Neue Therapie bei chronisch lymphatischer Leukämie könnte Chemotherapie ersetzen

Wien (OTS) - Studien am Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien und des AKH Wien zeigen, dass die Wirkstoffe Ibrutinib und Idelalisib, die in der zielgerichteten Therapie bei chronisch lymphatischer Leukämie eingesetzt werden, das Überleben von HochrisikopatientInnen signifikant verlängern. Liegt die mittlere Überlebenszeit dieser PatientInnen bei normaler Therapie bei ein bis zwei Jahren, waren mit der neuen Therapie nach zwei Jahren noch 80 Prozent der Betroffenen am Leben. Die Ergebnisse lassen hoffen, dass die beiden Wirkstoffe in Zukunft sowohl die Chemotherapie als auch die Stammzellentransplantation ersetzen können.

Die beiden Wirkstoffe sind sogenannte „Small Molecules“ und gehören der Substanzklasse der Kinaseinhibitoren an. Diese werden in der zielgerichteten Therapie eingesetzt, wo sie Signalwege der Tumorzellen unterbrechen. Beide Substanzen hemmen das Zellwachstum, Idelalisib beeinflusst zusätzlich auch noch ihre Fähigkeit abzusiedeln. In den letzten beiden Jahren wurden sie an der MedUni Wien als Einzelsubstanzen in Studien getestet und stehen nun PatientInnen auch in der Routine zur Verfügung.

Ulrich Jäger, Leiter der klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der MedUni Wien und des AKH Wien und Mitglied des Comprehensive Cancer Center Vienna, erklärt: „Die Ergebnisse dieser Studien können als Meilensteine gewertet werden. Wir haben nun begonnen, die Kombination der beiden Substanzen in weiteren Studien zu untersuchen. Sie könnten in Zukunft vielleicht sogar teilweise die Chemo- und Stammzellentransplantation ersetzen.“

Modellsystem

Diese Ergebnisse, aber auch der Einsatz von Kinaseinhibitoren in der Onkologie an sich, sind zentrales Thema der Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), die von 17. bis 19. März in Wien stattfindet. Jäger, der auch Präsident dieser Tagung ist: „In der zielgerichteten Therapie gelten Krebserkrankungen des Blutes als Modellsysteme für viele Krebserkrankungen. Erkenntnisse aus der Hämatologie sind daher auch für andere Onkologen von großem Interesse.“

Der Grund: Die zielgerichtete Therapie geht gegen spezifische molekularbiologische Eigenschaften der Tumorzelle vor. Um diese Eigenschaften bestimmen zu können, müssen Gewebeproben entnommen werden. Das gilt auch, wenn während der Therapie Verlaufskontrollen gemacht werden müssen. Bei soliden Tumoren ist die Entnahme einer Gewebeprobe meist nur mit einem operativen Eingriff möglich, was für die PatientInnen belastend und mit einem Risiko behaftet ist. Jäger:
„Bei hämato-onkologischen Erkrankungen gewinnen wir durch eine Blutabnahme oder eine Punktion des Knochenmarks rasch, einfach und kostengünstig Millionen von Zellen, die wir dann untersuchen können.“

Über die chronisch lymphatische Leukämie

Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist eine der beiden Untergruppen der lymphatischen Leukämie. Sie ist die häufigste Form von Blutkrebs und betrifft vor allem Menschen über 60 Jahre. In dieser Altersgruppe sind von 100.000 Personen rund 20 im Jahr mit einer Erstdiagnose konfrontiert. Konkret heißt das, dass an der MedUni Wien und am AKH Wien pro Jahr zwischen 70 und 90 neue PatientInnen diagnostiziert werden. Von ihnen gelten etwa 10 bis 15 Prozent als HochrisikopatientInnen. Der Grund dafür sind genetische Veränderungen in ihren Tumorzellen. Die mittlere Überlebenszeit dieser PatientInnengruppe beträgt unter herkömmlicher Therapie im Durchschnitt ein bis zwei Jahre.

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