• 13.04.2016, 11:00:01
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Evaluierung des Programms der ländlichen Entwicklung 2007/2013

Wien (OTS) - Die EU-Agrarpolitik strebt neben der Stabilisierung der
Agrarmärkte eine Steigerung von Wertschöpfung, Beschäftigung, Umwelt-
und Lebensqualität in den Mitgliedsländern an. Dazu dient die "zweite
Säule" der Gemeinsamen Agrarpolitik, das Programm der ländlichen
Entwicklung. In der Förderperiode 2007/2013 wurden dazu in Österreich
pro Jahr 1,1 Mrd. € an Fördermitteln eingesetzt. Diese Mittel wurden
zu 52% von der EU finanziert und durch Beiträge von Bund und Ländern
ergänzt. Zu den Begünstigten zählten vor allem die Landwirtschaft und
die Forstwirtschaft. Darüber hinaus wurden Unternehmen und
Gewerbebetriebe in der biobasierten Wertschöpfungskette und regionale
Initiativen der ländlichen Bevölkerung gefördert.

Wie Modellberechnungen zeigen, betrug die durch die Förderungen
ausgelöste Wertschöpfung 1,6 Mrd. €; damit waren 30.300
Beschäftigungsverhältnisse verbunden. Die erwünschten Zuwächse
beschränkten sich nicht nur auf ländliche Gebiete. Wachstum und
Beschäftigung wurden auch in urbanen Regionen signifikant gestärkt.
Insgesamt bewirkte das Programm in den angestrebten Zieldimensionen
Verbesserungen und trug zu günstigen Entwicklungen in der gesamten
Volkswirtschaft bei.

Das österreichische Programm der ländlichen Entwicklung 2007/2013
(LE 07-13) zählt zu den wichtigsten in der Europäischen Union:
Annähernd 4% der gesamten von der EU für die zweite Säule der
Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vorgesehenen Mittel wurden dafür
verwendet, während der Anteil der österreichischen Landwirtschaft am
Produktionswert des EU-Agrarsektors weniger als 1,5% ausmacht.

Neben der Erhaltung und Verbesserung des Umweltzustandes (70% der
Förderungen) zählten die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit (15%)
und die Erhöhung der Lebensqualität (10%) zu den Kernzielen. Bewertet
wurden die Auswirkungen des Programmes anhand der Entwicklung von
Wertschöpfung, Beschäftigung, Arbeitsproduktivität, Stickstoffbilanz,
Biomasseproduktion und Lebensqualität. Da das Programm LE 07-13 sehr
detailliert war und viele Bereiche berührte, können nicht alle
genannten Auswirkungen mit derselben Methode bestimmt werden. In
Kooperation mit der Universität für Bodenkultur Wien setzte das WIFO
daher in der Analyse verschiedene Modellzugänge ein. Die
gesamtwirtschaftlichen Effekte der durchschnittlichen Förderungen von
1,1 Mrd. € pro Jahr waren demnach folgende:

- Der Effekt auf die Bruttowertschöpfung betrug +1,6 Mrd. €.

- Damit standen 30.300 Beschäftigungsverhältnisse in Verbindung;
dies entsprach 25.600 Vollzeitäquivalenten. Davon entfielen 6.700
Beschäftigungsverhältnisse auf die Landwirtschaft (4.900
Vollzeitarbeitskräfte).

Berücksichtigt man in der Modellanalyse auch jene Mittel, die über
die EU-Mittel hinaus von den Begünstigten des Programmes aufgebracht
wurden, waren die Auswirkungen um annähernd 50% höher.

Ohne das Programm wären die Stickstoffüberschüsse der
Landwirtschaft um 16% und die Treibhausgasemissionen um 3% höher
gewesen; um 11% mehr landwirtschaftlich genutzte Fläche wäre aus der
Produktion genommen worden.

Das Programm steht in vorteilhafter Verbindung zu Faktoren, die
für die Lebensqualität wichtig sind, wie Arbeitslosigkeit,
Einkommenshöhe und Einkommensverteilung. Die diesbezüglichen
Auswertungen nach Gemeinden liefern aber zum Teil widersprüchliche
Befunde: Die Vermutung, dass Gemeinden mit höherem Fördervolumen eine
stärkere Zunahme der Bevölkerung aufgewiesen hätten, wurde nicht
bestätigt. Durch das Programm der ländlichen Entwicklung nahm aber
die Beschäftigung außerhalb der Land- und Forstwirtschaft zu. Die
Produktivität der Wirtschaftsstruktur verbesserte sich, die
Arbeitslosigkeit wurde abgeschwächt und die Einkommensunterschiede
zwischen Männern und Frauen wurden etwas verringert. Da durch das
Programm die Beschäftigung im Agrarsektor höher war als ohne die
Förderungen, standen diese Arbeitskräfte der lokalen Wirtschaft nicht
zur Verfügung. Dennoch wurden die wirtschaftlichen Aktivitäten
stimuliert, wie das höhere Kommunalsteueraufkommen zeigt.

Aufgrund des Umfanges und der Komplexität des Programmes konnten
in der vorliegenden Untersuchung nicht alle Einzeleffekte
berücksichtigt werden. So kommt die Verbesserung der Umweltqualität
oder die Verringerung der Umweltbelastung in der Bruttowertschöpfung
nicht zum Ausdruck.

Ungeachtet dieser Einschränkungen zeigt die Analyse der
Programmwirkung aus verschiedenen Betrachtungswinkeln mit
unterschiedlichen Methoden, dass das Programm LE 07-13 wichtige
Programmziele erreicht und zu einer Verbesserung der
Lebensbedingungen von vielen Menschen beigetragen hat. Davon
profitierten nicht nur jene, an die Förderungen ausgezahlt wurden,
sondern auch andere Akteure in der österreichischen Volkswirtschaft.

Publikationshinweis:
Franz Sinabell, Dieter Pennerstorfer, Gerhard Streicher (WIFO),
Mathias Kirchner (BOKU), Wirkungen des Programms der Ländlichen
Entwicklung 2007/2013 in Österreich auf den Agrarsektor, die
Volkswirtschaft und ausgewählte Bereiche der Lebensqualität (März
2016, 72 Seiten, 60 €, kostenloser Download:
http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/58759)

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