Zwei Drittel der Kinder, die nicht geimpft sind, leben in Konfliktzonen

UNICEF betont im Vorfeld der World Immunization Week von 24. Bis 30. April, dass beinahe zwei Drittel aller Kinder, die noch nie geimpft wurden, in Konfliktgebieten leben.

New York/Genf/Wien (OTS) - Unter den von Konflikten betroffenen Ländern weist der Südsudan die höchste Zahl von nicht geimpften Kindern auf – 61 Prozent der Kinder haben keinerlei Impfungen erhalten. In Somalia sind es 58 Prozent und in Syrien 57 Prozent.

„Konflikte begünstigen den Ausbruch von Krankheiten”, so der Leiter von UNICEF für Schutzimpfungen Robin Nandy. „Durch die zum Teil beabsichtigte Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen gibt es oft keine Möglichkeit Kinder zu impfen. In manchen Fällen ist das Sicherheitsrisiko des Landes so hoch, dass ein Krankenhausbesuch eine zu große Gefahr darstellt.”

Masern, Durchfall, Atemwegserkrankungen und Mangelernährung sind weltweit die Hauptursachen für Sterbefälle von Kindern. In Krisengebieten ist die Zahl der Kinder, die durch diese Symptome sterben, besonders hoch. Üblicherweise stirbt bei einer Masernübertragung weniger als ein Prozent der betroffenen Kinder. In überbevölkerten und zum Teil unterernährten Gebieten, wie zum Beispiel Flüchtlingslagern, kann es bei einer Übertragung von Masern häufig zu einer Sterberate von bis zu 30 Prozent kommen. Menschenanhäufungen und das Fehlen von lebensnotwendigen Gütern wie Essen, Wasser oder Obdach machen Kinder noch anfälliger für Krankheiten.

Ein weiteres Problem für die Gesundheit von Kindern in Konfliktregionen stellen der Verlust von Gesundheitspersonal, wie auch die Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen und medizinischer Infrastruktur dar.

  • Während das Poliovirus in den meisten Teilen der Welt bekämpft wurde, gibt es in den Konfliktregionen Pakistans und Afghanistans immer noch Fälle von Kinderlähmung.
  • Während im Jahr 2010 mehr als 80 Prozent der Kinder in Syrien geimpft wurden, waren es 2014 nur mehr 43 Prozent. 2013 gab es außerdem nach 14 Jahren erstmals wieder vereinzelte Fälle von Kinderlähmung.
  • Allein in diesem Jahr werden bereits über 2000 Fälle von Masern in der demokratischen Republik Kongo befürchtet. 17 Menschen sind dadurch gestorben – die meisten davon waren Kinder unter fünf Jahren.

Die Wichtigkeit von Impfungen in humanitären Notsituationen

Schutzimpfungen, vor allem jene gegen die leicht übertragbaren Masern, spielen eine enorme Rolle in humanitären Notsituationen und sind ein wichtiger Bestandteil von UNICEFs Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Kindern.

  • Eine Impfkampagne in Syrien, mit voraussichtlichem Start am 24. April, hat sich zum Ziel gesetzt, so viele Kinder wie möglich zu impfen. Es ist wichtig vor allem jene Kinder zu erreichen, die in den belagerten und schwer erreichbaren Gebieten leben, weil der Großteil davon noch nie eine Impfung erhalten hat.
  • Trotz der heftigen Auseinandersetzungen konnten UNICEF und seine Partner in diesem Monat Impfkampagnen im Jemen durchführen und somit 2,4 Millionen Kinder gegen Masern und Röteln, wie auch weitere 4,6 Millionen gegen Polio impfen.
  • Im April dieses Jahres wurde in Libyen die erste landesweite Impfkampagne gegen Polio gestartet. Zu Beginn des Monats lieferte UNICEF 1,5 Millionen Impfdosen nach Tripolis.
  • Über 36 Millionen pakistanische Kinder wurden mit Polioimpfungen versorgt, wodurch es seit 2015 zu einem Rückgang von 65 Prozent der Fälle tödlicher Kinderlähmung im Land kam.
  • Zwischen 2014 und 2015 unterstützte UNICEF mehrere Impfkampagnen gegen Masern und konnte dadurch 23 Millionen Kinder im Irak, Syrien und dem Jemen erreichen.

In Notfällen und Konflikten arbeitet UNICEF gemeinsam mit Partnern um Impfstoffe zu liefern, medizinische Versorgung zu gewährleisten und die medizinische Hilfe vor Ort wiederherzustellen. Die ärztliche Hilfe soll besonders in den Bereichen Impfungen, Ernährung, Vitamin A-Ergänzung und der medizinischen Versorgung für Frauen und Kinder gestärkt werden.

Durch Schutzimpfungen in Konfliktgebieten wird auch das allgemeine Gesundheitswesen verbessert. So konnte das medizinische Personal in den Konfliktgebieten im Irak, Syrien und dem Jemen neben den Schutzimpfungen auch medizinische Hilfe gegen Kinderkrankheiten und weitere Bereiche durchführen.

„Kinder in Konfliktgebieten sind in einer Abwärtsspirale gefangen, wodurch sie nicht nur ihrer Gesundheit, sondern im weiteren Sinn auch ihrer Zukunft beraubt werden. Durch Schutzimpfungen kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden”, sagt Nandy. „Immunisierung ist ein lebenswichtiger Bereich, der von allen Konfliktparteien geschützt und beachtet werden muss.”

Fotos und Videos stehen Redaktionen zum kostenlosen Download zur Verfügung: http://weshare.unicef.org/mediaresources bzw. http://uni.cf/1rlEfgu

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