Gara/Meinl-Reisinger warnen: Das Wiener Gesundheitssystem steht vor dem Burn-out

NEOS Wien: „Mit falschen Zahlen berechnete Strategien können nicht funktionieren“

Wien (OTS) - „Das Wiener Gesundheitssystem schlingert und steht vor einem Burn-out. Statt eines ordentlichen Managements dominieren politische Seilschaften und Eigeninteressen, das zeigt ja auch der Fall rund um Asklepios-Gründer Rainer. Nachdem man ein ganzes Jahrzehnt Zeit hatte, um das Gesundheitssystem neu aufzustellen, beginnt die Politik jetzt mit einem Flickwerk ihre Fehler zu kaschieren“, reagiert NEOS Wien Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger auf die Ankündigung, die allgemeinmedizinische und fachärztliche Versorgung in Wien neu aufzustellen.

Eine Symptompolitik, die die Fehler im Wiener Gesundheitssystem nicht reparieren wird, meint auch Stefan Gara, Gesundheitssprecher von NEOS Wien. „Ein Spitalskonzept steht und fällt mit einem Konzept des niedergelassenen Bereiches, denn oft fehlt die Alternative zum Krankenhaus. Man peitschte lieber eine kurzsichtige KAV-Konzernstrategie als Gesundheitsplan durch. Das Grundproblem ist der enorme Organisations- und Datenmangel, der eine integrierte Gesundheitsstrategie von vornherein unmöglich macht. Daraus ergibt sich auch der massive Vertrauensverlust seitens des medizinischen Personals“, erklärt Gara.

ZT: Über Nacht fehlte plötzlich ein Viertel der Ärztearbeitszeit

Wehsely arbeite mit teilweise falschen oder nicht existierenden Zahlen: „Das begann schon beim Durchpeitschen des neuen Ärztearbeitszeitgesetzes. Da die genauen Arbeitszeiten im alten System nicht erfasst wurden, fehlte über Nacht plötzlich ein Viertel der Ärztearbeitszeit, da Ärztinnen und Ärzte statt 55 bis 60 Stunden nur mehr 48 bzw. 40 Stunden arbeiten durften. Weniger Ärztearbeitszeit bei gleichbleibender Leistung, das kann sich nicht ausgehen“, weist Gara auf die Problematik hin. Bei der Umfrage der Ärztekammer gaben 81 Prozent der Ärzt_innen an, ihr Arbeitsaufwand sei mehr bis viel mehr geworden. „Wen wundert es, dass die Ambulanzen völlig überlastet sind und die Wartelisten für OP-Termine von Tag zu Tag länger werden. Wehsely lässt nun die tatsächlichen Nachtarbeitszeiten evaluieren. Diese Daten wären aber schon vor Erstellung der Gesundheitsstrategie für Wien dringend notwendig gewesen“, kritisiert der Wiener Gesundheitssprecher.

Daten seien Mangelware, zum Beispiel fehlen genaue Patientenstrom-Analysen. „Der Engpass in der Kinderambulanz des Donauspitals ist daher kein bedauernswerter Einzelfall, sondern logische Konsequenz eines fehlgeplanten Systems. Ich kann doch keine neue Strategie aufsetzen, wenn wichtige Daten zum IST-Zustand fehlen. Die Symptome dieser Fehlplanung werden jetzt sichtbar, werden aber von der Politik ignoriert, weil sie die Krise nicht anerkennen“, warnt Gara. „Es ist zwar ein positives Zeichen, dass man sich auf einen gemeinsamen Fahrplan zur Neuorganisation der Primärversorgung geeinigt hat, doch es wird nach wie vor eine reine Ankündigungspolitik betrieben.“

ZT: Fließbandbetrieb in Kindermedizin führt zu hohen Folgekosten

„Das Gesundheitssystem entwickelt sich in Richtung Fließbandbetrieb. Das mag in einigen Fachdisziplinen eine Zeit lang gut gehen, in einem Intensivfach wie etwa der Kindermedizin wird es zum Kollaps führen“, warnt Gara. Kann die Qualität in diesem Bereich nicht aufrechterhalten werden, sind die Folgen fatal: „Hier kann es nicht nur um kurzfristige finanzielle Einsparungen gehen, denn die Kindermedizin ist eine zukunftsorientierte Investition und aus sozialpolitischer Sicht ein entscheidender Faktor. Wenn wir hier scheitern, machen die Folgekosten für die Gesellschaft ein Vielfaches aus. Ganz zu schweigen von den Betroffenen, die mit den medizinischen Folgen leben müssen“, so Gara.

Wien steure auf eine völlige Überlastung des Gesundheitssystems zu, die massive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen in der Stadt haben werde, so der Gesundheitssprecher. „Nur wenn die unterschiedlichen medizinischen Bereiche in ganzheitlichen Konzepten gedacht, entwickelt und finanziert werden, kann diese Entwicklung aufgehalten werden“, warnt Gara vor einer Aushöhlung der Gesundheitsversorgung.

Eine Gefahr, auf die auch Meinl-Reisinger abschließend hinweist:
„Wehsely muss jetzt handeln und das drohende Burn-out des Systems abwenden. Aber nicht durch Flickwerk, sondern durch ein ganzheitliches Konzept, das auf Fakten basiert. Die Stadtregierung muss endlich aufwachen und diese unverantwortliche Politik stoppen.“

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