Industrie: Prinzip Hoffnung

IV-GS Neumayer zu aktuellen Konjunkturdaten: Bundeseigener Gegenwind wirkt hemmend auf die Auftriebskräfte – IV-Chefökonom Helmenstein: Zögerliche Frühjahrsbelebung

Wien (OTS) - So turbulent der Jahresauftakt an den internationalen Börsen verlaufen ist, so unberührt davon präsentiert sich das aktuelle Kursniveau. Dazwischen liegt ein Quartal mit weit überdurchschnittlicher Kursvolatilität. Zunächst wurden Rezessionssorgen eingepreist – und seit Mitte Februar wieder ausgepreist. Doch ganz so unverändert, wie es die Finanzmärkte nun zu suggerieren scheinen, fällt der konjunkturelle Befund weder im Blick zurück noch auf Sicht des kommenden Halbjahres aus.

Das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, erholt sich weiter und steigt von +22 Punkten auf +26 Punkte. Dieser Wert liegt zwar oberhalb der Ergebnisse während des gesamten Jahres 2015 und knüpft wieder an den Wert aus demselben Quartal des Jahres 2014 an, doch fällt er nach wie vor deutlich hinter das Niveau der letzten kräftigen Aufschwungsphase der Jahre 2010 und 2011 zurück. Getragen wird der Anstieg ausschließlich von den sich markant aufhellenden Geschäftserwartungen (+15 nach -2 Punkten). Hingegen stellt sich die aktuelle Geschäftslage spürbar schwächer als im Schlussquartal des Vorjahres dar (+36 nach +46 Punkten).

„Die Abkühlung des globalen konjunkturellen Umfeldes schon seit dem Sommer des Vorjahres wirkte neben dem bundeseigenen Gegenwind noch zusätzlich hemmend auf die Auftriebskräfte in Österreich. Im Ergebnis berichtet die absolute Mehrheit der Respondenten von einem lediglich befriedigenden Geschäftsgang, nachdem ihr Anteil gegenüber dem letzten Erhebungstermin um neun Prozentpunkte zugenommen hat“, so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein zu den Resultaten des aktuellen Konjunkturbarometers aus dem 1. Quartal 2016 am heutigen Montag: „Im Blick nach vorne keimt ein Hauch von Frühjahrsoptimismus auf, der jedoch mit harten Fakten erst noch zu unterlegen sein wird.“

Noch keine Wende zum Besseren zeigt die Entwicklung der Gesamtauftragsbestände, deren Saldo abermals, und zwar um 3 Punkte, von +41 Punkten auf +38 Punkte zurückgeht. Zwar erweisen sich die Auftragsbestände noch als überwiegend auskömmlich, um die Produktionskapazitäten weitgehend auszulasten. Auftragsmangel herrscht nur bei jedem sechzehnten Unternehmen. Allerdings entfernt sich der betreffende Wert immer weiter von den für eine normale Aufschwungsphase typischen Niveaus, sodass sich bei schrumpfender Auftragsreichweite die Voraussetzungen für die Vornahme von Erweiterungsinvestitionen weiter eintrüben. In einem präzisen Gleichlauf bildet sich auch die Komponente der Auslandsaufträge von +41 Punkten auf +38 Punkte zurück, sodass keine Lücke mehr zwischen Inlands- und Auslandsdynamik besteht. Die globale Abschwächung konnte durch die anhaltend solide Wachstumsdynamik auf den für Österreich besonders wichtigen deutschen sowie den zentral- und osteuropäischen Märkten somit wettgemacht werden.

Im Einklang mit der schwächeren Auftragslage gestalten die Unternehmen ihre Produktionsplanung für die nächsten Monate weiterhin vorsichtig. Der saisonbereinigte Wert der Produktionstätigkeit auf Sicht eines Quartals verharrt unverändert bei +12 Punkten.

Dennoch nimmt die Einstellungsneigung der Unternehmen angesichts des sich etwas aufhellenden Stimmungsbildes leicht zu. Der Saldo für den Beschäftigtenstand steigt von 4 Punkten auf +12 Punkte, wobei jedes fünfte Unternehmen die Erweiterung seiner Humankapitalbasis plant. Die Sorge vor einer sich verschärfenden Knappheit an Facharbeitern führt hier zu einer (noch) nicht konjunkturkonformen Vorverlagerung von Rekrutierungsaktivitäten, die an sich auf ein höheres Ausstoßniveau ausgerichtet wären.

Unverändert herausfordernd ist die Situation bei den Verkaufspreisen. Hier schlagen sich die international weiterhin vorhandenen Überkapazitäten in einem hohen Preisdruck nieder (Saldo von -9 Punkten nach -8 Punkten im Vorquartal), der zu nach wie vor fallenden Verkaufspreisen für industriell erzeugte Güter führt.

Im Einklang mit einer rohstoffkostenbedingten Entlastung auf der Beschaffungsseite, zugleich aber auch einem unverändert hohen Druck auf die Verkaufspreise bei einer noch befriedigenden Auftragslage verbessert sich die aktuelle Ertragslage etwas (Saldo +19 Punkte nach +16 Punkten). Auf Sicht von sechs Monaten schlägt sich die wachsende Zuversicht der Respondenten in einer leicht verbesserten Ertragserwartung nieder, deren Saldo nach -2 Punkten mit nunmehr +6 Punkten erstmals seit dem Sommer 2015 wieder positives Terrain erreicht.

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode

An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 413 Unternehmen mit rund 249.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung:
den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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