Huainigg zum Welt-Down-Syndrom-Tag: Menschen mit Down-Syndrom gehören in die Mitte der Gesellschaft

Literaturpreis Ohrenschmaus zeigt beispielhaft Talente und Fähigkeiten von Menschen mit Trisomie21

"Es ist normal, anders zu sein! Jede und jeder von uns hat andere Talente, Bedürfnisse und Charaktereigenschaften. Bei mir
ist es der Rollstuhl und das Schreibtalent, bei dir sind es vielleicht die lockigen Haare und dein fotografisches Gedächtnis, bei einem anderen ein schwaches Herz und die administrative Unterstützung des Sportvereins, bei Menschen mit Down-Syndrom ein Chromosom zu viel und ein riesengroßes Herz voller Liebe. Wir alle sind talentierte und leistungswillige Menschen inmitten dieser vielfältigen Gesellschaft. Vielfalt macht eine Gemeinschaft stark und bunt! Wie langweilig und eintönig würde es werden, würden wir immer nur dasselbe hören und sehen, wäre alles perfekt einheitlich. Babys mit Trisomie21 kommen kaum mehr zur Welt, da
das mittlerweile vorgeburtlich sehr gut erkannt werden kann und
die meisten werdenden Mütter abtreiben. Ich kann die Angst und Unsicherheit gut nachvollziehen – umso wichtiger ist es, dass wir den werdenden Eltern eines behinderten Kindes noch mehr Unterstützung an die Hand zu geben. Sie leisten Großartiges und sind Vorbilder in unserer Gesellschaft. Ich fordere einen Fonds,
aus dem juristische und pädagogische Beratung als auch FamilienhelferInnen für die ersten Wochen finanziert werden können", so Abg. Franz-Joseph Huainigg, ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung, am heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag. Das Datum
21.3. soll symbolisieren, dass das 21. Chromosom drei Mal vorkommt.****

"Angst und Unsicherheit vor 'dem Fremden' wird Menschen am ehesten durch direkte und persönliche Begegnung genommen. Ausschlaggebend ist daher, dass nichtbehinderte Kinder möglichst früh behinderten Kindern begegnen. Das ist am besten durch den gemeinsamen Kindergarten- und Schulbesuch gewährleistet und setzt sich in der Arbeitswelt fort. Studien zeigen ganz deutlich, dass
vor allem die nichtbehinderten Kinder davon profitieren – im Hinblick auf Rücksichtnahme, Achtsamkeit und Herzlichkeit lernen diese Kinder sehr viel. Von all dem kann die Welt noch eine ordentliche Dosis vertragen", meint Huainigg und erzählt von Michaela König, der leider schon verstorbenen Mitbegründerin des Literaturpreises Ohrenschmaus: "Michaela war wahrscheinlich der herzlichste und umarmungsfreudigste Mensch, den ich kenne. Eine deutsche Kampagne zum heutigen Tag trägt den Slogan 'Glück zählt keine Chromosomen'. Das trifft es punktgenau! Michaela und viele andere TeilnehmerInnen beim Ohrenschmaus leben ein glückliches und beschäftigtes Leben. Viele 'Normalos' müssen davon allerdings erst überzeugt werden, unter anderem deshalb wollen wir im Sinne der Sensibilisierung im heurigen 10. Jubiläumsjahr des
Literaturpreises noch stärkere Akzente setzen", schildert Huainigg im Andenken an Michaela König, die das Gedicht 'Was ist normal!' verfasste.

Was ist normal!
Ob man eine weiße oder eine schwarze Haut hat, das ist ganz egal. Ob man eine gelbe oder eine rote Haut hat, das ist ganz egal. Hauptsache man ist so wie man ist. Was ist normal! Ich weiß es nicht. Ob man 47 Chromosomen oder 46 Chromosomen hat, das ist ganz normal. Hauptsache ist wir mögen uns und sind fröhlich, weil wir auf uns stolz sind. Was ist normal? Ich weiß es nicht. Ob man ein Riese ist oder ob man klein gewachsen ist - das spielt keine
Rolle. Hauptsache ist wir haben Freunde, die uns in guten wie in schlechten Zeiten beistehen. Was ist normal? Ich weiß es nicht. Ob man schmutzige oder saubere Hände hat - das spielt keine Rolle. Hauptsache ist wir haben ein reines Herz. Was ist normal? Ich weiß es nicht. Ob man viele Freunde hat oder nur einen, das ist ganz egal. Hauptsache ist wir stehen zu unseren Freunden - egal was kommt. Was ist Normal? Ich weiß es nicht. Ob man verzweifelt ist und Hilfe braucht oder ob man mit jemandem reden möchte, das ist ganz egal. Hauptsache, man hat jemanden mit dem man reden kann.
Was ist normal? Ich weiß es nicht. Ob man einen Rat braucht oder
ob man ihn zum Zuhören braucht, das ist ganz egal. Hauptsache ist wir sind immer für einander da. Was ist normal? Ich weiß es nicht. Ob man ein leeres Zimmer hat oder ein aufgeräumtes Zimmer, das ist ganz egal. Hauptsache ist unser Zimmer wird immer unser Revier bleiben. Was ist normal? Ich weiß es nicht. Ob man schlecht oder gut aussieht, das ist ganz egal. Hauptsache ist du bleibst immer
die Schönste. Was ist normal? Ich weiß es nicht.
- Michaela König

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