Größte Gefahr lauert zu Hause - Kinderunfälle: So beugen Sie vor, so helfen Sie richtig!

Wien (OTS) - Kinder leben in Österreich relativ sicher. Im Vergleich zum Musterland Schweden gibt es aber noch einigen Aufholbedarf. Die Rate tödlicher Kinderunfälle liegt dort noch deutlich unter der in Österreich. Dabei könnten einfache Maßnahmen helfen Unfälle zu vermeiden. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des österreichischen Versicherungsverbandes VVO zeigten Experten des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und des Roten Kreuzes häufige Unfallursachen und Vermeidungsstrategien auf.

In den letzten Jahren stagnieren die Unfallzahlen von verletzten und getöteten Kindern in Österreich auf hohem Niveau: Mehr als 450 Kinder müssen in Österreich im Durchschnitt täglich im Krankenhaus, mit teils schweren Verletzungen, behandelt werden. „Im EU-Vergleich rangiert Österreich in Bezug auf Kindersicherheit an achter Stelle. Gäbe es in Österreich das gleiche Sicherheitsniveau für Kinder wie in Schweden, könnte jedes zweite, im Jahr 2015 tödlich verunglückte, Kind noch leben“, erklärt Prof. Elisabeth Stadler, Leiterin der Vienna-Insurance-Group und Vizepräsidentin des Roten Kreuzes. „Gefahren für Kinder zu erkennen und ein Bewusstsein für ihre Bedürfnisse in Österreich zu schaffen, ist der erste und wichtigste Schritt, um Unfälle zu verhindern“, so Stadler.

KFV erwartet im Mai mehr als 10.000 Kinderunfälle

"Kinderunfälle sind nicht einfach schicksalhafte Zufälle. Die meisten sind vermeidbar", sagt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV).
Ein Computerspiel soll nun zur Sensibilisierung der Bevölkerung beitragen: Dabei kann jeder in die Rolle eines Kindes schlüpfen. Leicht zu übersehende Gefahrenquellen werden dem User in einer interaktiven PC-Simulation direkt vor Augen geführt.

KFV-Computersimulation zeigt "Kardinalfehler"

Es liegt in unserer Natur. Zu Hause fühlen wir uns nämlich am sichersten. Dabei ist gerade dies in Bezug auf Kindersicherheit das Hauptproblem. Fast die Hälfte (46 %) aller Unfälle von Kindern unter 5 Jahren passieren in den eigenen vier Wänden, weitere 22 Prozent in der unmittelbaren Wohnumgebung. Nur 5 Prozent – also nur jeder 20. Kinderunfall in diesem Alter – geschehen auf einer öffentlichen Verkehrsfläche, die wir immer als Gefahrenquelle wahrnehmen. "Genau aus diesem Grund setzt unser interaktives Sicherheitsspiel -erreichbar unter www.bewusst-sicher-zuhause.at - in den eigenen vier Wänden an: zu Hause steckt nicht nur das größte Unfallpotenzial, sondern dort gibt es auch die meisten Möglichkeiten zur Unfallprävention", erklärt Thann. Einfache Präventionsmaßnahmen wie Fenstersperren, Stockbettsicherungen, Treppenschutzgitter oder Herdgitter schützen effektiv.

Häufige Unfallursachen: Stürze, Ertrinken und Vergiftungen

Für Kinder können die banalsten Alltagsgegenstände zur tödlichen Gefahr werden.
Das Putzmittel, das Mama immer benutzt – mit dem will man auch spielen. Die lustigen bunten Pillen, die Oma immer schluckt – die will man auch kosten...

Wer einen Pool oder ein Biotop im Garten hat, sollte diesen absichern. Denn mit Mama und Papa hatten die Kinder noch riesigen Spaß. Dass Mama und Papa dabei aber für die Sicherheit sorgten, wissen die Kleinen nicht. Sie wollen einfach nur wieder im Wasser spielen. Doch Vorsicht: Selbst bei einer Wassertiefe von wenigen Zentimetern können Kinder bereits lautlos ertrinken.

Nicht nur die Todesgefahren gilt es für Eltern zu Hause zu sichern. Wohnzimmer, Küche, Bad – überall lauern für Kinder Gefahrenquellen. Kleine Verletzungen gehören zum Aufwachsen und zur Entwicklung der Kinder. Wichtig ist es, schwerste Verletzungen mit teils bleibenden Schäden zu verhindern.

So beugen Sie Kinderunfällen zu Hause vor

Wohnzimmer:

  • Teppiche mit Anti-Rutsch-Streifen rutschsicher machen
  • Möbelkanten mit Kantenschutz sichern
  • Regale mit Kippschutz montieren
  • Schubladen und Schränke mit Sperren versehen
  • Türstopper bzw. -bremse schützen vor eingeklemmten Fingern
  • Kinder nehmen große Glasflächen (Türen etc.) nicht wahr – markieren Sie sie

Stürze:

  • Fenster und Balkontüren mit Fenstersperren versehen
  • Aufstiegsmöglichkeiten im Bereich von Balkonen und Fenstern entfernen
  • Treppenschutzgitter an allen Treppen im Wohnbereich montieren
  • Lauflernhilfen nicht verwenden, sie bergen großes Sturzrisiko

Baden:

  • Stabile Kinderbadewanne mit rutschsicherer Einlage
  • Wassertemperatur mit Thermometer und Unterarm prüfen (38°C)
  • Thermostat zur Temperaturbegrenzung einbauen, um Verbrühungen zu verhindern
  • Frei bewegliche elektrische Geräte wie Föhn oder Rasierapparat während des Badens wegräumen

Ertrinken:

  • Lassen Sie Ihr Kind nie unbeaufsichtigt in der Nähe von offenem Wasser (z.B. Schwimmbecken, Biotop)
  • Kinder können bereits bei einer Wassertiefe von wenigen Zentimetern lautlos ertrinken
  • Offenes Wasser immer mit Abdeckungen oder einem Gitter absichern
  • Lassen Sie Ihr Kind nie unbeaufsichtigt in der Badewanne

Küche:

  • Herdschutzgitter verwenden
  • Schalterabdeckung für Drehknöpfe am Herd montieren
  • Auf hinteren Platten kochen
  • Stiele der Pfannen nach hinten drehen

Vergiftungen, Verbrennungen:

  • Medikamente gesichert aufbewahren (z.B. absperrbarer Schrank)
  • Putzmittel außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren
  • Vorsicht bei offenem Feuer (Kerzen) und elektrischen Geräten (Wasserkocher, Bügeleisen)
  • Auf Tischtücher verzichten oder Tischtuchhalter verwenden
  • Montage eines Rauchmelders: er gibt sofort Alarm, bevor sich ein Brand ausbreiten kann. Montieren Sie einen Rauchmelder vor allem im Kinderzimmer.

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Box 1: Zahlen und Fakten zum Thema Kinderunfälle (Kinder unter 15 Jahren)

  • 455 Kinder pro Tag müssen in Österreich nach Unfällen ins Spital (alle 3 Minuten)
  • Insgesamt verunfallen rund 167.100 Kinder (2014) unter 15 Jahren so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen
  • Etwa alle 2 Wochen endet ein Kinderunfall tödlich
  • Rund 40 Prozent aller Kinderunfälle passieren in der Wohnung und der näheren Wohnumgebung
  • Weniger als 10 Prozent aller Kinderunfälle passieren auf öffentlichen Verkehrsflächen
  • 20 Prozent aller Kinderunfälle passieren im Kindergarten und in der Schule
  • Bis zu 60 Prozent dieser Unfälle wären leicht vermeidbar

Box 2: Lebensrettende Sofortmaßnahmen bei Kinderunfällen

  • Wenn nötig: Bringen Sie das Kind aus der Gefahrenzone.
  • Starke Blutungen stillen: Drücken Sie auf die Wunde, um den Blutverlust möglichst gering zu halten.
  • Atemwege frei halten: Bei bewusstlosen Kindern in Rückenlage droht Erstickungsgefahr. Bringen Sie das Kind in die Seitenlage.
  • Bei verschluckten Gegenständen: Kind in eine Kopftieflage bringen und fünfmal auf den Rücken schlagen (zwischen den Schulterblättern). Bleibt dies erfolglos, wird in der Ersten Hilfe ab dem 1. Lebensjahr auch die Durchführung des Heimlich-Handgriffs (fünfmal) empfohlen: Bis die Atemwege wieder frei sind, abwechselnd fünfmal festes Klopfen zwischen die Schulterblätter und fünfmal den Heimlich-Handgriff durchführen.
  • Bei Atem-Kreislauf-Stillstand sind Wiederbelebungsmaßnahmen zu ergreifen.
  • Das Wichtigste: Setzen Sie einen Notruf ab! (Rettung: 144, Polizei: 133, Feuerwehr: 122, Vergiftungszentrale: 01 406 43 43, Euro Notruf: 112)

Aktiv gegen Kinderunfälle:

  • Erste-Hilfe-Kindernotfallkurs beim Roten Kreuz besuchen!
  • Interaktives Kindersicherheitshaus unter www.bewusst-sicher zuhause.at besuchen!
  • Infoplattform zum Thema Kinderunfälle: www.visionzero.at besuchen!

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7612

Rückfragen & Kontakt:

VVO Versicherungsverband Österreich
Mag. Dagmar STRAIF
T.: 01/711 56-289
F.: 01/711 56-270
dagmar.straif@vvo.at
www.vvo.at

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