Landbewirtschaftung durch Einschränkungen gefährdet

Situation der Betriebe darf nicht mehr weiter verschärft werden

Wien (OTS) - 2015 war ein wechselhaftes Jahr für die österreichische Land- und Forstwirtschaft. Im Vergleich zu den Jahren davor hat sich die Marktlage in der Forstwirtschaft aufgrund von Kalamitäten wie Sturmschäden oder Käferbefall verschlechtert. Der heiße Sommer sowie die fehlenden Niederschläge haben sowohl der Landwirtschaft als auch dem Wald zugesetzt. Trotz diesen Herausforderungen konnte die Versorgung der Holzindustrie mit heimischem Holz und eine auskömmliche landwirtschaftliche Ernte sichergestellt werden. Damit das jedoch auch zukünftig noch möglich ist, dürfen den heimischen Betrieben keine weiteren Belastungen und Einschränkungen mehr aufgebürdet werden.

Schnee- und Eisbruch, der Sturm „Niklas“ und ein trockener Sommer mit den in Folge aufgetretenen Waldbränden belasteten die heimischen Forstbetriebe 2015. Der erhöhte Käferbefall beeinflusste massiv die Bewirtschaftung und verschlechterte die Marktlage. So kam es bei Sägerundholz aufgrund des Käferholzanfalles zu einem spürbaren Preisrückgang. Die Sägeindustrie wurde überproportional mit schlechteren Sortimenten versorgt, wodurch sich auch die Erträge der Forstbetriebe reduzierten.

Export Nadelschnittholz gestiegen

Insgesamt beträgt der Holzeinschlag 2015 nach einer ersten Schätzung 16,9 Millionen Festmeter, das Schadholz beläuft sich auf 6 Millionen Festmeter.

„Erfreulich ist, dass laut der vorläufigen Hochrechnung für 2015 beim Export von Nadelschnittholz die Schwelle von 5 Millionen Kubikmeter überschritten werden konnte (ein Plus von mehr als 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Mit einem Exportanteil von 47 Prozent ist unser südlicher Nachbar Italien nach wie vor das wichtigste Exportland, allerdings bewegen wir uns dort gegenüber dem Rekordjahr 2007 weiter auf der Talsohle. Die Exporte nach Deutschland konnten deutlich gesteigert werden (740.000 Festmeter, plus 7 Prozent). Auch der japanische Markt hat nach dem Tief 2014 wieder deutlich zugelegt. Positiv zeigt sich auch die Situation am Levante-Markt“, führt DI Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, die Lage am Exportmarkt im Rahmen der heutigen Wirtschaftspressekonferenz aus.

Große Import-Auswirkungen durch „Niklas“

In Bayern kam es durch den Sturm „Niklas“ 2015 insgesamt zu 2,5 Millionen Festmeter Schadholz. Der Rundholz-Export nach Österreich ist dadurch deutlich gestiegen. Der Import aus Deutschland betrug über 1,6 Millionen Festmeter, was nahezu eine Verdoppelung zum Jahr davor ist. Insgesamt wurden letztes Jahr laut Hochrechnung 5,2 Millionen Festmeter Nadelsägerundholz importiert, was eine Steigerung von 13 Prozent bedeutet. Tschechien ist dabei stabil auf Platz eins der Lieferländer mit rund 1,9 Millionen Festmeter. Der Import von Nadelindustrieholz hat sich mit einem leichten Rückgang auf dem Niveau des Jahres 2014 eingependelt (1,2 Millionen Festmeter).

Auswirkungen auf die Holzpreise

Der erhöhte Import sowie die Kalamitäten wirkten sich auf die Holzpreisentwicklung aus. So haben die Preise für Nadelblochholz um fast 7 Prozent nachgegeben und liegen im Jahresdurchschnitt 2015 bei rund 92 Euro pro Festmeter (2014: 98 Euro). Auch die Preise für das Nadelindustrieholz sind von 39 auf 37 Euro leicht gesunken. Grund waren fehlende Abnahmekapazitäten durch Umbauten in Pöls sowie ein erhöhtes Angebot durch Kalamitäten. Die Abnahmesituationen war angespannt, konnte aber bewältigt werden. Beim Blochholz Buche konnte hingegen ein leichtes Plus verzeichnet werden. Insgesamt hat sich die Sortimentsstruktur aufgrund der Kalamitäten und dem Rückgang der Preise verschlechtert.

Situation in den Forstbetrieben angespannt

Trockenheit und Hitze haben dem Wald stark zugesetzt, es gab viele Ausfälle und Zuwachsverluste. Die Betriebe mussten daher nachbessern, was mit enormen Kosten verbunden war.

Die Holzerlöse sanken um rund 7-8 Prozent, gleichzeitig waren die Betriebe aufgrund der Schadholzaufarbeitung mit erhöhten Holzerntekosten konfrontiert. In Summe ist es zu einem Gewinneinbruch von 10 Prozent gekommen.

Im vergangenen Jahr wurde sehr viel in die Waldpflege investiert. Heuer muss die durch die Trockenheit 2015 ausgefallene Waldverjüngung ersetzt werden. Des Weiteren muss auf die Auswirkungen des Klimawandels mit Anpassungsstrategien, zum Beispiel durch die Baumartenwahl, reagiert werden. Auch der Borkenkäferbefall wird die Betriebe dieses Jahr noch intensiv beschäftigen.

Landwirtschaftliche Bilanz 2015

2015 waren die Landwirte mit dem trockensten Jahr überhaupt konfrontiert, die Getreideernte war jedoch besser als erwartet. Grund dafür war der nasse Herbst und Winter 2014/2015. Zur Aussaat herrschten ideale Bedingungen, die Feuchtigkeit konnte lange im Boden gehalten werden.

„Die Weltgetreideernte lag 2015/16 im dritten Jahr auf einem Rekordniveau und war höher als der weltweit gestiegene Verbrauch. Durch die allgemeine Schwäche der Rohstoffpreise kommt es zu einem extremen Preisdruck in der Landwirtschaft. Zu den weiterhin sinkenden Einkommen der Bauern kommen weniger öffentliche Gelder und ein steigender bürokratischer Aufwand in der neuen GAP-Förderperiode, die Herausforderungen durch den Klimawandel sowie ein Rückgang der Produktionsflächen durch Bodenversiegelung“, analysiert Vizepräsident DI Richard Auer-Welsbach die Situation in der Landwirtschaft.

Weitere Eigentumsbeschränkungen verhindern

„Im letzten Jahr wurde wieder deutlich, unter welchen schwierigen Bedingungen die Landbewirtschafter in Österreich arbeiten müssen. Zu den Herausforderungen wie Kalamitäten, Klimawandel und Bürokratie kommen vielfältige Interessen und Forderungen aus Politik und Gesellschaft, wie zum Beispiel die Ausweisung von weiteren Naturschutzgebieten oder die gesetzliche Öffnung von Forststraßen für Mountainbiker hinzu. Damit die Betriebe jedoch auch in Zukunft noch nachhaltig wirtschaften können und die Holzversorgung sowie die Lebensmittelproduktion nicht gefährdet werden, darf es zu keinen weiteren Einschränkungen und Belastungen in der Bewirtschaftung mehr kommen“, verdeutlicht Präsident Montecuccoli die bedenkliche Situation.

Um langfristig alle Waldfunktionen erhalten zu können, müssen sich die politischen Verantwortungsträger nun schnell zu einer aktiven Forst- und Holzwirtschaft und zum Schutz der Eigentumsrechte bekennen. Es wird nicht mehr funktionieren, dass von den Waldeigentümern immer mehr gefordert wird, sie aber gleichzeitig in der Ausübung ihrer Arbeit immer weiter beschränkt werden. Nur gesichertes Eigentum garantiert eine nachhaltige, generationenübergreifende Landbewirtschaftung und damit Wertschöpfung und eine Absicherung des ländlichen Raums. Dafür braucht es stabile Rahmenbedingungen.

Als gestern einstimmig wiedergewählter Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich sieht DI Felix Montecuccoli die Verteidigung des Eigentums an Grund und Boden und den zugehörigen Rechten gegen eine weitere Aushöhlung in den verschiedensten Gesetzen auf nationaler und europäischer Ebene als zentrales Thema des Verbandes.

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