Bundesbauernrat in Salzburg: "Manifest der Bäuerinnen" an Agrarspitze übergeben

Neue Risikoversicherung bringt Sicherheit – Russland- Embargo muss abgemildert werden – Bauernbund-Wahlkampfauftakt für Andreas Khol

Hof bei Salzburg/Wien, 12. März 2016 (OTS) Unter dem Motto
"Die Zukunft neu einfärben" tagte heute, Samstag, in Hof bei Salzburg, bei einem Bundesbauernrat das höchste Gremium des Bauernbundes. Dieses besteht aus Delegierten und Gästen aller
9 Bundesländer. Gut 300 Teilnehmer waren zusammengekommen, um
von den Bäuerinnen ein Programm zu den wesentlichen
agrarischen Zukunftsfragen präsentiert zu bekommen. Die
Grundzüge des Programmes wurden als "Manifest der Bäuerinnen"
an die Agrarspitze überreicht. Dabei greifen die Bäuerinnen
die akute Problemlage in der Land- und Forstwirtschaft auf:
angesprochen wurden etwa der Preisverfall, die Schuldenfalle
durch teure Investitionen oder auch der verschwindende Anteil
an der Wertschöpfungskette. ****

Für Bauernbund-Präsident Auer ist klar: "Was uns die Bäuerinnen heute auf den Tisch gelegt haben, zeigt, dass es
für die Zukunft sträflich wäre, auf die Fähigkeiten der Frauen zur Problemlösung zu verzichten." Auer geht seinerseits auf Probleme ein: "Die Landwirtschaft steht unter Druck – wirtschaftlich, gesellschaftlich, moralisch. Der Konsolidierungsdruck ist stark. "Dieses Manifest ist ein
Auftrag, realistische Ideen für mehr Marktfähigkeit, über alle Sektoren hinweg, auf ihre Machbarkeit zu überprüfen", sagt
Auer am Bundesbauernrat zu, die Problemstellungen in einer
neuen, paritätisch besetzen Plattform zu diskutieren. Eine möglichst hohe Beteiligung aus allen Sparten, Altersklassen
und Interessenslagen sei ausdrücklich erwünscht. Die Landwirtschaft habe generell gute Perspektiven: "Aber die
Zukunft schaffen wir nur gemeinsam. Für Alleingänge ist der
Wind am globalen Markt viel zu scharf. Um uns herrschen die
Gesetze des globalen Marktes und der Marken."

Markenentwicklung verstärken

Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann fasst die Kernforderungen
des Manifestes zusammen: "Wir Bäuerinnen sind überzeugt, dass
wir wirksame Konzepte brauchen, um für unsere Produkte bessere Marktpreise zu erzielen. Mittelfristig müssen wir über Alternativen zu Konzernmarken nachdenken. Mit der hohen
Anerkennung, die Bäuerinnen und Bauern in der Gesellschaft genießen, würden andere schon jetzt gute Geschäfte machen,
stellt die Bundesbäuerin fest. Was im Geschäft für
Nahrungsmittel bezahlt wird, kommt allerdings nur zum geringen
Teil auf den Höfen an, kritisiert Schwarzmann. "Warum? Weil
wir unsere Erzeugnisse ab der Stalltüre in die Anonymität verabschieden. Anders als jedes Marketing-Buch lehrt,
behandeln wir unsere Milch, unser Fleisch wie Stiefkinder."

"Die Landwirtschaft bleibt auf ihren Kosten sitzen",
kritisieren Schwarzmann und Auer unisono. "Der Bauer ist der Einzige, der keine Rechnung stellt." Dabei sei sich die Landwirtschaft ihrer Verantwortung zu bedingungsloser Qualität bewusst. "Zu all diesen Fragen, wie wir produzieren wollen und
auf welche Art wir investieren sollen, brauchen wir aber eine Auseinandersetzung, die heute beginnt", gibt Schwarzmann das Startsignal für einen mindestens einjährigen vertieften Diskussionsprozess innerhalb der Bauernschaft.

Für Bauernbund-Direktor Hannes Abentung gibt es kaum eine Entwicklung am bäuerlichen Betrieb, die nicht von den Frauen mitentschieden würde. Rund die Hälfte der Chefs auf den Bauernhöfen seien Frauen. Was den Stellenwert der Frauen in unruhigen Zeiten noch höher macht: "Die Bäuerinnen haben ein
viel genaueres Sensorium dafür, dass die Lebensqualität sehr eingeschränkt wird. Wo wir neue Lösungen suchen, die nicht im Immer-mehr, sondern im Immer-Besser bestehen, müssen
Bäuerinnen und Bauern an einem Strang ziehen."

Teufelskreislauf wird durch Investitionen und auch gesellschaftlichen Druck verschärft

Zugleich wurde am heutigen Bundesbauernrat von den
Delegierten ein "Standortsicherungspaket für die Land- und Forstwirtschaft" verabschiedet. In der Resolution werden etwa
eine Risikoversicherung für Ernteausfälle, eine
Exportoffensive und Qualitätsstrategie, eine Vorwärtsbewegung
in den Wirtschaftsbeziehungen zu Russland sowie eine
Ausweitung des Bestbieterprinzips bei der nächsten
Novellierung des Bundesvergabegesetzes gefordert.

Auer zeigt sich realistisch, was die Einflussgrenzen der
Politik anlangt: "Was die bäuerlichen Betriebe durch den Preisverfall am Markt verlieren, vor allem bei Milch und Schweinefleisch, können wir allein durch Kompensationen der öffentlichen Hand nie und nimmer wettmachen." Dennoch habe die Politik ihrer Aufgabe nachzukommen, einem systemrelevanten
Sektor wie die Landwirtschaft, gute Rahmenbedingungen zu
schaffen. Auer nennt beispielsweise die neue
Risikoversicherung, die mehr Sicherheit bei unvorhersehbaren Ernteausfällen bringen wird. Weiters müssen die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland verbessert und das Embargo abgemildert werden: "Der Boykott kostet allein den heimischen Schweinesektor jährlich eine Million Euro."

Andreas Khol ist der "logische Bundespräsident"

Zugleich bot der Bauernbund heute auch dem ÖVP-Präsidentschaftskandidaten Andreas Khol die Bühne. "Für den Bauernbund ist der Wahlkampf um die Hofburg damit offiziell eröffnet. Wir sind überzeugt, dass wir mit Andreas Khol den logischen Bundespräsidenten stellen", erklärte Bauernbund-Chef Jakob Auer.

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