Neues Volksblatt: "Hochseilakt" (von Harald Gruber)

Ausgabe vom 26. April 2016

Linz (OTS) - Der 24. April 2016 wird als Zäsur in die Politikgeschichte Österreichs eingehen. Als Wahltag, an dem die Bevölkerung sämtliche Tabus gebrochen und damit das Nachkriegssystem zum Einsturz gebracht hat. Gerade für die ÖVP wird der schmerzhafte Einschnitt beim Blick auf bisherige Stammwählerschichten klar erkennbar. So sind auf der Landkarte seit Sonntag sämtliche ländlich-landwirtschaftlich geprägten Regionen blau eingefärbt. 37 Prozent der Angestellten, 24 Prozent der öffentlich Bediensteten und 24 Prozent der Selbstständigen haben diesmal Blau gewählt. In den höheren Bildungsschichten wurde die ÖVP auch von Hofer, speziell aber von Van der Bellen und Irmgard Griss deklassiert.
Heißt: es gibt endgültig kein Rettungsnetz mehr aus Familien- oder Berufstradition, aus Scham und Tabu unterhalb einer ÖVP im koalitionären Hochseilakt. Fehler, Fehleinschätzung und personelle Fehlgriffe werden in Form von politischem Liebesentzug gnaden- und anstandslos bestraft. Und zwar längst auch von Kreisen, die sehr nah an der Funktionärsschicht der ÖVP liegen.
Das rot-schwarze Wahldebakel von Sonntag wirft Fragen auf. Fragen an die, die zuletzt sehenden Auges Sacharbeit im kleinkarierten Streit versinken ließen, Stimmungslagen viel zu lange ignoriert haben und dazu auch noch Kernschichten bürokratisch beleidigt haben. Es gibt aber Fragen auch an die, die diesem Treiben und Beschließen so lange nicht Einhalt geboten haben.

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