Arbeitsplatz Wald durch Forststraßendiskussion massiv bedroht

Erhöhte Gefahr für Arbeiter und Freizeitnutzer

Wien (OTS) - Fast die Hälfte der österreichischen Staatsfläche ist mit Wald bedeckt. Um den Bestand unserer Wälder zu sichern, ist eine kompetente Bewirtschaftung durch gut ausgebildete Fachkräfte eine Voraussetzung. Der Wald ist ein wichtiger Arbeitsplatz im ländlichen Raum und sichert Einkommen für rund 300.000 Menschen. Die waldbasierte Wertschöpfungskette ist zweitgrößter Devisenbringer in Österreich. Forstfacharbeiter, Förster, Forstwarte, Berufsjäger, Maschinisten, Forstunternehmer, LKW-Fahrer und noch viele mehr arbeiten täglich im Wald und sorgen neben der Holzernte und Waldpflege auch für die Sicherung aller anderen Waldleistungen. Diese Arbeiten im Wald sind sehr anspruchsvoll und oft gefährlich. Eine generelle Öffnung der Forststraßen, wie sie derzeit von vereinzelten Interessengruppen gefordert wird, würde das Risiko massiv erhöhen. Im Interesse der Sicherheit aller Beschäftigten und aller Freizeitnutzer im Wald ist eine generelle Öffnung daher undenkbar. Es braucht eine Lenkung der Interessen und tragbare Lösungen auf Vertragsbasis vor Ort. Daher gibt es auch bereits im Vorfeld der angekündigten eindimensionalen Naturfreunde-Aktion eine breite Ablehnungsfront seitens vieler Organisationen, die die Verantwortung für den Wald haben.

Ob Waldpflegemaßnahmen, Durchforstungen, Holzernte, das Setzen von Pflanzen, der Schutz vor Naturgefahren, der Jagdbetrieb, der Bau von Forststraßen oder viele Arbeiten mehr, es braucht täglich tausende Menschen im Wald, die diesen Arbeiten nachgehen und damit vielfältigste Leistungen für die Gesellschaft erbringen. Alle diese Arbeiten bedürfen neben hoher Kompetenz auch Maßnahmen, um die Sicherheit dieser Menschen zu gewährleisten. Die Forstarbeiter verrichten mit großer Verantwortung bei jeder Witterung anspruchsvolle Schwerstarbeit. Es wäre unzumutbar und in Wahrheit unmöglich, wenn sie dabei ständig zusätzlich auf Sportler aufpassen müssten. Fakt ist: Forststraßen sind Arbeitsplätze, die Gefahren mit sich bringen. Es ist gefährlich, wenn ein Baum mit 1,5 bis 2 Tonnen Eigengewicht umfällt, ein Wipfel mit bis zu 100 km/h am Boden aufschlägt und unterarmstarke Äste und Steine bis zu zwanzig Meter davongeschleudert werden.

„Die Arbeiter im Wald müssen auf ihre eigene Sicherheit achten und einen Gehörschutz tragen, der aber dazu führt, dass sie Hintergrund-und Nebengeräusche und daher auch mögliche (Hilfe-) Rufe schlecht hören. Die Forstbetriebe sorgen für die höchste Sicherheit ihrer Mitarbeiter im Wald, genauso wie für die Sicherheit der Waldbesucher. Bei einer undifferenzierten Öffnung der Forststraßen für weitere Nutzergruppen kann diese aber nicht mehr garantiert werden und das ohnehin schon vorhandene Gefahrenpotential würde sich noch deutlich vergrößern“, führt Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, zu den Risiken des Arbeitsplatzes Wald aus.

Änderung der Gesetzeslage würde Gefahrenpotenzial erhöhen

Mountainbiken im Wald ist nur ein Bruchteil von vielen Interessen, die von den unterschiedlichsten Gruppen an den Wald gestellt werden. Eine generelle Öffnung von Forststraßen für das Radfahren zu verlangen, ist ein verantwortungsloser Ansatz, egoistische Interessen durchzusetzen. Der Arbeitsplatz Wald und die Gefahren, die damit einhergehen, brauchen unbedingt eine intelligente Lenkung. Die Verantwortung dafür liegt bei den Grundeigentümern, die einen Interessenausgleich zwischen einer Vielzahl von Ansprüchen schaffen müssen. Diese sind für einen Dialog offen und häufig Kooperationspartner für lokale und regionale Projekte. Privatrechtliche Vereinbarungen haben sich seit Jahren bewährt, eine Änderung der Gesetzeslage wäre kontraproduktiv und hochgradig gefährlich.

Christian Mandl, Vorsitzender des Österreichischen Landarbeiterkammertages und Präsident der Steiermärkischen Kammer für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft, hält dazu fest: „Der Wald ist ein Alleskönner und um seine Multifunktionalität zu erhalten, bedarf es gewisser Regeln und Grenzen für die Waldbesucher. Hier müssen alle eine Mitverantwortung übernehmen. In erster Linie ist darauf Bedacht zu nehmen, dass der Wald und die Forststraße Arbeitsplatz für tausende Beschäftigte sind. Für uns als gesetzliche Interessenvertretung steht die Sicherheit der betroffenen Arbeitnehmer an erster Stelle. Forstarbeiter üben einen harten, gefährlichen und verantwortungsvollen Job aus. Das Gefahrenpotenzial würde bei einer generellen Forststraßenöffnung weiter ansteigen. Dazu kommt die Frage der Haftung, die bei Mountainbikern auf Forststraßen eine ganz neue Dimension bekäme. Das ist mit dem deutlich geringeren Unfallrisiko von Fußgängern im Wald gar nicht zu vergleichen. Und nicht zuletzt würden sich ja viele zusätzliche Risikobereiche zwischen den Waldnutzern ergeben, wenn es dazu keine Lenkung gibt. Wir setzen uns ganz klar für vertragliche Regelungen zwischen Waldeigentümern und Nutzungspartnern und gegen eine generelle Öffnung ein.“

Holzabfuhr bei Forststraßenöffnung unmöglich

Auch Herbert Hengstberger, Vertreter der heimischen Holztransportunternehmen, bringt seine Ablehnung zum Ausdruck:
„Forststraßen sind für den Werksverkehr ausgelegt und auch genau dafür genehmigt. Eine Öffnung wäre sowohl gegenüber meinen Mitarbeitern als auch gegenüber den Waldnutzern höchst unverantwortlich. Die Arbeitssicherheit könnte nicht mehr gewährleistet werden. Wenn ein Fahrer Holz aufladet, sieht er einen von hinten kommenden Radfahrer nicht rechtzeitig, da dieser viel schneller ist als ein Fußgeher. Auch vom LKW herunterfallende Stämme stellen ein hohes Risiko dar. Forststraßen sind aus Naturschutzgründen rund 3,5 Meter schmal gebaut und LKWs etwa 2,5 Meter breit. Der Sicherheitsabstand vom LKW zu Radfahrern könnte daher nicht eingehalten werden. Abgesehen von der Sicherheitsproblematik, ist das Haftungsrisiko für alle im Wald arbeitenden Personen unzumutbar. Nur eine intelligente Ausweisung von Radstrecken stellt sicher, dass der Holztransport unfallfrei abgewickelt werden kann. Bei einer generellen Öffnung von Forststraßen für Mountainbiker könnten wir die Abfuhr des Rohstoffes nicht mehr in dieser Form umsetzen.“

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