Veröffentlichung von Nacktbildern in „Heute“ und auf „heute.at“ verletzt Ehrenkodex

Wien (OTS) - Die Artikel „Frau nackt auf Straße geschickt“, erschienen in der Tageszeitung „Heute“ vom 21.01.2016, sowie „Eifersüchtiger Mann zerrt Frau nackt auf die Straße“, erschienen am 20.01.2016 auf „heute.at“, verstoßen laut Senat 1 des Presserats gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

In den Artikeln wird berichtet, dass in New York ein Mann seine Freundin gezwungen habe, nackt auf die Straße zu gehen, ein Video davon gemacht und dieses ins Internet gestellt habe. Neben dem Print-Artikel wurde ein Foto der nackten Frau abgedruckt sowie darauf hingewiesen, dass das Video auf „heute.at“ zu sehen ist. Beim Artikel auf „heute.at“ wurde dieses Video veröffentlicht.

Der Senat vertritt die Ansicht, dass sowohl die Veröffentlichung des Fotos der nackten Frau in der Tageszeitung „Heute“ als auch die Veröffentlichung des Videos auf „heute.at“ den Persönlichkeitsschutz und die Intimsphäre der betroffenen Frau verletzt. Diese wird dadurch in der Öffentlichkeit bloßgestellt und gedemütigt. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Betroffene in die Veröffentlichung eingewilligt hat.
Die Veröffentlichung des kompromittierenden Bildmaterials verstößt laut Senat gegen die Punkte 5 (Persönlichkeitsschutz) und 6 (Intimsphäre) des Ehrenkodex.
Der Senat forderte die Medieninhaberin von der Webseite „heute.at“ auf, die vorliegende Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen.

Selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung eines Lesers

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der beiden Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.
Im vorliegenden Fall hat der Senat 1 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durchgeführt (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob ein Artikel den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin der Tageszeitung „Heute“ und von „heute.at“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.
Bisher hat sich die Medieninhaberin der Tageszeitung „Heute“ der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats nicht unterworfen.

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Dr. Tessa Prager, Sprecherin des Senats 1, Tel.: 01/21312-1169

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