Neues Volksblatt: "Im Zentrum" von Herbert SCHICHO

Ausgabe vom 2. April 2016

Linz (OTS) - Es ist schon ein bisschen zum Schmunzeln: Fast zeitgleich bejubelt die rote Schulministerin bei den Ergebnissen der Bildungsstandards, dass nur mehr 15 Prozent der Volksschüler „eklatante Mängel in Deutsch aufweisen“. Und die rote Parlamentspräsidentin freut sich, dass die Homepage des Hohen Hauses nun auch in „leichter Sprache“ abrufbar ist — es ist eine „Huhn-Ei-Diskussion“, ob die diagnostizierten Leseschwächen diese Barrierefreiheit notwendig machen, oder ob die technischen Errungenschaften nicht auch solche Defizite erzeugen. Twitter, Facebook und Whatsup verbessern die Rechtschreibung sicher nicht. Aber ist es wie mit dem Feuermachen: Diese wohl wichtigste Errungenschaft der Menschheit, wird von kaum mehr einem Menschen beherrscht. Weil es nicht mehr notwendig ist.
Seit Jahren gibt es trotz permanenter Bildungsreform einen relativ konstanten Anteil von Schülern, die in unserem Schulsystem scheitern und die Grundfertigkeiten Lesen, Rechnen und Schreiben in neun Jahren Schulpflicht nicht erlernen. Dieser Anteil korreliert leider mit den Zahlen für Schulabbrecher und die Betroffenen landen oft in Arbeitslosigkeit und sozialer Not. Für das Lesen gibt es nämlich noch kein Feuerzeug. Wer es nicht kann, wird in unserer Gesellschaft nur Randplätze bekommen. Darum sollte man diese Grundfertigkeiten ins Zentrum rücken ... und nicht die Debatte, ob das Zeugnis aus Noten oder einem Aufsatz besteht.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001