Altersarbeitslosigkeit steigt und verfestigt sich: AK fordert ein wirksames Bonus-Malus-System

Linz (OTS) - Der Anstieg der Altersarbeitslosigkeit wird zu einem immer größeren Problem. Seit 2008 ist die Zahl der Älteren ohne Beschäftigung in Oberösterreich von 5.601 auf 13.987 gestiegen. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert einen deutlichen Ausbau des Zweiten Arbeitsmarktes und höhere Strafen beim Bonus-Malus-System für Ältere.

Wer älter, gesundheitlich eingeschränkt oder unzureichend qualifiziert ist, läuft häufig Gefahr, langzeitarbeitslos zu werden. In Oberösterreich ist die Vormerkdauer unter älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter) zwischen Februar 2008 und Februar 2016 von durchschnittlich 75 Tagen auf 188 Tage angestiegen. Damit wird klar, dass der massive Anstieg der Altersarbeitslosigkeit auf eine Verfestigung der bestehenden Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Das Europäische Beschäftigungsobservatorium begründet das mit der negativen Haltung der Arbeitgeber/-innen gegenüber älteren Arbeitnehmern/-innen und einer Diskriminierung bei Einstellungsverfahren.

„Diese Benachteiligung von älteren Menschen auf dem Arbeitsmarkt ist nicht länger zu akzeptieren“, betont AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Zur Verringerung der Altersarbeitslosigkeit ist daher ein wirksames Bonus-Malus-System zur Einstellung und/oder Weiterbeschäftigung von älteren Arbeitnehmern/-innen entscheidend. Das im Oktober beschlossene Bonus-Malus-System ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, da Unternehmen, die bei der Beschäftigung von Älteren unter dem Branchendurchschnitt liegen, systematisch identifiziert und sichtbar werden. Aber die Strafen bei Nichteinhaltung bzw. die Prämien bei Erfüllung der Quoten sind viel zu gering, um einen Lenkungseffekt zu erzielen, und sollten spürbar angehoben werden. „Damit müssen Unternehmen entweder tatsächlich ausreichend viele ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen oder sie übernehmen zumindest einen Teil der sozialen Kosten der Altersarbeitslosigkeit, die sie mit ihrer unfairen Personalpolitik maßgeblich mitverursachen“, erklärt der AK-Präsident.

Angesichts der massiven Knappheit an Arbeitsplätzen wird es Maßnahmen brauchen, die über das Bonus-Malus-System hinausgehen. Zur Bekämpfung der Rekordarbeitslosigkeit werden konjunkturbelebende Impulse durch öffentliche Investitionen erforderlich sein (Ausbau der Pflege- und Kinderbildungseinrichtungen, beschleunigter Ausbau der Energienetze und der Kommunikationsinfrastruktur, Investitionen in den öffentlichen Verkehr und in ein soziales Wohnbauprogramm).

Zudem muss der Zweite Arbeitsmarkt deutlich ausgebaut werden, um etwa älteren Langzeitarbeitslosen mit gesundheitlichen Einschränkungen würdevolle Perspektiven zu eröffnen: Die Ausweitung und Flexibilisierung der Mittel für die Arbeitsmarktpolitik ist daher dringend notwendig, insbesondere die Förderung für Sozialökonomische Betriebe (SÖB) und Gemeinnützige Beschäftigungsprojekte (GBP). Die starre gesetzliche Bindung der 50+ Mittel (40 Prozent SÖB/GBP und 60 Prozent Eingliederungsbeihilfen für Unternehmen, die Beschäftigte über 50 Jahre aufnehmen, die länger als 182 Tage beim AMS vorgemerkt sind) muss aufgehoben werden, da Eingliederungsbeihilfen zumeist wenig an den Ursachen der Arbeitslosigkeit ändern, aber häufig hohe Mitnahmeeffekte haben, d.h. ein großer Teil der Arbeitsaufnahmen hätte auch ohne Beihilfe stattgefunden.

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