- 17.03.2016, 10:33:31
- /
- OTS0077 OTW0077
MAK zeigt "JOSIAH MCELHENY: The Ornament Museum"
In Zusammenarbeit mit John Vinci entwickelt McElheny in der MAK-Schausammlung Gegenwartskunst ein Museum-im-Museum als begehbaren Pavillon

Utl.: In Zusammenarbeit mit John Vinci entwickelt McElheny in der
MAK-Schausammlung Gegenwartskunst ein Museum-im-Museum als
begehbaren Pavillon =
Wien (OTS) - Mit der außergewöhnlichen, eigens für das MAK
entwickelten Installation "The Ornament Museum" reinterpretiert
Josiah McElheny die historische Designsprache der Wiener Moderne und
formuliert zeitgemäße Fragestellungen im Kontext von Kunst und
Psychologie. Für seine erste Einzelausstellung in Österreich entwirft
der in New York lebende Künstler in der MAK-Schausammlung
Gegenwartskunst(27. April 2016 – 2. April 2017) ein Museum-im-Museum
als begehbaren Pavillon aus bemaltem Holz und Glas, mit dem er direkt
Bezug auf die umfassenden Sammlungsbestände des MAK zu Wien um 1900
nimmt.
Der für die Verwendung von Glas in Kombination mit anderen Medien
bekannte Künstler setzt in "The Ornament Museum" seine Erforschung
eines Materials fort, das zum aktiven Sehen ermutigt. Große, mit
ornamentalen Mustern überzogene Fensterpaneele regen die
BesucherInnen zum Durchschauen und Hinschauen an. Ein Porträtfoto in
Lebensgröße, eine theoretische Einführung und eine Performance
skizzieren das Modell einer modernistischen Institution.
Struktur und Proportion des in Zusammenarbeit mit dem Chicagoer
Architekten und Ausstellungsdesigner John Vinci entworfenen Pavillons
erinnern an Josef Hoffmanns österreichischen Pavillon für die
"Exposition internationale des Arts décoratifs et in-dustriels
modernes", die 1925 in Paris stattfand und Visionen einer neuen
Moderne bündelte. Hoffmann gestaltete den originalen Pavillon, der
als zeitgenössische Architektur und Display für Objekte gedacht war,
mit aufwendig verziertem Holz, Paneelen aus klarem Glas und
elektrischer Beleuchtung. Mit dem Pavillon inszenierte Hoffmann sein
Ideal des Gesamtkunstwerks, mit dem er in der ästhetischen
Auseinandersetzung in Wien um 1900 eine oppositionelle Haltung zu
klar funktionalen Designansätzen anderer Architekten, wie etwa Adolf
Loos, einnahm. Die komplexen geometrischen und floralen Elemente von
Hoffmanns Gestaltung standen in diametralem Gegensatz zu einer in
vielen anderen nationalen Pavillons dominierenden Formensprache
industrieller Materialien.
Die BesucherInnen sind eingeladen, McElhenys Pavillon zu betreten und
durch die Fenster in eine szenische Landschaft aus ornamentalen
Mustern zu blicken. Die ephemere Architektur hat eine Dimension von
drei Metern Höhe und sechs mal fünf Metern Grundfläche, über 100
einzelne Glastafeln sind dabei mit sieben verschiedenen vom Künstler
entworfenen Ornamenten versehen. Produziert in Zusammenarbeit mit
einer spezialisierten Glasfachschule unter Verwendung der
traditionellen Siebdrucktechnik, erinnern die feinen schwarzen
Zeichnungen an Studien Koloman Mosers über das Ornament, wie im Band
Flächenschmuck der Reihe "Die Quelle" (1902) erschienen. Die
ornamentale Geometrie von McElhenys Zeichnungen erzielt ein
ungewöhnliches Zusammenspiel von schablonenhaften Formen und
unsichtbaren, changierenden Glasoberflächen.
Der Titel der Ausstellung ist an die poetische Abhandlung von Paul
Scheerbart über ein Ornamentmuseum angelehnt, die in der Zeitschrift
"Die Gegenwart" (Berlin, 1911) veröffentlicht worden war.
Offensichtlich inspiriert von den intensiven Diskussionen über die
Ästhetik und den Sinn von Ornamenten, wie sie von Adolf Loos, Josef
Hoffmann und Koloman Moser, aber auch dem Kunsthistoriker Alois Riegl
geführt wurden, liest sich das Projekt als Vision eines alternativen
historischen Brückenschlags.
McElheny möchte auch eine Verbindung zur Entwicklung der modernen
Psychologie von Sigmund Freud und anderen herstellen. Das Ornament
der Wiener Moderne, das alle Arten von Oberflächen und Medien wie
Papier, Textilien, Schmuck, Möbel, Wände und architektonische
Elemente überflutete, bildete die Psychologie der damaligen
Gesellschaft ab und beeinflusste das psychische Befinden der
Menschen, die sich in diesen gleichsam psychedelischen Räumen
bewegten.
Als Einführung in die Ausstellung deutet eine Texttafel auf die
grundlegende Psychologie moderner Ornamente hin. Die Aussagen werden
im Rahmen von Performances durch eine Darstellerin wiederholt. Die
Performerin trägt ein fantastisches Kleid, eine Nachempfindung eines
Entwurfs der Designerin Emilie Louise Flöge aus dem Jahr 1908. Sie
führt dabei die einzelnen BesucherInnen oder kleine Gruppen durch den
Pavillon und erklärt die verborgenen und unbewussten Bedeutungen der
Muster.
Das Kleid wird zu einem animierten Ornament, das den Körper der
Performerin, die Architektur und die vielfältigen Formen der
Ornamente interagieren lässt. In der performativen Herangehensweise
spiegeln sich die dynamischen Ideen McElhenys zur Wechselwirkung von
Körper, Gegenständen und sinnlicher Erfahrung ebenso wie seine
Vorstellung, dass physische Wahrnehmung als eine Art Erzählung
interpretiert werden kann.
Josiah McElhenys intensive künstlerische und theoretische
Auseinandersetzung mit der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts
wird in vielen Aspekten seines Œuvres und auch in seinem aktuellen
Ausstellungsprojekt im MAK deutlich. Minutiös durchdacht in Bezug auf
Fragestellungen der Verbindung von Kunsthandwerk und Architektur,
beleuchtet die Ausstellung "The Ornament Museum" die anhaltende
Inspirationskraft der Wiener Moderne für bildende KünstlerInnen der
Gegenwart.
Bildmaterial zur Ausstellung steht unter MAK.at/presse zum Download
bereit.
PRESSEDATEN: Pressekonferenz: Dienstag, 26. April 2016, 10:30 Uhr Eröffnung: Dienstag, 26. April 2016, 19:00 Uhr Ausstellungsort: MAK-Schausammlung Gegenwartskunst, MAK, Stubenring 5, 1010 Wien Ausstellungsdauer: 27. April 2016 – 2. April 2017 Öffnungszeiten: Di 10:00–22:00 Uhr, Mi–So 10:00–18:00 Uhr, Jeden Dienstag 18:00–22:00 Uhr Eintritt frei Kuratorin: Bärbel Vischer, Kustodin MAK-Sammlung Gegenwartskunst MAK-Eintritt: € 9,90 / ermäßigt € 7,50 / Familienkarte € 13 Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK






