Über Nacht erwachsen?

Der DÖJ und der Fonds Gesundes Österreich starten Pilotprojekt zur Gesundheitsförderung für junge Erwachsene, die von der öffentlichen Jugendhilfe mit 18 nicht mehr unterstützt werden.

Österreich (OTS) - Während junge Menschen heute durchschnittlich erst mit 24 Jahren aus dem Elternhaus ausziehen, wird bei solchen, denen die österreichische Jugendhilfe ihre Familie ersetzt, die Betreuung mit 18 Jahren abgebrochen. Nur in seltenen Ausnahmefällen kann die Unterstützung bis zum 21. Lebensjahr fortgesetzt werden. Vielen MitarbeiterInnen in den Wohngemeinschaften der Jugendhilfe fällt es schwer, wenn sie mit diesen jungen Menschen nur noch ehrenamtlich in Kontakt bleiben dürfen. Insbesondere, weil sie sehen, dass Careleaver auf Grund ihrer schwierigen Familiengeschichte eher einen längeren als einen kürzeren Beistand nötig hätten.

Der Dachverband Österreichischer Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ) hat in der Gesundheitsförderung, die eine langfristige Perspektive einnimmt, einen Partner gefunden, um die Careleaver – wie diese Gruppe Jugendlicher heute allgemein genannt werden - trotzdem professionell unterstützen zu können. Ziel des Projektes „Welcome to Life“ ist es, gesundheitsschädigenden Faktoren entgegen zu wirken. Zukünftige Careleaver sollen auf ihre bevorstehende Selbständigkeit besser vorbereitet werden aber auch Jugendliche, die bereits der Jugendhilfe entwachsen sind, erneut ihren Bedürfnissen entsprechend unterstützt werden. Wichtiges Instrument ist hier die soziale Vernetzung der Jugendlichen untereinander, um so auch Erfahrungen zu teilen. Wie eine große Studie zeigt, beeinträchtigt fehlende soziale Vernetzung die Gesundheit und die Lebenserwartung stärker als Übergewicht oder das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag. Auch Armut verbunden mit existentiellem Stress, mangelhaftem Zugang zu öffentlichen Unterstützungsleistung und fehlende Zuversicht, das Leben in den Griff zu bekommen sind für die Gesundheit mindestens so wichtig wie gesunde Ernährung und genügend Bewegung.

Der Zugang zu jenen Menschen, die in prekären sozialen und ökonomischen Verhältnissen leben, liegt dem Fonds Gesundes Österreich besonders am Herzen. In der Jugendhilfe trifft er junge Menschen mit noch langer Zukunft, die in Bezug auf Gesundheit auf Grund ihrer Biographie besonders vulnerabel sind.

Initiiert wurde das Projekt vom DÖJ gemeinsam mit dem Fonds Gesundes Österreich, der mit € 320.000.- zwei Drittel der Projektkosten – und somit die langfristigen Gesundheitsperspektiven der Jugendlichen -fördert. 18 Jugendhilfeeinrichtungen aus den Bundesländern Wien, Kärnten, Vorarlberg und Tirol nehmen am Projekt teil. Der Wiener Gesundheitsförderungsfonds, das Land Tirol, der Vorarlberger Gesundheitsförderungsfonds und ein Fonds der Diakonie in Kärnten finanzieren gemeinsam weitere € 160.000.- der Projektkosten.

Hubert Löffler als Geschäftsführer des DÖJ hofft im Zuge des Projektes Vorschläge entwickeln zu können, wie die Abschlussphase einer Fremdunterbringung in der österreichischen Jugendhilfe effektiver, fachlich qualifizierter und auch menschlicher gestaltet werden könnte. „Effektiver, indem durch einen verbesserten Übergang die hohen bisher getätigten Aufwendungen durch eine relativ kleine, zusätzliche Investition abgesichert werden könnten. Fachlich qualifizierter, indem der klar vorliegende neueste Stand der Wissenschaft zur Situation der Jugend heute Berücksichtigung fände und menschlicher, weil die Chancengerechtigkeit für diese ohnehin schon schwer getroffenen jungen Menschen erhöht würde.“

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Dr. Hubert Löffler
GF DÖJ
loeffler.hubert@outlook.com
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