Ziesel beim Heeresspital - Das Töten beginnt

Die ersten Baumaschinen rollen trotz Protesten und Einwänden der EU an. WTV-Präsidentin Petrovic: „In Wien ist Geld wichtiger als Leben“.

Vösendorf (OTS) - Alarm am Zieselfeld: Wie am Montagvormittag bekannt wurde, haben auf dem Areal beim Wiener Heeresspital, wo sich eines der letzten großen Vorkommen der streng geschützten Ziesel in Europa befindet und welches einem Mega-Wohnbauprojekt weichen muss, bereits die Baumaschinen mit dem Vernichtungswerk begonnen. Trotz heftiger Proteste der österreichischen Tierschutzbewegung und einem Einspruch der EU-Kommission hatte die zuständige Behörde die Vorarbeiten, sogenannte „Maßnahmen zur Baufeldfreimachung“, genehmigt. Konkret wird dabei auf einem Teil des Areals die Grasnarbe abgetragen, um den Bereich für die Ziesel unbewohnbar und für den Mensch als Lebensraum nutzbar zu machen.

Von der zugesagten ökologischen Bausaufsicht ist keine Spur wahrzunehmen. Das ist besonders traurig, da es jetzt auch den geschützten Eidechsen ans Leder geht. Denn derzeit ist es für diese zum Flüchten zu kalt. Auch dies scheint die zuständigen Behörden angesichts der millionenschweren Aufträge nicht zu stören.

Schlag ins Gesicht der Tierschutzbewegung

Der Wiener Tierschutzverein (WTV) kämpft zusammen mit der Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal seit Jahren darum, das Areal und die darauf lebenden und noch dazu strengstens geschützten Nagetiere zu verschonen und stattdessen den Bauträgern eine adäquate Ausgleichsfläche anzubieten. Trotz Baulandreserven in Höhe von zwei Millionen Quadratmetern für die Stadt Wien kein Thema. „Wir fragen uns: Ist das wirklich nötig? Wir haben uns lange um einen Kompromiss bemüht, waren für jeden Vorschlag offen und zu Gesprächen bereit. Was jetzt passiert, ist ein harter Faustschlag ins Gesicht der gesamten Tierschutz-, Artenschutz- und Naturschutzbewegung Österreichs“, so WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Zwar haben der WTV sowie die Bürgerinitiative aufgrund der Nichtbereitschaft der Stadt Wien und der zuständigen Behörde und auch angesichts der Ereignisse der letzten Wochen damit rechnen müssen. Doch: „Die dutzenden Gespräche und Termine, die es in dieser Causa gab, sind damit nutzlos. Vor der Wahl hat die Stadt Wien noch etwas andere Töne angeschlagen, nach der Wahl wissen wir nun wo wir stehen. Es ist ein Vertrauensbruch sondergleichen“, sagt Petrovic.

Der WTV und die IGL Marchfeldkanal werden jedenfalls umgehend die EU-Kommission über die Vorgänge informieren. „Darüber hinaus werden wir auf allen rechtlichen Ebenen dagegen ankämpfen. Leider gilt hier dasselbe wie in der aktuellen Affäre um die Panama-Leaks: Auch in Floridsdorf scheint Geld wichtiger als Leben zu sein“, so Petrovic abschließend.

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