Schultes: Atomstrom ist einziges Kosten-Desaster für Steuerzahler

Tschernobyl: 4.300 Quadratkilometer Lebensraum dauerhaft zerstört

Wien (OTS) - "Atomstrom ist schlicht unfinanzierbar, wenn man die Risiken und Belastungen berechnet, die derzeit den nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden. Nicht nur, dass die Kosten für eine Endlagerung des Atommülls völlig offen sind, weil es bis zu einer Million Jahre dauert, bis die Radioaktivität auf ein für den Menschen unschädliches Maß gesunken sein wird, auch der Rückbau von alten AKW ist wesentlich teurer als angenommen, wie der Atomkraftausstieg in Deutschland zeigt. Die EU-Kommission schätzt die Kosten für den AKW-Rückbau und die Atommülllagerung in der EU bis zum Jahr 2050 auf mindestens 250 Mrd. Euro, was Experten als viel zu niedrig einstufen. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass Ökostrom aus allen erneuerbaren Energiequellen wesentlich kostengünstiger und sicherer bereitgestellt werden kann. Neben Windkraft und Photovoltaik brauchen wir Biogas- und Biomasse-Anlagen, die das ganze Jahr verlässlich Strom- und Wärme bereitstellen, um den nachhaltigen Umbau unseres Energiesystems zu ermöglichen. Die Absicherung der bestehenden Biogas- und Biomasse-Anlagen im Rahmen des Ökostromregimes ist daher längst überfällig", erklärte LK Österreich-Präsident Hermann Schultes zum 30-Jahr-Gedenken der Atom-Katastrophe von Tschernobyl.

Am 26. April 1986 mussten in Tschernobyl tausende Familien wegen der tödlichen radioaktiven Strahlung ihre Häuser und Wohnungen auf einer Fläche von 4.300 Quadratkilometer verlassen und auf Dauer ihre Heimat aufgeben. Auch die Landwirtschaft ist dort auf hunderttausenden Hektar unmöglich. Das nukleare Sperrgebiet von Tschernobyl entspricht der Gesamtfläche von Wien und dem Burgenland oder der Gesamtfläche von Linz/Wels und dem Mühlviertel oder der Gesamtfläche von Graz und der gesamten Oststeiermark.

Lebensmittelautonomie hat sich bewährt

"Im Jahr 1986 hat sich in Österreich gezeigt, dass die Eigenversorgung der Bevölkerung, vor allem die Versorgung der Kinder mit Babymilch, so organisiert wurde, dass jede Strahlenbelastung der Lebensmittel vermieden werden konnte. Hier wurde klar, wie wichtig eine umfassende Autonomie in der Lebensmittelversorgung ist", so Schultes.

Finanzdesaster aktueller Atomkraftwerksprojekte

Nicht nur die Kosten für den Rückbau alter Atomkraftwerke und für die Atommüllendlager sind unkalkulierbar, auch bei aktuellen Atomkraftwerksprojekten explodieren die Kosten. Zwei besonders negative Beispiele stellen die EdF-Projekte in Finnland (Olkiluoto) und Großbritannien (Hinkley Point) dar. Das in Finnland in Bau befindliche Atomkraftwerk hat inzwischen eine Bauverzögerung von zehn Jahren und eine Verdreifachung der Baukosten von ursprünglich 3 auf nunmehr 9 Mrd. Euro generiert. Über Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe zu diesem desaströsen Projekt wird seit Jahren prozessiert. Trotz massiver Subventionszusagen der britischen Regierung in Form von Kreditgarantien und zugesagten Einspeisetarifen über einen Zeitraum von 35 Jahren von in Summe 170 Mrd. Euro wurde die Bauentscheidung für das AKW-Projekt Hinkley Point wegen der hohen Finanzrisiken abermals verschoben. Vor einiger Zeit ist sogar der Finanzvorstand von EdF aus Protest gegen das Vorhaben zurückgetreten.

Atomkraft in jeder Hinsicht gefährlich

"Wie die Katastrophe von Tschernobyl, aber auch andere Atomunfälle klar zeigen, ist Kernkraft in jeder Hinsicht höchst riskant: Sie gefährdet nicht nur die Sicherheit und Gesundheit der Menschen, sie verursacht auch Kosten, deren Höhe unvorstellbar und deren Dauer unermesslich sind. Dem gegenüber steht die erneuerbare Energie, welche die Umwelt schont, einen Bruchteil kostet und den Menschen hilft", so Schultes.
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