung die zerstörerischen Auswirkungen der zivilen Nutzung von Atomkraft. Langfristig werden weltweit 40.000 tödliche Krebserkrankungen prognostiziert. Fünf Millionen Menschen in Weißrussland, der Ukraine und Russland leben noch heute in radioaktiv hoch belasteten Regionen.

Weltweit befinden sich noch immer über 440 Kernreaktoren in Betrieb. Sie tragen weniger als vier Prozent zur weltweiten Energieversorgung bei und erzeugen auch im störungsfreien Betrieb jedes Jahr über 70.000 Tonnen hoch radioaktiven Abfall.

„Als Stadt Wien kämpfen wir seit vielen Jahren gegen grenznahe Atomkraftwerke und setzen auf Erneuerbare Energien. Mit einem europäischen Städtenetzwerk engagieren wir uns seit Jahren auf EU-Ebene für ein atomkraftfreies Mitteleuropa und wir werden unser Engagement vehement fortsetzen“, so Umweltstadträtin Ulli Sima anlässlich des heutigen, traurigen Jahrestages.

Wien seit vielen Jahren aktiv gegen Atomkraft

Wien ist in weniger als 100 km von sechs Reaktoren (2 Bohunice, 4 Dukovany) und weniger als 200 km von weiteren vier (2 Temelin, 2 Mochovce) entfernt. An all diesen Standorten gibt es Pläne für einen Ausbau. In Mochovce befinden sich sogar zwei weitere Blöcke bereits in Bau. Die älteren Anlagen verfügen über kein Druckcontainment, das bei einem Unfall radioaktive Stoffe zurückhalten würde. Problematisch ist bei diesen Anlagen auch der Brandschutz und die fehlende Sicherung gegen Flugzeugabstürze.

Die Stadt Wien fordert den raschest möglichen Ausstieg aus der Atomenergie. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Schließung von veralteten Anlagen, die nicht den Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen und dem sicheren Restbetrieb der übrigen Anlagen gemeinsam mit deren definiertem Betriebsende. Auf europäischer Ebene liegen die Schwerpunkte auf hohen einheitlichen Sicherheitsstandards und der Ablehnung von AKW-Neubauten. Förderungen von AKW und Atomstrom werden strikt abgelehnt.

Wiener Umweltanwaltschaft als Drehscheibe der Anti-Atom-Politik

Die Wiener Umweltanwaltschaft (WUA) als Atomschutzbeauftragte der Stadt Wien ist die Drehscheibe der gesamten Anti-Atom-Politik der Stadt. Zu der fachlichen Beratung von EntscheidungsträgerInnen der Stadt Wien und der Erarbeitung von fachlich fundierten Stellungnahmen, Positionen und Forderungen in Atomfragen kommt die Kooperation in Netzwerken und gemeinsamen Projekten mit BürgerInnen und NGOs.

Als Atomschutzbeauftragte der Stadt Wien vertritt die WUA die Interessen der Wienerinnen und Wiener in praktisch allen grenzüberschreitenden Verfahren zu Nuklearanlagen. Sie erstellt nicht nur fundierte Fachstellungnahmen für die Stadt sondern stellt auch vereinfachte Stellungnahmen für Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung. In den wichtigsten und größten Verfahren koordiniert sie auch gemeinsame Stellungnahmen der Bundesländer.

Nein zum britischen AKW Hinkley Point

Der strategisch für die Kernenergie in Europa wichtigste Fall ist aktuell das Projekt eines neuen Reaktors in Hinkley Point (Großbritannien). Wie eine Studie der WUA mit der Technischen Universität klar belegt, ist die Errichtung von Atomkraftwerken wirtschaftlich nicht darstellbar. „Atomkraft ist also nicht nur gefährlich, sondern auch absolut unwirtschaftlich“, fasst Sima die Studie der Wiener Umweltanwaltschaft zusammen. Die Wiener Umweltanwaltschaft hat diese Ergebnisse auch vor Abgeordneten des britischen Parlaments vorgetragen und ist auf großes Interesse gestoßen. Infos zur Studie www.wua-wien.at/atomschutz/positionen-und-stellungnahmen.

Wiener Anti-Atom-Plan

Der Kampf gegen grenznahe Atomkraftwerke, der Ausstieg aus der Kernkraft in Mitteleuropa, Lobbying gegen die einseitige Förderung der Atomkraft auf EU-Ebene und die Förderung alternativer Energieträger stehen im Zentrum der Wiener Anti-Atom-Arbeit. Umweltstadträtin Sima lädt regelmäßig zu einem Atomgipfel ins Wiener Rathaus, zudem NGOs, ExpertInnen und Vertreter aller politischen Parteien des Wiener Landtages eingeladen sind. Dort wird die gemeinsame Vorgangsweise für ein atomkraftfreies Mitteleuropa akkordiert.

CNFE – Anti-Atom-Netzwerk

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima initiierte Sima das Anti-Atomnetzwerk CNFE, das mittlerweile rund 30 europäische Partnerstädte umfasst, darunter Dortmund, Dublin, Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Hannover, Köln, Manchester, München, Nicosia, Nürnberg, Sarajevo, Stuttgart, Zagreb, Milano, Thessaloniki, Corfu, Rhodes, Midlothian. Durch das gemeinsame Auftreten des Netzwerks gegen die Pläne der Europäischen Kommission zur Förderung neuer Kernkraftwerke und das intensive Engagement gegen die Förderung von Strom aus Kernenergie, setzt CNFE deutliche Zeichen. Wiederholt konnten Anti-Atom-Anliegen sowohl vor der Europäischen Kommission als auch im Europäischen Parlament vorgetragen werden. Das auf Städte in der EU aufgebaute Netzwerk arbeitet eng mit „Mayors for Peace“ und dem seit 35 Jahren bestehenden britischen Anti-Atomnetzwerk NFLA (Nuclear Free Local Authorities) zusammen. Infos auf www.cnfe.eu

Unterstützung für die Tschernobyl-Kinder-Aktion von GLOBAL 2000

Neben aktivem Engagement für den Atomausstieg unterstützt die Stadt Wien auch Hilfsprojekte für Tschernobyl-Opfer, die es auch 30 Jahre nach dem SuperGAU zu beklagen gibt. Konkret finanziert die Stadt Wien Wasseraufbereitungsanlagen für ukrainische Dörfer, um kranken Kindern sauberes Trinkwasser zu garantieren. In den nächsten Wochen sollen weitere Anlagen auf die Reise geschickt werden. Letzte Woche konnte auch ein Benefizkonzert zu Gunsten der Tschernobyl-Kinder-Aktion von GLOBAL 2000 im Wiener Rathaus unterstützt werden.

Wien setzt auf erneuerbare Energien

Wien setzt auf erneuerbare Energien und ist in vielen Bereichen innovativ. So wird beispielsweise das Wiener Trinkwasser bereits seit 1929 auch zur Erzeugung von Ökostrom genutzt. Mit insgesamt 14 Trinkwasserkraftwerken entlang der beiden Wiener Hochquellenleitungen werden jährlich rund 65 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht in etwa dem Strombedarf einer Stadt mit 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das Kraftwerk Nussdorf reguliert den Wasserstand des Donaukanals und erzeugt Strom für 10.000 Wiener Haushalte. Die ebswien Hauptkläranlage in Simmering ist das jüngste Stück in einer langen Reihe von innovativen Ideen und intelligenter Nutzung erneuerbarer Energiequellen in Wien. Im Ablauf wird Strom erzeugt und durch die Biogasnutzung aus dem Klärschlamm ist die Anlage ab 2020 energieautark.

Wien Energie – der umweltfreundliche Stromlieferant für die Wienerinnen und Wiener

In den nächsten fünf Jahren investiert Wien Energie 460 Millionen Euro in erneuerbare Energielösungen. Bis zum Jahr 2030 wird der städtische Energieversorger den Anteil der Nutzung erneuerbarer Energien auf rund 40 Prozent verdoppeln. Derzeit werden 800.000 Personen mit Naturstrom versorgt, im Jahr 2030 werden es 1,5 Millionen Menschen sein.

Sonnenkraft

Wien Energie betreibt über 60 Photovoltaik-Anlagen in Wien und Niederösterreich, davon 23 BürgerInnen-Solarkraftwerke.

Windkraft

Wien Energie setzt seit Jahrzehnten auf Windkraft und versorgt damit 112.000 Haushalte mit Naturstrom. Mit einer installierten Windkraftleistung von 131 Megawatt und 66 Windrädern kann rein rechnerisch der gesamte 21. Bezirk, Floridsdorf, versorgt werden.

Wasserkraft

Mit einer Jahresproduktion von 668 Gigawattstunden allein im Jahr 2015 versorgt Wien Energie über 267.000 Haushalte mit Strom aus Wasserkraft. Diese zu nutzen, hat in Wien Tradition. Bereits in den Jahren 1912 bis 1914 wurden mehrere kleine Wasserkraftwerke in Wien gebaut.

Das Kraftwerk Opponitz im Ybbstal wurde 1924 in Betrieb genommen und versorgte damals 30 Prozent der Wiener Haushalte mit Strom. Heute sind es 25.000 Haushalte und rund 3 Prozent der Wiener Haushalte. Vor zwei Jahren wurde das Kraftwerk nach Umweltgesichtspunkten modernisiert.

Im Jahr 1998 wurde mit dem Wasserkraftwerk Freudenau weltweit das erste große Fluss-Kraftwerk in einer Millionenstadt eröffnet. Es leistet 172 Megawatt und kann damit rund die Hälfte aller privaten Wiener Haushalte mit Strom versorgen.

Erfolgsmodell BürgerInnen-Beteiligung

Da die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in der Stadt in Mietwohnungen lebt, hat Wien Energie für diese Zielgruppe ein zusätzliches Geschäftsmodell in Form von Bürgerbeteiligungen entwickelt.

Vor vier Jahre wurde das erste BürgerInnen-Solarkraftwerk in Wien-Donaustadt in Betrieb genommen. Wien Energie hat 25 Bürgerkraftwerke realisiert, 23 im Solarbereich, zwei mit Windrädern.

Von Beginn an war das Modell der Bürgerinnen-Beteiligung eine wahre Erfolgsgeschichte. Seither haben über 6.000 Personen haben 27 Millionen Euro investiert.

Die meisten Photovoltaik-Beteiligungsprojekte werden auf einer sale-and-lease-back-Basis realisiert, während die Beteiligung an den Windkraftprojekten auf einem Miteigentumsmodell basiert.

„Uns ist die Beteiligung der Wienerinnen und Wiener ein zentrales Anliegen und das enorme Interesse an unseren bisher 25 Bürgerkraftwerken zeigt, dass der Wiener Bevölkerung eine umweltfreundliche Energieversorgung wichtig ist. Wir werden diesen Weg konsequent weitergehen“, so Sima abschließend.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/pressebilder

Rückfragen & Kontakt:

Anita Voraberger
Mediensprecherin StRin Ulli Sima
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Mobil: 0664 16 58 655
E-Mail: anita.voraberger@wien.gv.at

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