„Universum History“ und „Menschen & Mächte spezial“ erinnern an den 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

„Das Tschernobyl-Vermächtnis“ und „Strahlende Tage“ am 22. April in ORF 2

Wien (OTS) - Am 26. April 1986 – vor 30 Jahren – ereignete sich die bis heute größte Nuklearkatastrophe der Geschichte: der Super-GAU im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl. Der ORF widmet sich in der Woche des 30. Jahrestages des Reaktorunglücks in zahlreichen Sendungen in Fernsehen, Radio und Online der Katastrophe und ihren Folgen (Details unter http://presse.ORF.at): Den TV-Auftakt machen am Freitag, dem 22. April 2016, die „Universum History“-Dokumentation „Das Tschernobyl-Vermächtnis“, die um 22.45 Uhr in ORF 2 einen seltenen Einblick in den innersten Kreis des sowjetischen Krisenmanagements gewährt, und danach die „Menschen & Mächte spezial“-Dokumentation „Strahlende Tage“, die um 23.30 Uhr den Ablauf der Ereignisse in Österreich ab dem 26. April 1986 minutiös nachzeichnet.

„Universum History: Das Tschernobyl-Vermächtnis“ – Freitag, 22. April, 22.45 Uhr, ORF 2 / Montag, 25. April, 15.20 Uhr, ORF III

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verseuchte ganze Landstriche, Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser für immer verlassen. Waleri Legassow, der Chef der von Moskau eingesetzten Tschernobyl-Untersuchungskommission, nahm sich zwei Jahre nach der Katastrophe das Leben. Doch unmittelbar davor hat er mehrere Tonbänder mit sensiblen Details zum Umgang mit der Katastrophe aufgenommen. Die neue „Universum History“ Spieldokumentation „Das Tschernobyl-Vermächtnis“ von Tetyana und Alexander Detig beleuchtet diese brisanten Tonbandaufnahmen und gewährt einen seltenen Blick in den innersten Kreis des sowjetischen Krisenmanagements.

Rückblende: Am 26. April 1986 zerreißt eine schwere Explosion das riesige Kraftwerksgebäude des vierten Blocks von Tschernobyl. Die Folgen sind verheerend – und bis nach Österreich zu spüren. Wien ist mehr als 1.000 Kilometer vom Unglücksreaktor entfernt, aber auch die Alpenrepublik ist von der ausgetretenen Strahlung bedroht. Informationen aus der Sowjetunion über das wahre Ausmaß der Katastrophe sickern nur langsam durch. Erst zwei Tage nach dem Super-GAU kann der damalige ORF-Korrespondent in Moskau, Franz Kössler, über den Hergang berichten. Die Nachrichten sind spärlich, Kössler liegt bei seinem ersten TV-Auftritt zu Tschernobyl nur ein kurzes offizielles Kommuniqué vor, das er vorlesen kann. Die ORF-Fernsehbilder der Tage rund um den 1. Mai 1986 bleiben bis heute im kollektiven Gedächtnis: Zollbeamte mit Geigerzählern, Gesundheitsminister Franz Kreuzer vor den Mikrofonen der Presse, leere Schulhöfe, Salatberge, die entsorgt werden müssen, Sandkisten, die von Baggern geleert werden.

In der Sowjetunion ist nach der Katastrophe eine Untersuchungskommission mit der Aufarbeitung des Unfalls betraut. Hochrangige Wissenschafter arbeiten mehrere Monate lang an einem umfassenden Bericht. An der Spitze dieser Forschergruppe steht Waleri Legassow, ein renommierter Chemiker, seit Anfang der 1980er Jahre Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Ende August 1986 kommt Legassow nach Wien, bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) stellt er die Untersuchungsergebnisse der Kommission vor. Es geht um die Ursachen, den Hergang und die Folgen der Katastrophe. Die IAEO selbst wird den Bericht später als wahrheitsgetreu würdigen.

Doch die ganze Wahrheit kommt erst später ans Licht: Erst das Tonbandvermächtnis Legassows ermöglicht eine Aufklärung der für ihn wahren Schuldigen. „Das Tschernobyl-Vermächtnis“ rückt die Aussagen Lagassows nun erstmals in den Fokus. Daneben zeigt die „Universum History“- Spieldokumentation die Schilderungen von Alexey Breuss, einem Augenzeugen, der 1986 als Ingenieur im Unglücksblock 4 beschäftigt war, oder des deutschen Physikers und Bürgerrechtlers Sebastian Pflugbeil.

Das Unglück verseuchte ganze Landstriche, Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser für immer verlassen. Waleri Legassow, der Chef der von Moskau eingesetzten Tschernobyl-Untersuchungskommission, nahm sich zwei Jahre nach der Katastrophe das Leben. Doch unmittelbar davor hat er mehrere Tonbänder mit sensiblen Details zum Umgang mit der Katastrophe aufgenommen. „Universum History“ beleuchtet diese brisanten Tonbandaufnahmen und gewährt einen seltenen Blick in den innersten Kreis des sowjetischen Krisenmanagements.

„Menschen & Mächte spezial: Strahlende Tage“ – Freitag, 22. April, 23.30 Uhr, ORF 2 / Samstag, 30. April, 20.15 Uhr, ORF III

Im April 1986 kam es im sowjetischen Reaktorzentrum von Tschernobyl zur bisher folgenschwersten Nuklearkatastrophe. Die radioaktiven Wolken aus der Ukraine wurden in den Westen und Süden getrieben. Erhöhte Strahlung war in ganz Europa und auch in manchen Teilen Österreichs zu messen. Die „Menschen & Mächte spezial“-Dokumentation „Strahlende Tage“ von Peter Liska und Gerhard Jelinek zeichnet den Ablauf der Ereignisse in Österreich ab dem 26. April 1986 minutiös nach, beschreibt die politischen Entscheidungen und lässt Entscheidungsträger zu Wort kommen. Befürchtungen von damals werden den realen Entwicklungen gegenübergestellt. Welche gesundheitlichen Auswirkungen hatte der Super-GAU, wie stark waren Landschaft, Nahrungsmittel und Menschen kontaminiert? Wie geht es den damals geborenen Kindern nach 30 Jahren?

Der Film beschreibt die politischen Entscheidungen, lässt Entscheidungsträger – vom damaligen Gesundheitsminister Franz Kreuzer über den späteren Bundeskanzler Franz Vranitzky, Vizekanzler Norbert Steger bis zur grünen Präsidentschaftskandidatin Freda Meissner-Blau – zu Wort kommen. Unmittelbar Betroffene wie der Chef-Liquidator von Tschernobyl, Iouli Andreev, und Journalisten – vom ehemaligen TV-Wetterexperten Carl Michael Belcredi bis zum damaligen Moskau-Korrespondenten des ORF, Franz Kössler – erzählen ihre persönlichen Erfahrungen nach der Reaktorkatastrophe. Die politischen Kontroversen der Zeit sind auch drei Jahrzehnte nach dem Ereignis nicht abgeklungen. War es tatsächlich unverantwortlich, Hunderttausende Menschen an den traditionellen Mai-Aufmärschen teilnehmen zu lassen? Wäre es umgekehrt nicht verantwortungslos gewesen, Millionen Österreichern am 1. Mai Hausverbot zu erteilen? Hätte das zur Panikreaktion geführt?

Die politische Bewertung der Katastrophe von Tschernobyl ist auch heute noch umstritten, so wie unmittelbar nach dem Ereignis in der damaligen Sowjetunion. Zu Wort kommen in der Dokumentation auch Menschen, die sich direkt von den „strahlenden Tagen“ betroffen fühlten: Eine Schafbäuerin erzählt von den wirtschaftlichen Konsequenzen der Ereignisse, eine damals schwangere Frau berichtete von ihren Gewissensnöten und ihren Überlegungen abzutreiben. Sie ist heute Mutter von gesunden Zwillingen. Frischmilch wurde weggeleert, Babymilch aus Holland importiert, Menschen ließen ihre Gärten umgraben und die Erde austauschen. Die Angst vor einer unsichtbaren Gefahr durch Strahlung war allgegenwärtig.

Wissenschafter des Forschungszentrums Seibersdorf bewerten die Ängste und Prognosen und analysieren im Abstand von 30 Jahren die tatsächlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe. Befürchtungen werden den realen Entwicklungen gegenübergestellt: Welche gesundheitlichen Auswirkungen hatte der Super-GAU tatsächlich, wie stark waren Landschaft, Nahrungsmittel und Menschen kontaminiert? Und wie schmeckt der Weinjahrgang 1986? Ist eine radioaktive Verunreinigung messbar?

„Strahlende Tage“ begleitet den Risikoforscher Kromp zum stillgelegten Kernkraftwerk Greifswald an die Ostseeküste. Der Atommeiler wird in mühsamer Arbeit zerlegt und seine strahlenden Teile werden entsorgt. Ist das die Zukunft vieler Hunderter Kraftwerke? Der Kommandant der Bundesheer-Einheit, Norbert Fürstenhofer, der damals die Grenzen sicherte und Maßnahmen zur Strahlenmessung und Kontaminierung durchführte, legt Heeresbefehle offen und berichtet über Improvisation als Handlungsanleitung.

Die Dokumentationen sind nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und werden auch als Live-Stream angeboten.

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