Gewerkschaft: Wirtschaftskammer bremst LKW-KV-Verhandlungen aus

vida-Delfs: „Ungeheuerlicher Anschlag“ auf die Löhne von 70.000 Beschäftigten – Fachverband wird zunehmend „Schutzmacht schwarzer Branchenschafe“

Wien (OTS) - „Die Arbeitgeber haben die Kollektivvertragsverhandlungen für die über 70.000 LKW-FahrerInnen mit einem ungeheuerlichen Anschlag auf die Löhne der Beschäftigten ausgebremst“, ist Karl Delfs, Sekretär für den Fachbereich Straße in der Gewerkschaft vida, empört. „Das Verhandlungsteam der Wirtschaftskammer hat den unverschämten Versuch unternommen, die FahrerInnen um bis zu 500 Euro Lohn pro Monat zu erleichtern“, so Delfs. „Durch die Hintertür“ hätten sich die Arbeitgeber über einseitige Änderungen in den KV-Bestimmungen vor dem Entlohnen von Zeiten, in denen sich die Beschäftigten nicht unbedingt auf ihrem Arbeitsplatz, konkret am LKW, aufhalten müssen, aus der Verantwortung stehlen wollen. Dabei handle es sich u. a. um Zeiten für die LKW-Be-und Entladung, Grenzwartezeiten oder Wartezeiten bei Fahrverboten. „Auf solche Zeiten haben die FahrerInnen keinen Einfluss. Es kann deshalb nicht sein, dass sich die Arbeitgeber hier, um Kosten zu sparen, an den schwächsten Gliedern in der Kette abputzen“, kritisiert der vida-Gewerkschafter.++++

Seitens der Gewerkschaft könne man keine Vorschläge und schon gar keine KV-Vereinbarung akzeptieren, die den Beschäftigten einerseits 25 Euro an Lohnerhöhung brächten, sie andererseits durch rahmenrechtliche Änderungen aber um hunderte Euro im Monat bringen würde, so Delfs. „Wir haben von Dezember bis Anfang April mit dem Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer verhandelt. Derartige Provokationen haben wir satt. Es ist mangelnde Verhandlungskultur, wenn die Arbeitgeberseite meint, wenn es im KV die betreffende Passage mit der Möglichkeit zur Lohnkürzung nicht gibt, dann wird sie einem KV-Abschluss nicht zustimmen. Wir werden uns sicherlich nicht erpressen lassen“, bekräftigt Delfs.

Der für das Güterbeförderungsgewerbe zuständige Fachverband in der Wirtschaftskammer habe in den Verhandlungen „zudem den Versuch unternommen, sich als ‚Schutzmacht‘ einiger unseriöser Transportunternehmer zu etablieren“, kritisiert Delfs weiter. „Die Zahl der schwarzen Schafe unter den Frächtern, die von der Sozialversicherung zu hohen Beitragsnachzahlungen verdonnert wurden, soll dem Vernehmen nach im Steigen begriffen sein. Es geht hier um hunderttausende Euro“, sagt der vida-Gewerkschafter. Ob zu den offenen Sozialversicherungsbeiträgen aber auch die dazugehörigen Löhne an die Beschäftigten ausbezahlt wurden, sei äußerst fraglich. Der volkswirtschaftliche Schaden könnte deshalb noch weit größere Dimensionen annehmen. Die Gewerkschaft rät deshalb den Beschäftigten, auf alle Fälle ihre Lohnabrechnungen dringend prüfen zu lassen.

„Es ist auch kaum mehr zu überhören und zu überlesen, dass bei fast jedem größeren Frächterskandal in Europa immer wieder die Namen österreichischer Transportunternehmen fallen“, verweist Delfs auf die aktuelle Reportage des deutschen Magazins „Der Spiegel“. Der Spiegel-Bericht habe einmal mehr aufgezeigt, welche Lohn- und Sozialdumping-Grausamkeiten Tochterfirmen österreichischer Transportunternehmen in südosteuropäischen Billiglohnländern ihren Beschäftigten zumuten würden. „Das aktuelle Verhalten der Wirtschaftkammerverhandler für das Güterbeförderungsgewerbe steht derartigen rein profitorientierten Denk- und Handlungsweisen auf dem Rücken der Beschäftigten kaum mehr in irgendetwas nach“, kritisiert Delfs.

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