Brennpunkt Niedrigeinkommen: 344.000 verdienen trotz Vollzeit weniger als 1.700 Euro pro Monat

Linz (OTS) - Weniger als 1.700 Euro brutto, das aktuelle gewerkschaftliche Mindestlohnziel, verdienen 2014 rund 344.000 Vollzeitbeschäftigte in Österreich. „Kollektivvertragliche 1.700 Euro brutto in allen Branchen kann sich Österreich leisten“, ist AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer überzeugt. Ein höherer Mindestlohn fördert den Konsum und belebt die Wirtschaft.

Rund 344.000 Arbeitnehmer/-innen in Österreich haben 2014 für ihre Vollzeitarbeit monatlich weniger als 1.700 Euro brutto erhalten. Etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen (53 Prozent) waren Frauen. Österreichweit haben fast 16 Prozent der Vollzeitbeschäftigten unter 1.700 Euro brutto verdient. Oberösterreich lag mit rund 59.400 Betroffen (15,1 Prozent) leicht unter dem Bundesschnitt.

Niedrigeinkommen bei Frauen häufiger
Frauen sind häufiger als Männer von niedrigen Vollzeiteinkommen betroffen. Während bundesweit etwa elf Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer weniger als 1.700 Euro brutto verdienten, waren es bei den Frauen mehr als doppelt so viele: Jede Vierte (24 Prozent) verdiente unter diesem Wert. In Oberösterreich lag der Männeranteil mit genau einem Zehntel etwas unter dem Durchschnitt, der Frauenanteil aber mit knapp 27 Prozent deutlich darüber.

180.000 Betroffene in Handel, Produktion und Gastgewerbe
Mit zusammen fast 180.000 Beschäftigten (Oberösterreich: 34.000) haben die drei Branchen „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“, „Warenherstellung“ sowie „Hotel und Gastgewerbe“ 2014 am häufigsten unter 1.700 Euro brutto trotz Vollzeit entlohnt:
78.000 Handelsbeschäftigte (OÖ: 14.000), mehr als 52.000 Produktionsbeschäftigte (OÖ: 14.200) und 47.700 Beschäftigte im Gastgewerbe (OÖ: 5.800) lagen unter diesem Wert.

Forderungen der AK Oberösterreich
AK und Gewerkschaften haben schon viel erreicht: bei der Lohnsteuerreform und in KV-Verhandlungen. „Für eine nachhaltige Anhebung von Niedrigeinkommen ist aber ein ganzes Maßnahmenbündel notwendig“, stellt der AK-Präsident fest. Er fordert:

- Faire Entlohnung:
-Schrittweise Anhebung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter auf monatlich 1.700 Euro brutto in allen Branchen -Gleicher Lohn für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit von Frauen und Männern
-Korrekte Einstufungen laut Kollektivvertrag
-Korrekte Bezahlung der Über- und Mehrarbeitsstunden
-Abschaffung kurzer Verfallsfristen von Entgeltansprüchen -Wirksame Umsetzung des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes durch verstärkte Kontrollen mit entsprechender Personalausstattung -Modernisierung des Arbeitsrechts durch Erweiterung des Arbeitnehmerbegriffs: Für sogenannte Scheinselbständige muss der kollektivvertragliche Schutz gelten.

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