Neus Buch - Neubetrachtung des Bürgerkriegsjahrs 1934

"Österreich 1934 - Das Spiel mit dem Feuer": Präsentation im Parlament

Wien (PK) - Die Ereignisse des Februar 1934 und ihre Folgen standen im Mittelpunkt einer Buchpräsentation, zu der der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf gemeinsam mit der Österreichischen Kulturvereinigung in das Parlament einlud. Das von Michael Doppelreiter und Christian Prosl unter dem Titel "Österreich 1934 - Das Spiel mit dem Feuer" im Wieser Verlag herausgegebene Werk versteht sich dabei als Versuch einer differenzierten Betrachtung und lässt vor allem junge Juristen, Politologen und Historiker aus dem konservativen Lager zu Wort kommen.

Kopf: Erfolgsgeschichte der Zweiten Republik ist nur als Lehre aus der Ersten Republik zu verstehen

Zweiter Nationalratspräsident Karlheinz Kopf bezeichnete die Februarkämpfe 1934 als Höhepunkt einer Zeit, in der Hass, Intoleranz und Gesprächsverweigerung Österreich ins Chaos gestürzt hatten. Die damaligen Ereignisse sollten uns auch heute noch Warnung sein, mit den Grundsätzen des Rechtsstaats sorgsam umzugehen und alles zu unternehmen, damit auch in schwierigen Zeiten die Stimme der Vernunft und der Sachlichkeit gegenüber einem hemmungslosen Populismus die Oberhand behält, gab er zu bedenken und drückte in diesem Zusammenhang seine Besorgnis über den aktuellen europäischen Trend in Richtung Rechtspopulismus aus. Über die Ursachen und Geschehnisse des Jahres 1934 gebe es bis heute keinen nationalen Konsens, fügte Kopf an. Außer Zweifel stehe jedoch, dass die Erfolgsgeschichte der Zweiten Republik nur als Lehre aus den Fehlern der Ersten Republik zu verstehen ist.

Prosl: Publikation will mehr Licht in eine dunkle Zeit bringen

Bisher sei der Februar 1934 hauptsächlich von der Sozialdemokratie nahestehenden WissenschafterInnen erforscht und aufgearbeitet worden, erinnerte Mitherausgeber Christian Prosl. Das vorliegende Werk hingegen führe nun in seinen Beiträgen junge Fachleute aus dem konservativen Lager zusammen. Man gehe bei der Betrachtung der verhängnisvollen Ereignisse des Jahres 1934 jedenfalls davon aus, dass die sozialdemokratische Partei aufgrund ihrer Spaltung den Aufstand nicht hätte verhindern können. Fest stehe zudem aber auch, dass die Christlich-Sozialen ihrerseits weder damals noch heute die tiefe Traumatisierung der Sozialdemokratie durch das Bürgerkriegsjahr und seine Folgen erkannt haben. Prosl sah diesen Grundbefund des Buches als Chance für eine Entemotionalisierung und Versachlichung dieses heute noch relevanten Themas. Man dürfe die Dinge nicht aus einer schwarz-weißen Sichtweise betrachten, vielmehr gebe es auch zahlreiche Grautöne, meinte Prosl und schloss mit der Mahnung an Politik und Geschichtsforschung, eben diese Grautöne nicht außer Acht zu lassen.

Fakten und Mythen des Februar 1934

Die Spirale der Gewalt im Jahr 1934 und ihre Folgen waren anschließend auch Gegenstand einer vom Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten" Manfred Perterer moderierten Podiumsdiskussion. Dieter Binder (Karl-Franzens-Universität Graz und Andrassy Universität Budapest) bedauerte dabei vor allem die politische Instrumentalisierung des 12. Februar 1934 nach 1945 und sprach von einer verzögerten Diskussion über die Vergangenheit, die auch heute noch von einem Gegensatz zwischen historischer Forschung und Mythenbildung gekennzeichnet ist. Dies bestätigte auch der Historiker Kurt Bauer und betonte, im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung seien der größte Teil der 350 bis 360 Opfer, nämlich 38%, unbeteiligte Personen gewesen, während jeweils 31% Aufständische einschließlich Hingerichtete bzw. Mitglieder von Exekutive und Bundesheer waren. Die Versöhnung der Bürgerkriegsgegner im KZ im Sinne eines "Geistes der Lagerstraße" sei jedenfalls nicht zutreffend und stelle einen "absoluten Mythos" dar, warf "Profil"-Redakteur Herbert Lackner ein und erinnerte dabei an bis weit in die Zweite Republik hineinreichende Differenzen über die Auslegung der Ereignisse. (Schluss) hof

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