Weltgesundheitstag 2016 – Diabetes im Fokus der WHO

Jeder 11 Erwachsene ist weltweit von Diabetes betroffen und die Tendenz ist steigend

Wien (OTS) - 80 Prozent der Betroffenen leben in Ländern mit niedrigem bzw. mittlerem Einkommen, in denen die wachsenden Kosten für die Behandlung der Erkrankung und ihrer Folgen sehr schwierig zu bewältigen sind. Auch in Österreich ist die Situation trotz guter medizinischer Betreuung schwierig und die Zahlen steigen schneller, als das Problembewusstsein in der Bevölkerung wächst. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft engagiert sich für einen gesamtgesellschaftlichen Präventions- und Versorgungsdiskurs über das große Gesundheitsthema des 21. Jahrhunderts.

Am 7. April wird jährlich der Weltgesundheitstag veranstaltet, um auf Gesundheitsthemen aufmerksam zu machen, die die gesamte Welt betreffen. 2016 widmet die WHO (Weltgesundheitsorganisation) diesen Tag ausschließlich dem Thema Diabetes – einer globalen Gesundheitsproblematik, die industrialisierte Länder ebenso in ihrem Griff hat, wie sie auch Schwellen- und Entwicklungsländer immer mehr betrifft.
Am 1. April hat zusätzlich die Generalversammlung der UNO mit einer Resolution von 2016 bis 2025 die Dekade der Ernährung ausgerufen, in der die Themen Übergewicht, Adipositas und ernährungsbedingte Erkrankungen – wie Diabetes – als globale Problematik angesprochen werden.

Jeder 11 Erwachsene ist betroffen

Laut Schätzungen der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) leiden derzeit 415 Millionen Menschen an Diabetes. Dazu kommen noch 318 Millionen, die eine Glukoseintoleranz haben und somit ein sehr hohes Risiko einer Diabeteserkrankung in sich tragen. Die IDF rechnet für das Jahr 2040 bereits mit 642 Millionen Betroffenen. In den letzten 20 Jahren haben sich die Zahlen der Menschen mit Diabetes weltweit verdoppelt. In Mitteleuropa ist die Zahl der Diabetiker seit 1998 um rund 40 % gestiegen. In manchen Ländern wie Pakistan, Mexiko oder im arabischen Raum sehen wir besonders dramatische Zahlen, wo bereits einer von fünf erwachsenen Menschen an Diabetes leidet.
„Diabetes ist eines der größten Gesundheitsprobleme des 21. Jahrhunderts. Die Wachstumsraten betragen rund vier bis fünf Prozent pro Jahr. Jedes Jahr leben mehr und mehr Menschen mit dieser Erkrankung. Wir sehen weltweit eine Diabetes-Welle auf uns zurollen. Man kann von einem richtigen Tsunami sprechen.“, erklärt OA Dr. Helmut Brath, von der Diabetesambulanz des GZ Süd der Wiener Gebietskrankenkasse und Erster Sekretär der Österreichischen Diabetes Gesellschaft.

Die Globalisierung des „westlichen“ Lebensstils und seiner Folgen

Auch wenn viele komplexe gesellschaftliche Ursachen, individuelles Verhalten und unterschiedliche genetische Voraussetzungen die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 fördern, stehen zwei Auslöser im Vordergrund: reduzierte körperliche Aktivität und zu reichliche, energiedichte Ernährung. Die freudige Aufnahme des ‚westlichen‘ Lebensstils mit Fast Food und Fernsehen leisten in Entwicklungsländern einen bedeutenden Beitrag zur globalen Problematik, wie Zahlen zum Beispiel aus Mexiko oder Pakistan beweisen.

Migrationsbewegungen und Diabetes

MigrantInnen, die nach Österreich kommen, haben, bedingt durch den anderen kulturellen Hintergrund oft ein anderes Verständnis von Gesundheit, Gesundheitsvorsorge und Krankheit. Das Bewusstsein für Risikofaktoren wie Übergewicht oder für die Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Krankheit fehlt häufig. Der kulturelle Hintergrund und in manchen Fällen mangelnde Sprachkompetenz und niedriger sozioökonomischer Status können Barrieren für den Zugang zu Vorsorge und Behandlung sein.

„Dies drückt sich auch in dem geringen Prozentsatz der MigrantInnen, die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen aus. Diabetes wird bei MigrantInnen oft erst bei anderen Erkrankungen oder Diabetes-Komplikationen erkannt. Besonders wichtig wäre aber, dass gerade weibliche Zuwanderer ein Diabetesscreening durchlaufen. Es gibt leider bei Migrantinnen im gebärfähigen Alter mit Risikofaktoren (vor allem Übergewicht und Alter) eine deutliche Problematik von unerkanntem Typ 2 Diabetes und Schwangerschaft.“, stellt Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Univ.-Klinik für Innere Medizin III der Med Uni Wien und Stellvertreterin des Präsidenten der ÖDG fest. „Um DiabetikerInnen mit Migrationshintergrund therapeutisch gut versorgen zu können, müssen Angebote geschaffen werden, die auf die speziellen Anforderungen wie Sprachbarriere und kulturellen Hintergrund bzw. Religion eingehen und bei denen alle beteiligten Interessengruppen wie Kulturvereine, Religionsgemeinschaften, Krankenkassen und medizinische Fachgesellschaften einbezogen werden.“

Diabetes in Österreich

Diabetes ist auch in Österreich eines der bedeutendsten Gesundheitsprobleme unseres Jahrhunderts. Zurzeit gibt es in Österreich 600.000 Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind. Im Jahr 2030 werden es – vorsichtig geschätzt – mehr als 800.000 Betroffene sein. 85–90 % aller Diabetiker sind Typ-2-Diabetiker. Übergewicht und Fettleibigkeit sowie Bewegungsmangel fördern die Entstehung des Typ-2-Diabetes. 50–60 % aller Österreicherinnen und Österreicher sind zumindest übergewichtig. Dieser Anteil steigt jährlich.

„Die medizinische Forschung hat große Verbesserungen für die Betroffenen gebracht. Wir können Menschen mit Diabetes heute ein längeres Leben mit weniger Folgeerkrankungen und besserer Lebensqualität bieten als je zuvor“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak von der Ambulanz für Lipidstoffwechsel der Universitätsklinik für Innere Medizin der Medizinischen Universität Graz und Präsident der ÖDG. „Gleichzeitig wird aber der Druck durch Neuerkrankungen und durch die vielen Menschen, die gefährdet sind, immer größer und Diabetes zu einer Herausforderung für die Gesamtgesellschaft.“

ÖDG fördert den gesellschaftspolitischen Diskurs

Die Expertinnen und Experten der ÖDG arbeiten gerade auch sehr intensiv an der vom Gesundheitsministerium initiierten Diabetesstrategie mit, um Österreich auch für die Zukunft das entsprechende Rüstzeug für die bedrohlich rollende Diabeteswelle zu liefern. Toplak betont „Es ist Zeit für Strategien auf der Makro-Ebene, die die gesamte Gesellschaft mit einbezieht. Kleine Projekte reichen nicht mehr aus, um diese Epidemie zu bekämpfen. Wir brauchen einen Diabetesschwerpunkt der sich als Querschnittsmaterie durch alle Lebenswelten zieht und auch so große Themen wie Stadtplanung, Lebensmittelkostengerechtigkeit und generelle Gesundheitsbildungsarbeit miteinbezieht.“

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-Experten und Diabetes-Expertinnen. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind Ärzte und Ärztinnen und wissenschaftlich einschlägig orientierte Akademiker und Akademikerinnen. Assoziierte Mitglieder sind Diabetesberater und Diabetesberaterinnen und Diätologen und Diätologinnen. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft sieht es als ihre Aufgabe, die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes mellitus zu verbessern. Sie setzt sich daher für die Anliegen der Betroffenen ein. Sie fordert und fördert die stetige Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus. Sie unterstützt die Forschung und verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse aller den Diabetes berührenden Fachgebiete sowohl zur Verbesserung der medizinischen Betreuung als auch zur bestmöglichen Vorbeugung von Neuerkrankungen.

Informationen über die Aktivitäten der ÖDG finden Sie unter http://www.oedg.at/

Weitere internationale Zahlen finden Sie unter http://www.diabetesatlas.org/

Umfassende Pressetexte und Fotomaterial finden Sie unter
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