ORF DialogForum „Wie lecker ist Österreichisch?“

Über Sprachkultur und Medien in Österreich

Wien (OTS) - Unbestritten ist: Sprache prägt Identität. Die Frage ist jedoch: Wer oder was prägt angesichts der Globalisierung der Medienwelt unsere Sprachkultur? Geraten nationale und regionale Sprachidentitäten wie das österreichische Deutsch unter Druck? Soll die Sprache der Journalistinnen und Journalisten dem Geschmack des Publikums oder den Vorgaben einer „Political Correctness“ folgen? Wie reagieren die Medien auf diese Herausforderungen? Und: Was hat Sprache mit Qualitätsjournalismus zu tun? Diesen Fragen widmete sich das ORF-DialogForum in Kooperation mit der ORF-Schulung am 15. März 2016 im ORF-RadioKulturhaus in zwei Experten-/Expertinnenpanels. Eröffnet wurde das DialogForum von ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner und Ilse Brandner-Radinger, der Vorsitzenden des ORF-Publikumsrates. Nach der Keynote von Prof. Alois Brandstetter diskutierten unter der Leitung von Konrad Mitschka, ORF-Public-Value-Kompetenzzentrum, Prof. Rudolf de Cillia, Universität Wien, Haimo Godler, ORF/Ö1, Petra Herczeg, Institut für Publizistik der Universität Wien, Prof. Rudolf Muhr, Universität Graz, und die Poetry Slammerin Yasmo über „Österreichisch“ im Zeitalter der modernen Globalisierung. In einer zweiten Diskussionsrunde widmeten sich Ingrid Brodnig, profil, Jasmin Dolati, ORF-Radio Wien, Jan Hofer, ARD-Tagesschau, Beat Schneider, SRG, und Heinz Sichrovsky, News und ORFIII-„erLesen“, dem Thema „Mediensprache und Identitätsstiftung“.

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: „Eine Diskussion über unsere österreichische Sprache, deren Bedeutung und Entwicklung ist für mich als ORF-Fernsehdirektorin willkommener Anlass, die Wichtigkeit der eigenen, unverwechselbaren Geschichten mit österreichischer Färbung und Sprache in den Vordergrund zu stellen. Sprache verändert sich – und gerade die Diskussion rund um Eigenes und Fremdes zeigt, wie trennend, aber auch verbindend Sprache ist, wie wichtig die Vielfalt von Aussprache, Vokabular und damit das Selbstwertgefühl der Gesellschaft und Zugehörigkeit ist.“

Ilse Brandner-Radinger, Vorsitzende des ORF-Publikumsrates: „Das österreichische Deutsch ist keine Mundart oder älplerisches Lokalkolorit. Und würde jemand im ORF-Publikumsrat das Wort ‚lecker‘ in der Diskussion gebrauchen, würde das Mitglied dieses Gremiums Entrüstung ernten. Kommt aber nie vor. Denn gerade der Publikumsrat weist immer wieder darauf hin, dass speziell der Öffentlich-Rechtliche dazu verpflichtet ist, im Sinne seines Bildungsauftrags und eines Qualitätsjournalismus besonders sorgfältig mit der Sprache umzugehen. Dazu gehört auch die Berücksichtigung des österreichischen Deutsch. Denn der Verlust der Sprachvielfalt bedeutet eine Verengung und Verarmung unserer Sprache und somit auch ein Stück weniger österreichische Identität.“

Prof. Alois Brandstetter: „Der Österreichische Rundfunk soll das Interesse an der sprachlichen Eigenart der Österreicherinnen und Österreicher durchaus befriedigen, ohne Chauvinismus und Kantönligeist. Er soll also in eigenen Sendungen oder Sequenzen ein wenig ‚Mundartkunde‘ unter die Leute bringen und darf gern das Bewusstsein stärken, dass die Mundart nichts ist, wofür man sich schämen müsste. Das bildungspolitische Optimum an ‚Spracherziehung‘ wäre erreicht, wenn die Printmedien – und der Rundfunk bei den Hörern und Sehern Verständnis für Regionalvarietäten, Soziolekte und Funktionalvarietäten erzeugen und fördern würden.“

Im ersten Panel stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich österreichisches Deutsch definieren lässt und wie sowohl Schulen als auch Medien aus der Sicht der Wissenschaft und Kunst mit Sprachvielfalt umgehen sollen. Prof. Rudolf Muhr, Universität Graz, betonte die Wichtigkeit einer Sprach- und Kulturpolitik, die Sprachpluralismus mehr fördert. Für Haimo Godler, Ö1, braucht es „mehr Freiraum für die Medien, um sprachliche Begebenheiten besser reflektieren und transportieren zu können.“ Auch Prof. Rudolf de Cillia, Universität Wien, plädierte für einen „bewussteren Umgang mit regionalen, aber auch sozialen sprachlichen Varietäten.“ Für Yasmo, österreichische Rapperin, Slampoetin und Autorin ist vor allem der sprachliche Wandel im Zuge der Globalisierung als Bereicherung anzusehen. Petra Herczeg, Universität Wien, betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit eines verbesserten öffentlichen Diskurses, der einen offeneren Zugang zu Sprache ermöglicht und somit auch zeigt, wie der Medienwandel den Kommunikationsstil beeinflusst.

Die zweite Diskussionsrunde des DialogForums nahm sich anschließend der Frage an, wie die Medien die zuvor genannten Forderungen aus Wissenschaft und Kunst umsetzen können. Ingrid Brodnig, profil, sah im Journalismus eine Verantwortung, den Sprachschatz zu bereichern und dafür zu sorgen, dass dieser auch erhalten bleibt. Für Jasmin Dolati, Radio Wien, war es in Bezug auf sprachliche Varietät als Aufgabe der Medien wichtig, „das Kommunale zu pflegen, zu fördern, aber auch zu diskutieren“. Auch Beat Schneider, SRG, betonte die Wichtigkeit der direkten Interaktion mit dem Publikum, um das Thema Sprache auch im öffentlichen Diskurs zu behandeln. Für Heinz Sichrovsky, News und ORFIII-„erLesen“, war es wichtig, den Reichtum von Sprachen zu bewahren, ohne dabei „Sprachhybriden“ entstehen zu lassen. Jan Hofer, ARD-Tagesschau, betonte die steigende Bedeutung von Mehrsprachigkeit, die in der globalisierten Welt zunehmend notwendig sein wird.

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben. Morgen, am 17. März, ist eine Zusammenfassung der Diskussion im „Journal-Panorama“ um 18.25 Uhr auf Ö1 zu hören. Eine Aufzeichnung des ORF-DialogForums ist ab Freitag, dem 18. März, auf zukunft.ORF.at als Video-on-Demand abrufbar.

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