ÖÄK: Handlungsbedarf bei Vorsorge- und Früherkennungsmedizin (2)

Pressekonferenz: Stillstand bei Mutter-Kind-Pass – Defizite bei Brustkrebs-Früherkennungsprogramm

Wien (OTS) - In der modernen Medizin zählen Vorsorge-Screenings zu den wichtigsten Fortschritten im Interesse der Gesundheit. „Doch leider sind wir hier mit einer Reihe von gesundheitspolitischen Baustellen konfrontiert. Wir Ärzte gewinnen den Eindruck, dass die Gesundheitspolitik Vorsorgeuntersuchungen häufig als lästigen Kostenfaktor sieht. Etwa indem sie erfolgreiche und bewährte regionale Programme nicht ausweitet“, sagte der Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) Johannes Steinhart, am Dienstag anlässlich einer Pressekonferenz. Dringenden Handlungsbedarf gibt es aus ÖÄK-Sicht auch bei der Weiterentwicklung des Mutter-Kind-Passes sowie beim Brustkrebs-Früherkennungsprogramm.

Einer dieser Sanierungsfälle, so Steinhart, sei der Mutter-Kind-Pass. Dieser wurde 1974 unter ärztlicher Begleitung eingeführt und hat sich sehr gut bewährt. Aus unerfindlichen Gründen ließ das Gesundheitsministerium die Mutter-Kind-Pass-Kommission im Obersten Sanitätsrat (OSR) Ende 2010 auslaufen und beauftragte das Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment mit einer Evaluation des Mutter-Kind-Passes. Das Ergebnis ist eine „Facharbeitsgruppe für Weiterentwicklung des Mutter-Kind-Passes“, in der die teilnehmenden Ärzte auch bei Themen, die wissenschaftliche Spezialexpertise erfordern, jederzeit von medizinischen Laien überstimmt werden können. Die Arbeitsgruppe ist außerdem ein auf mehrere Jahre angelegter Prozess, während dem keine Entscheidungen zum Mutter-Kind-Pass vorgesehen sind. „Rechnet man die Zeit seit dem Auslaufen der Kommission im OSR dazu, so herrscht bereits seit sechs Jahren Stillstand. Sechs Jahre, in denen keine neuen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Mutter-Kind-Pass integriert und damit Müttern und Kindern vorenthalten wurden“, kritisiert Steinhart. „Das ist aus ärztlicher Sicht nicht zu verantworten.“

Brustkrebs-Früherkennungsprogram: dringend zu optimieren

Ein weiterer Sanierungsfall ist das Brustkrebs-Screening. Die Anfang 2014 eingeführten Regelungen zur Brustkrebs-Vorsorge-Mammografie haben, auch durch eine veränderte Einladungspolitik, zu einem für viele Frauen potenziell gefährlichen Einbruch bei den Vorsorge-Mammografie-Zahlen geführt. Punktuell waren Rückgänge von etwa 40 Prozent zu verzeichnen, insgesamt hat sich durch das Programm die Zahl der Mammografien pro Jahr um 15 Prozent reduziert. Das führt dazu, dass Brustkrebs-Erkrankungen unbemerkt bleiben. Die Österreichische Ärztekammer hat sich deshalb immer wieder warnend zu Wort gemeldet. „Auf sinnvolle Anpassungen warten wir allerdings vergeblich, weil die Gesundheitspolitik nun einmal zunehmend einsparungsorientiert handelt, und nicht im Sinne der bestmöglichen Patientenversorgung“, so Steinhart. „Unsere Zwischenbilanz: Das Brustkrebs-Screening wurde von einem Früherkennungsprogramm zu einem Kostensenkungsprogramm zurechtmanipuliert. Weil sich die Erwartungen nicht erfüllt haben, muss das Programm dringend optimiert werden, damit Frauen keinen Schaden nehmen.“

Vertrauen auf neue Hauptverband-Führung

Nach vielen ernüchternden Erfahrungen in der Vergangenheit, so Steinhart, vertraue die Ärztekammer auf die neue Vorsitzende des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller:
„Wir werden ihr unsere Vorstellungen zu einer Ausweitung des Darmkrebs-Vorsorge-Screenings und zu einer Verbesserung anderer Früherkennungsprogramme sehr gerne präsentieren und hoffen, dabei auf Verständnis zu stoßen.“ (bk) (Schluss)

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