Fünf Jahre Fukushima: Nichts ist unter Kontrolle

Anstieg von Schilddrüsenkrebs bei Kindern der Region nachgewiesen, die Abrissarbeiten an den Reaktoren werden noch Jahrzehnte dauern.

Wien (OTS) - Anlässlich des fünften Jahrestages der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima fordert die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 ein internationales Eingreifen in die schleppenden Aufräumarbeiten und effektive Hilfe für die betroffene Bevölkerung, insbesondere für Kinder und Jugendliche in der Region. „Auch fünf Jahre nach den Super-GAUs im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi haben die japanischen Behörden die Auswirkungen des schlimmsten Reaktorunfalls nach Tschernobyl nicht unter Kontrolle“, sagt Dr. Reinhard Uhrig, Atomsprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Mit einer künstlerischen Installation in Wien (Die Geister, die ich rief: Nie mehr Fukushima, siehe Bild anbei) macht GLOBAL 2000 auf gespenstische Art auf die Gefahren von Atomkraft aufmerksam.

Aus dem Reaktor 4-Abklingbecken des AKWs Fukushima Daiichi wurden die Brennelemente geborgen, für die stärker zerstörten Reaktoren 1 und 3 steht das allerdings noch aus. Völlig ungelöst ist die Bergung des geschmolzene Kernbrennstoffs, der sich tief in den Beton unter den Reaktor-Ruinen gebrannt hat – und von dem der Leiter der Stilllegungsarbeiten zugibt, dass niemand genau weiß, wo dieser sich befindet. Kein Arbeiter kann sich dem Brennstoff wegen der hohen Strahlung nähern, Roboter-Elektronik versagt nach kurzer Zeit. Über 1.100 Wassertanks im Nuklearkomplex nehmen immer neue Millionen Liter radioaktiv verseuchtes Wasser auf, in der betroffenen Region lagern 166.000 Tonnen radioaktiv belastetes Erdreich und Pflanzen in schwarzen Säcken in 46.000 Zwischenlagern – die bei starken Regenfällen teilweise aufreißen und ihren radioaktiven Inhalt wieder freisetzen.

Gesundheitliche Folgen der Reaktorkatastrophe

Viele Menschen aus der Region um die Reaktor-Ruinen wurden verspätet evakuiert, vielen wurden zu spät Jodtabletten zum Schutz vor radioaktivem Iod-131 ausgeteilt. Allein durch die chaotische Evakuierung und die schlechten Lebensbedingungen danach sind bereits 2.000 Menschen gestorben, über 100.000 Menschen leben immer noch in Notunterkünften. Genauso wie schon nach der Tschernobyl-Katastrophe war die japanische Regierung und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) vorwiegend darum bemüht, zu versichern dass ‚alles unter Kontrolle‘ („cold shutdown“) sei und dass das Nuklear-Desaster keine gesundheitlichen Auswirkungen haben werde. „Unabhängige Experten, wie der britische Strahlenexperte Dr. Ian Fairlie, schätzen, dass es durch die gemessene radioaktive Freisetzung zu mindestens 5.000 Krebstoten kommen wird“, betont Uhrig. „Hier ist in den nächsten Jahren gründliches Monitoring, medizinische Unterstützung und Hilfe für die betroffenen Menschen nötig – und ein Ende des permanenten Verharmlosens der radioaktiven Strahlung durch die japanische Regierung und die IAEO.“

Besonders schwer wiegt die Verstrahlung der 360.000 Kinder und Jugendlichen: die Auswertung von detaillierten Untersuchungen ergab unumstößliche Beweise, dass es in der besonders hoch belasteten Region wie nach Tschernobyl bereits zu einem starken Anstieg von Schilddrüsenkrebsfällen kommt, wie das Forscherteam um Toshihide Tsuda 2015 nachgewiesen hat. Mittlerweile wurde Schilddrüsenkrebs bei 150 Kindern und Jugendlichen diagnostiziert, die Zahlen werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Die japanische Regierung und die IAEO haben offenkundig nichts aus der Atom-Katastrophe gelernt, die Betreibergesellschaft TEPCO ist mit der Situation völlig überfordert. GLOBAL 2000 unterstützt daher die Forderung der japanischen Partnerorganisation „Friends of the Earth Japan“ nach einer Evakuierung der Kinder und Jugendlichen aus den hoch belasteten Gebieten und fordert in einer Petition eine Reform der IAEO.

Hier geht’s zur Petition:
www.global2000.at/schluss-mit-werbung-für-atomkraft

Bildmaterial finden Sie unter: www.flickr.com/photos/global2000. Dieses steht unter Angabe des Photocredits © GLOBAL 2000 kostenlos zur Verfügung.

Bildinformation: GLOBAL 2000 veranstaltete gestern Abend im Wiener Votivpark eine Mahnwache mit 50 „Geistern“, mit LED beleuchtete leere Schutzanzüge, die symbolisch für die verstrahlte Bevölkerung in Fukushima stehen.

Rückfragen & Kontakt:

GLOBAL 2000 Pressesprecherin: Mag. Lydia Matzka-Saboi, 0699 14 2000 26, presse@global2000.at
GLOBAL 2000 Atomsprecher: Dr. Reinhard Uhrig, 0699 14 2000 18, reinhard.uhrig@global2000.at

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