„Neue EU-Schikanen für Wirte“ – falsche Darstellung in der „Kronenzeitung“

Wien (OTS) - Die Schlagzeile auf der Titelseite „Neue EU-Schikanen für unsere Wirte“ sowie der dazugehörende Artikel „Neue-EU Schikane für unsere Wirte: Jetzt werden Kalorien gezählt!“, veröffentlicht in der „Kronen Zeitung“ vom 13.11.2015, verstoßen laut Senat 2 des Presserats gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Artikel wird berichtet, dass als „neue EU-Schikane“ mit dem Jahreswechsel 2015/2016 alle Speisen in Lokalen wie Fertigprodukte in Supermärkten behandelt und deren Nährwerte auf der Speisekarte deklariert werden müssten. Außerdem wird die Meinung eines Wirtes gebracht, wonach bei den Wirten eine absolute Umstrukturierung im Gang sei und die Lebensmittelindustrie ihre Fertigprodukte auftischen wolle.

Der Senat hält fest, dass im Artikel falsche Informationen wiedergegeben werden: Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) beinhaltet zwar eine verpflichtende Nährwertdeklaration, diese betrifft aber lediglich verpackte Lebensmittel und gilt auch erst ab dem 13.12.2016. Die LMIV kann im Internet abgerufen werden; eine angemessene Recherche wäre dementsprechend einfach gewesen. Auf die Gastwirte wirkt sich die Verordnung nicht aus. Laut Auskunft des Bundesministeriums für Gesundheit sind in Österreich auch keine nationalen Vorschriften für eine verpflichtende Nährwertinformation für unverpackte Lebensmittel geplant.

Demzufolge ist auch die Schlagzeile auf der Titelseite „Neue EU-Schikanen für unsere Wirte“ falsch.

Artikel und Schlagzeile verstoßen somit gegen Punkt 2.1 des Ehrenkodex für die österreichische Presse, wonach Gewissenhaftigkeit und Korrektheit in Recherche und Wiedergabe von Nachrichten oberste Verpflichtung für Journalistinnen und Journalisten sind.

Der Senat forderte die Medieninhaberin der „Kronenzeitung“ auf, die vorliegende Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

Im vorliegenden Fall hat der Senat 2 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durchgeführt (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob ein Artikel den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin der „Kronenzeitung“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, nicht Gebrauch gemacht.

Bisher hat sich die Medieninhaberin der „Kronenzeitung“ der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats nicht unterworfen.

Rückfragen & Kontakt:

Andreas Koller, Sprecher des Senats 2, Tel.: 01-53153-830

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OPR0001