WKÖ-Landertshammer: Bildungsreform muss weiter massiv vorangetrieben werden

Lehrer und Direktoren beklagen Missstände an Schulen - ein Drittel der Schüler „verlorene Generation“ – Kurswechsel und mehr Autonomie an Schulen notwendig

Wien (OTS) - „Was im November 2015 als ‚Bildungsreform‘ beschlossen wurde, wird nicht genügen, das steht außer Zweifel“, stellt Michael Landertshammer, Abteilungsleiter der Bildungspolitik der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), fest.

Wenn ein Teil der Schüler nach neun Jahren Pflichtschulzeit die grundlegenden Kulturtechniken nicht beherrsche, liege der ‚schwarze Peter‘ nicht nur beim Elternhaus, dann versage auch ein Bildungssystem, so Michael Landertshammer und weiter: „Das ist für eine wohlhabende Kulturnation, deren ganze Zukunft auf Bildung beruht, unannehmbar.“ Die Probleme lägen gerade aus Sicht der Wirtschaft auf der Hand: „Wenn jedes Jahr mehr Pflichtschulabsolventen auf den Lehrstellen- und Arbeitsmarkt kommen, die nicht Lesen, Rechnen und Schreiben, und manche auch noch kaum Deutsch können – wie sollen die österreichischen Unternehmen diese Menschen in Ausbildung und Arbeit bringen?“
Nun bestätige eine Direktorin einer Wiener Neuen Mittelschule Missstände im Schulwesen und spreche von rund einem Drittel der Schüler, deren weiterer Lebensweg vorgezeichnet sei, weil sie "leider nicht vermittelbar" seien. "Eine verlorene Generation", so wird die Direktorin zitiert. Hauptgrund seien vor allem die fehlenden Deutschkenntnisse.

„Wenn ein Schulsystem offenbar derart massiv versagt, muss man sich grundsätzlich eine neue Strategie überlegen. Der Staat kann nicht alles leisten, aber ein flächendeckendes System an Ganztagesschulen mit einem völlig neuen Konzept des Lernens und der Schule würde hier wichtige Abhilfe schaffen. Dieses Konzept des Lernens müsse sich an Individualisierung des Unterrichts und vor allem jahrgangsübergreifenden Klassen orientieren, erklärt Landertshammer. Daneben brauche es eine autonome, selbstverantwortliche Personalbewirtschaftung der Schulstandorte, damit sich die Schulleiter die besten Lehrer aussuchen können. „Mit einem Wort: mehr Autonomie“, so Landertshammer.

Mit dem vom Sozialministerium ausgehenden Plan, diese Probleme unter anderem mit der „Ausbildungspflicht bis 18“ lösen zu wollen, werde das Pferd von hinten aufgezäumt: „Wir brauchen ein Bildungssystem, das von vorne herein die Kinder und Jugendlich gut genug für ihr Leben vorbereitet und nicht ein System, das im Nachhinein zu reparieren anfängt“, so Landertshammer abschließend. (PWK199/ES)

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